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Netflix-Film: Warum der beste Witz in "Black Mirror: Bandersnatch" leider keinen Sinn macht

Der interaktive Film "Black Mirror: Bandersnatch" zeigt, wie modernes Fernsehen geht. Leider patzt das Drehbuch bei einem ziemlich zentralen Element der Geschichte. Hier lesen Sie, warum. Vorsicht: Spoiler.

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+++ Achtung, die folgenden Passagen enthalten Spoiler zum Film "Black Mirror: Bandersnatch". Wer sich überraschen lassen möchte, sollte nicht weiterlesen +++

Mit "Black Mirror: Bandersnatch" hat der Streamingdienst Netflix wieder einmal demonstriert, wie kreativ modernes Fernsehen erzählt werden kann. In der Technik-Dystopie wird die Geschichte nicht einfach heruntergespult, stattdessen kann der Zuschauer mehrfach selbst entscheiden, wie die Handlung rund um den Videospiel-Entwickler Stefan Butler weitergeht. Deshalb sieht fast jeder Zuschauer seine eigene Version des Films.

In einigen Handlungssträngen kommt Stefan bei der Entwicklung seines "Bandersnatch"-Spiels nicht weiter, weshalb er seinen Kollegen Colin Ritman trifft, der ihm aus der Patsche helfen soll. Gemeinsam nehmen sie - sofern der Zuschauer es so will - jeweils eine Pappe LSD, anschließend durchleben beide einen halluzinogenen Trip.

Verschwörung um Pac-Man

Bevor der Drogenwahn für einen von beiden tödlich endet (auch hier entscheidet der Zuschauer), schwafelt Colin über diverse Verschwörungstheorien, in denen er das echte Leben mit einem Videospiel vergleicht. Dabei schwadroniert er viel über das populäre Videospiel "Pac-Man": Colin behauptet, der Name sei der Beweis für eine größere Verschwörungstheorie. Das "Pac" stehe für "Program and Control", was sinngemäß bedeute, dass wir gar keine freie Wahl hätten, sondern alles längst von irgendjemanden - in diesem Fall dem "Program and Control"-Man - entschieden sei. "Das ganze Ding ist eine Metapher. Alles, was er kann, ist konsumieren. Er wird von Geistern verfolgt, die es womöglich nur in seinem Kopf gibt." Eine witzige Idee, doch so richtig ernst nimmt man das Drogen-Gequatsche nicht.

Doch später wird das Pac-Man-Motiv und mit ihm die "Program and Control"-Metapher wiederholt aufgegriffen. Ist an der Theorie vielleicht doch etwas dran?

Nein, sie ist totaler Blödsinn. Denn was die Drehbuchautoren offenbar nicht wussten: Pac-Man sollte eigentlich gar nicht so heißen. Ursprünglich hier er Puck-Man, der Name stammt von der japanischen Phrase Paku-Paku, was so viel bedeutet wie den Mund auf- und zuzumachen. Und das ist schließlich das einzige, was Pac- beziehungsweise Puck-Man so macht.

Angst der Amerikaner

Puck-Man wurde allerdings schnell verworfen, weil die Amerikaner Angst hatten, dass Vandalen an den Automaten das P zerkratzen und in ein F verwandeln. Offenbar nicht zu Unrecht. Pac-Man-Schöpfer Toru Iwatani bestätigte anlässlich des 30-jährigen Jubiläums im Jahr 2010 die Theorie. Nachdem die amerikanische Version auf den Markt kam, trat "Pac" seinen Siegeszug auf der ganzen Welt an.

So cool Colins Verschwörungstheorie also auch klingt, die Wahrheit ist deutlich trivialer. Pac-Man war nur die zweite Wahl.

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