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Streamingdienst unter Druck: Warum Netflix wegen Disney die Preise erhöhen muss

Das Monster wird größer: Netflix gewinnt in atemraubendem Tempo neue Abonnenten. Doch das Wachstum hat seinen Preis. Der Schuldenberg türmt sich immer höher - und auch der Druck auf das Unternehmen steigt.

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Beeindruckend. Anders kann man die Entwicklung von Netflix in den vergangenen Monaten nicht zusammenfassen: Allein in den drei Monaten bis Ende Dezember konnte der Streaming-Dienst unterm Strich 8,8 Millionen neue Bezahlabos verbuchen. Im US-Heimatmarkt kamen 1,5 Millionen neue Kunden hinzu, international 7,3 Millionen. Damit steigt die Gesamtzahl der Abonnenten zum Jahresende auf gut 139 Millionen. Das sind so viele wie noch nie.

Wachstum über alles, das ist Netflix' Motto. Doch die Strategie hat ihren Preis - im wahrsten Sinne des Wortes: Ein genauer Blick in die Quartalszahlen zeigt, dass der Konzern trotz des offiziellen Gewinns (134 Millionen Dollar) einen negativen Cashflow in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar verbuchen musste. Im gesamten Geschäftsjahr waren es sogar drei Milliarden. Das heißt im Klartext: Trotz des raketenhaften Wachstums verbrennt Netflix jede Menge Geld.

Das Geschäft wird härter

Da ist zum einen das teure Lizenzgeschäft. Die Serie "Friends" etwa, die von 1994 bis 2004 auf NBC lief, ist trotz ihres Alters eine der beliebtesten auf dem Streamingportal. Netflix wollte die Serie aus dem Katalog werfen, bekam aber direkt den Zorn der Fans zu spüren. Am Ende überwies der Konzern rund 100 Millionen Dollar an Warner Media, um die Serie auch 2019 zeigen zu können.

Doch selbst mit allem Geld der Welt kann Netflix auf Dauer diesen Kampf nicht gewinnen. Disney und der zu AT&T gehörende Medienkonzern Warner Media wollen noch in diesem Jahr ein eigenes Angebot starten, anderen Streamingdiensten werden deshalb nach und nach die Nutzungrechte entzogen. Neben den bekannten Animationsfilmen sind davon etwa auch die "Star Wars"- und Marvel-Produktionen betroffen. Apple bereitet ebenfalls den Einstieg ins Seriengeschäft vor und sichert sich weitere Exklusivtitel.

Serien sind Lösung und Problem

Um sich unabhängiger zu machen, investiert der Konzern deshalb verstärkt in eigene Serien, Filme und Dokumentationen. Damit hebt sich Netflix von der Konkurrenz ab. Und schafft zugleich ein neues Problem, denn die Produktionen kosten einen Haufen Geld. Bei der erfolgreichen Serie "Stranger Things", deren neue Staffel am 4. Juli startet, kostet jede Episode bis zu acht Millionen US-Dollar. Eine ganze Staffel schlägt mit 50 bis 100 Millionen zu Buche. Insgesamt, das zeigen die aktuellen Zahlen, hat Netflix Produktionen in Höhe von fast 20 Milliarden (!) US-Dollar genehmigt. Das Geld muss erst einmal verdient werden, zumal der Schuldenberg zwischen zehn und zwölf Milliarden US-Dollar betragen soll.

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Im Heimatmarkt in den Vereinigten Staaten hat Netflix deshalb bereits die Preise erhöht. Neu-Abonnenten zahlen ab sofort bis zu 18 Prozent mehr, bestehende Kunden müssen in ein paar Monaten tiefer in die Tasche greifen. Experten erwarten, dass Netflix über kurz oder lang - vermutlich eher kurz - auch in weiteren Ländern die Preise anheben wird. In Deutschland testet der Konzern bereits, wie viel die Kunden zu zahlen bereit sind. Je nach Experiment werden bis zu 17,99 Euro im Monat verlangt. Das sind vier Euro mehr als bislang. Hier erfahren Sie mehr.

Netflix: Wachstum und Preiserhöhungen

Netflix steht nun gewissermaßen an einem Scheideweg: Der Konzern hat die Unterhaltungsindustrie umgekrempelt, wurde immens erfolgreich und rief zahlreiche Nachahmer auf den Plan. Durch den Erfolg wurden ehemalige Verbündete jedoch zu Widersachern. Der Analyst Richard Greenfield verglich den Konzern schon vor Jahren mit einem "Monster", das von den Traditions-Medienunternehmen geschaffen wurde und nun deren eigene Zukunft gefährdet.

In den nächsten zwei Jahren wird sich zeigen, ob die Strategie aus irrem Wachstum und regelmäßigen Preiserhöhungen aufgeht oder ob sich Netflix mit den milliardenschweren Investitionen verhoben hat.

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