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Live auf Pro Sieben: Joko und Klaas liefern die 15 überraschendsten Minuten des deutschen Fernsehens

Die beiden TV-Moderatoren Joko und Klaas sind immer für einen Lacher gut. Am Mittwochabend überraschten die beiden aber ihren Sender und ganz Fernseh-Deutschland mit einer gelungenen Aktion.

Joko (links) und Klaas moderierten den 15-minütigen Beitrag nur kurz an - und ließen dann andere sprechen, "die mehr zu sagen haben".

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben im deutschen Fernsehen schon mehrfach für Aufsehen gesorgt. Legendär ist etwa ihr Gosling-Gate, als sie einen falschen Ryan Gosling in die Verleihung der "Goldenen Kamera" einschleusten. Ein ähnliches Kaliber - oder zumindest ein klamaukiges Video zur aktuellen politischen Lage - erwarteten viele Fans am Mittwochabend, nachdem das Moderatoren-Duo am Vorabend in der TV-Show "Joko & Klaas gegen Pro Sieben" 15 Minuten Live-Sendezeit zur Prime Time gewonnen hatte.

Der Sender hatte nach eigener Aussage keine Ahnung, was passieren würde und distanzierte sich vorsichtshalber zu Beginn der Sendung: "ProSieben hat keinerlei Einfluss auf die Gestaltung der gewonnenen Sendezeit." Und: "Hoffen wir das Beste."

"Es gibt Menschen, die mehr zu sagen haben"

Doch statt sich über andere lustig zu machen oder die Zuschauer mit einer irren Wette zu schocken, nutzten Joko und Klaas ihre 15 Minuten, für die sogar die Ausstrahlung von "Grey’s Anatomy" geschoben wurde, für eine ungewöhnliche Aktion: "Es gibt Menschen, die mehr zu sagen haben als wir. Leute, die eine Message haben und die ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdienen", erklärten beide zu Beginn der Sendung.

Zu sehen war lediglich ein leeres Studio mit einem ausgeleuchteten Stuhl, auf dem zunächst Pia Klemp Platz nahm. Sie ist die Kapitänin des beschlagnahmten Rettungsschiffes "Iuventa 10" und berichtete eindringlich aus ihrem Alltag in der Seenotrettung. "Ich sah nicht nur Menschen elendig ertrinken, sondern auch Menschenrechtsverletzung im Mittelmeer." Sie sei Zeugin gewesen, wie Flüchtlingsboote von europäischen Kriegsschiffen ignoriert wurden, erklärte sie weiter. Ihre Schilderungen gingen unter die Haut: "Tagelang fuhr ich mit einem toten Jungen in einer Gefriertruhe auf und ab, weil kein europäisches Land ihn retten wollte, als es noch möglich war, und sie uns dann einen sicheren Hafen verwehrten. Seine Mutter war auch an Bord - lebendig." Und sie fragte anklagend: "Was sage ich dieser traumatisierten Frau über den Friedensnobelpreisträger EU?"

Als nächstes nahm der Berliner Obdachlosenhelfer Dieter Puhl Platz. "Ich kenne keinen obdachlosen Menschen in Berlin, dem es gut geht." Den Satz "In Deutschland muss doch niemand obdachlos sein" könne er nicht mehr hören, er sei nichts weiter als "theoretisches Gewäsch". Er berichtete den Zuschauern von seinem Alltag in der Bahnhofsmission Zoo und wie er Menschen bis in den viel zu frühen Tod begleitete.

Der letzte Gast war die Schriftstellerin und Aktivistin Birgit Lohmeyer. Sie wohnt seit 15 Jahren im mecklenburgischen Jamel und setzt sich gegen Rechtsextremismus ein. So veranstaltet sie jährlich ein Musik-Festival. Sie berichtet, wie sie von Rechten bedroht und sogar ihre Scheune angezündet wurde. Doch sie will weiter kämpfen. Ihre Botschaft: "Alle, die Opfer rechter Gewalt werden: Wehrt euch. Lasst euch nicht einschüchtern. Es lohnt sich."

Nach diesen drei Auftritten endete die Sendung, ohne dass Joko und Klaas noch einmal zu sehen waren. Mit dieser mutigen Aktion haben die beiden Moderatoren nicht nur ihren Haussender Pro Sieben überrascht – sondern die ganze Fernseh-Nation.

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cf