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Für Android und iPhone: FaceApp ist die beliebteste App Deutschlands - und hat es nicht nur auf die Bilder der Nutzer abgesehen

FaceApp ist die erfolgreichste Smartphone-Anwendung Deutschlands. Mit ihr findet man auf Knopfdruck heraus, wie man in 30 Jahren aussehen könnte. Wo die Bilder landen und was mit ihnen passiert, darüber denkt kaum jemand nach. Dabei sollte man skeptisch sein.

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Forever Young? Von wegen. Alt zu sein ist derzeit der neue heiße Scheiß im Internet. Ob Kim Kardashian, Sam Smith oder Drake - von Hunderten Promis, Youtubern und Influencern schwirren derzeit Fotos durch die sozialen Netzwerke, auf denen sie digital um Jahrzehnte gealtert sind.  Möglich wird das mit der Smartphone-App FaceApp. Obwohl bereits zwei Jahre alt, ist die App in diesen Tagen auf Platz eins der App-Charts geklettert. Mit der App kann man sich nicht nur auf Knopfdruck in einen grauhaarigen Rentner verwandeln, sondern auch herausfinden, ob einem ein Vollbart oder platinblonde Haare stehen würden.

Bilder landen in der Cloud

Damit der Effekt möglichst überzeugend ist, nutzt die App neuronale Netzwerke. Diese scannen die Fotos und finden heraus, wo Falten auftauchen, das Gesicht schlaffer und die Haare grauer werden könnten. Die Ergebnisse sind teils erschreckend gut, viele Nutzer glauben, ein Foto ihres (Groß)Vaters vor sich zu haben.

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Was viele Nutzer jedoch nicht wissen: Die Bilder werden nicht lokal auf dem Gerät verarbeitet, wie es etwa bei Apples iPhone der Standard ist. Stattdessen werden sie in die Cloud geladen. Was mit den Daten auf dem Server passiert und wie lange sie dort gespeichert werden, ist nicht klar.

Zudem sammelt die App weitere Daten, etwa die besuchten Webseiten, Standortdaten oder Informationen zu installierten Add-ons. Diese Daten werden nicht an Dritte weiterverkauft, heißt es in der Privacy Policy des Unternehmens, aber Werbepartnern zur Verfügung gestellt, um noch passendere Werbung bereitzustellen. Dieses Geschäftsmodell ist in der Branche weitverbreitet. Kritisieren kann man jedoch, dass die Unternehmen damit nicht transparent umgehen und die Nutzer nicht entscheiden lassen, ob und welche Daten sie teilen möchten.

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Im Internet liest man vielfach, die App würde sich Zugriff auf die gesamte Fotobibliothek des Nutzers verschaffen. Das US-Portal "Mashable" hat die App daraufhin genauer untersucht und konnte bislang keine Hinweise darauf entdecken. Wählt man innerhalb der App ein Foto aus der eigenen Bibliothek, das bearbeitet werden soll, erhält der App-Anbieter nur dieses eine Foto. Diese Funktion wurde auf iPhones etwa bereits mit dem Betriebssystem iOS 11 eingeführt.

Immer wieder Privatsphäre-Verletzungen

Dass durch den erneuten Popularitätsschub von FaceApp Sicherheits-Bedenken geäußert werden, überrascht nicht. Denn immer wieder kommt es bei Apps dieser Art zu Privatsphäre-Verletzungen. Im Mai berichtete etwa der US-Sender NBC, dass die bei Millionen Nutzern beliebte Foto-App "Ever" die Bilder seiner Kunden nutzte, um eine Gesichtserkennungssoftware zu trainieren, die an Strafverfolgungsbehörden verkauft wird. Im März wurde bekannt, dass IBM Flickr-Fotos nutzt, um Gesichtserkennungs-Algorithmen zu verbessern, ohne dass die Nutzer dem explizit zustimmten. Die im vergangenen Jahr gehypte "Twinning"-App speicherte die Bilder sogar öffentlich zugänglich im Netz.

Etwas Skepsis ist bei Foto-Apps stets angebracht. Denn in den Fotogalerien der meisten Nutzer finden sich nicht nur Urlaubsschnapsschüsse und Fotos der Kinder, sondern auch Bildschirmaufnahmen mit sensiblen Informationen, etwa aus der Banking-App. Mithilfe von Texterkennungsprogrammen könnten solche Fotos automatisch analysiert werden, sodass weit mehr Informationen durchsickern könnten als "nur" die eigenen Bilder.

Quellen: Privacy Policy von Faceapp, Techcrunch, Mashable

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