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Überwachtes Smartphone: Im Netflix-Hit "You" lieben wir einen Stalker - in der Realität wird Überwachung zur Bedrohung

In der Serie "You - Du wirst mich lieben" wird ein irrer Stalker zum sympathischen Helden. Doch in der Realität werden Spitzel-Programme, mit denen sich in Echtzeit Smartphones überwachen lassen, zu einem immer größeren Problem.

Wirkt handzahm, hat es aber faustdick hinter den Ohren: "Gossip Girl"-Schnuckel Penn Badgley mimt in "You" den irren Stalker Joe.

Wirkt handzahm, hat es aber faustdick hinter den Ohren: "Gossip Girl"-Schnuckel Penn Badgley mimt in "You" den irren Stalker Joe.

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Das Stalker-Drama "You - Du wirst mich lieben" ist einer der großen Serien-Hits auf Netflix. Im Mittelpunkt steht der junge New Yorker Buchhändler Joe Goldberg, der sich in eine seiner Kundinnen verliebt, die von einer Karriere als gefeierte Schriftstellerin träumt. So weit, so Teenie-Romanze. Doch schnell wird ein anderer Ton angeschlagen: Um seine Angebetete näher kennenzulernen, mutiert der charmante Joe zum obsessiven Stalker - creepy! 

Vordergründig geht es in der Serie um die fatale Beziehung eines Paares, in dem einer mehr liebt als der andere. Zugleich hält die Serie aber auch den Zuschauern einen Spiegel vor: Denn für Joe ist es dank sozialer Netzwerke wie Instagram und Facebook, dank Smartphones und Cloud ein Leichtes, seiner Flamme in jeder Situation heimlich hinterher zu spionieren. Wir alle geben zu viel von uns preis, und wer uns Böses will, kann diese Informationen gegen uns verwenden, lautet die Holzhammer-Botschaft der Serienautoren.

Doch wie realistisch ist die Gefahr durch Stalker wirklich?

Stalking sei "ein ernstzunehmendes Problem, das zunehmend auch digital um sich greift", warnt das Sicherheitsunternehmen Kaspersky. Sogenannte Stalkerware wird zunehmend populärer, mit Hilfe dieser Programme verschaffen sich Cyberkriminelle heimlich Zugang zu sensiblen Daten auf dem Smartphone. Im Zeitraum von Januar bis August 2019 gab es Kaspersky-Analysen zufolge in Deutschland eine Zunahme um 79 Prozent von versuchten Installationen von Stalkerware.

Viele Programme sind legal

Der Sicherheitsforscher David Emm warnt: "Stalkerware ist vebreiteter als man denkt; sie läuft im Hintergrund, ohne dass die Betroffenen etwas davon mitbekommen." Befindet sich die Spitzel-Software einmal auf dem Smartphone, hat man unter anderem Zugriff auf Nachrichten, Fotos, soziale Medien, Geolokalisierungsdaten sowie Audio- oder Kameraaufnahmen - mitunter sogar in Echtzeit. "Was mit einem attraktiven Schauspieler im Gewand einer spannenden TV-Serie in den Bann zieht, ist im wirklichen Leben ein ernstzunehmendes Problem und eine reale Bedrohung für viele Frauen, aber auch Männer", so Kaspersky-Mitarbeiter Emm.

Ein Problem: Viele Antiviren-Apps entdecken die Spionage-Programme nicht, wie eine Untersuchung des IT-Sicherheitsexperten Cian Heasley zeigte. Die Schutzsoftware reagierte nicht einmal, wenn Passwörter und Browserverläufe mitgeschnitten oder Messenger überwacht wurden. Einige der Programme lassen sich sogar legal in App-Shops oder auf Webseiten herunterladen, weil sie offiziell als Kindersicherheits-Programm oder Diebstahlsicherung angepriesen werden - benutzt werden sie jedoch häufig, um den Partner oder Mitarbeiter zu überwachen. Nur mit Know-How lassen sich die Tools aufspüren. Einige Shops haben sich sogar darauf spezialisiert, präparierte Smartphones oder Tablets einsatzbereit zu verschicken.

Neuer Netflix-Trailer für Staffel 2 von "You – Du wirst mich lieben" 

Die Apps können zur Gefahr werden

Erfüllen die Apps die Richtlinien der offiziellen Softwareläden - etwa Googles Play Store - nicht, bekommt man die Software mit einigen Tricks trotzdem auf das Gerät, sofern man physischen Zugriff darauf hat. Über Umwege lassen sich Drittanbieter-Apps auf Android-Geräten installieren. Diese verlangen häufig Root-Zugriff, "wodurch die App die vollständige Kontrolle über das Gadget erhält und somit beispielsweise problemlos andere Anwendungen installieren kann", warnt Kaspersky. "Des Weiteren fordern viele Spionage-Apps die Deaktivierung installierter Schutzlösungen - oder entfernen sie einfach selbst, wenn sie dazu autorisiert sind."

Auch für Apples iPhone existiert Stalkerware, sie lässt sich in der Regel aber leichter erkennen. Denn jede App wird auf dem Home-Bildschirm angezeigt, womöglich tarnt sich das Programm als eine bislang unbekannte Anwendung. Zudem sollte man in den Einstellungen unter "Allgemein" - "Geräteverwaltung" prüfen, ob unter "Mobile Device Management" zusätzliche Profile zu sehen sind. Ist dies nicht der Fall, ist das eine gute Nachricht - andererseits sollte man prüfen, welche Apps damit im Zusammenhang stehen. Viele "Bring Your own Device"-Lösungen in Unternehmen werden etwa auf diese Weise mit Firmennetzwerken verbunden.

So schützen Sie sich vor Stalker-Programmen

  • Halten Sie das Gerät und sämtliche Apps immer auf dem neuesten Stand
  • Schützen Sie das Gerät mit einem sicheren Passwort und teilen Sie dieses mit niemanden
  • Blockieren Sie die Installation von Drittanbieter-Anwendungen, die nicht in den offiziellen App Stores angeboten werden
  • Klicken Sie keine verdächtig aussehenden Links an
  • überprüfen Sie regelmäßig die auf Ihrem Gerät installierten Apps

Quellen: Kaspersky, Ivrodriguez, Mashable,

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