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Marvel-Rechte Der Tag, als Sony das beste Film-Angebot Hollywoods ablehnte

"Spider-Man" wurde von Stan Lee und Steve Ditko erfunden
"Spider-Man" wurde von Stan Lee und Steve Ditko erfunden
© Anton_Ivanov/Shutterstock.com
Mit den Marvel-Filmen hat Disney in den vergangenen Jahren ein Vermögen verdient. Was viele nicht wissen: Sony hätte die Rechte an den Superhelden Ende der Neunziger zum Spottpreis haben können - und lehnte das unfassbare Angebot ab.

Superhelden-Comics waren lange Zeit als Unterhaltung für Nerds verschrien. Doch in den frühen 2000ern wurden Männer und Frauen mit Spezialkräften in merkwürdigen Kostümen plötzlich salonfähig: Tobey Maguire begeisterte als "Spider-Man" Millionen Kinozuschauer und Christopher Nolan demonstrierte mit der "Batman"-Trilogie, dass Superheldenfilme nicht nur knallbunt, sondern auch ernst und packend sein konnten.

Doch kommerziell kam der große Durchbruch erst mit dem MCU, dem "Marvel Cinematic Universe". Los ging es 2008 mit Robert Downey jr. in der Rolle des "Iron Man", das weltweite Einspielergebnis lag bei 585 Millionen US-Dollar. Ein Riesen-Hit, doch nur ein Vorgeschmack auf das, was noch folgen sollte: Der erste "Avengers" im Jahr 2012 knackte die Milliardenmarke, der letzte liegt bei fast 2,8 Milliarden. Die Gesamteinnahmen aus bislang 28 Filmen summieren sich auf 22,5 Milliarden US-Dollar. Dabei wäre diese Erfolgsgeschichte beinahe nie zustande gekommen.

Marvel wollte alles verkaufen

1996 war die Situation eine völlig andere. Comics waren nicht mehr angesagt, Streaming-Serien gab es noch nicht. Marvel stand kurz vor der Insolvenz. Um sich finanziell über Wasser zu halten, wollte der einstige Comic-Gigant seine Lizenzen veräußern. Einer der Interessenten war das Filmstudio Sony, das sich 1998 die Rechte an Spider-Man sichern wollte. Der angepeilte Kaufpreis lag bei zehn Millionen US-Dollar.

Ike Perlmutter, der damalige Marvel-Chef, machte Sony ein aus heutiger Sicht unfassbares Gegenangebot: Für 25 Millionen US-Dollar würde der Konzern die Rechte sämtlicher Marvel-Figuren bekommen, mit Ausnahme der X-Men und der Fantastischen Vier. Die Lizenzen hätten unter anderem Spider-Man, Iron Man, Thor, Hulk, Black Panther und Ant-Man umfasst, quasi das Who is Who der Kinostars des vergangenen Jahrzehnts.

Yair Landau, der damalige Chef von Sonys Filmsparte, wies den Deal harsch zurück: "Niemand interessiert sich für die anderen Marvel-Charaktere", lautete seine Einschätzung, die ähnlich fatal war wie die jener Personen, welche J.K. Rowlings Kinderbuch "Harry Potter" zu wenig kommerziell und die Gitarrenmusik der Beatles als nicht zukunftsfähig betrachtet hatten. Am Ende sicherte er Sony die Spider-Man-Rechte für sieben Millionen Dollar.

Gelohnt hat sich der Deal trotzdem: Allein die Filme mit Tobey Maguire als Hauptdarsteller waren finanziell sehr erfolgreich. Und wer weiß, ob die Marvel-Filme von Sony überhaupt eine ähnlich große Fan-Basis bekommen hätten. Denn das Superhelden-Filme kein Selbstläufer sind, können die DC Studios aus erster Hand berichten, die trotz bekannter Marken wie Batman und Superman jede Menge Filmflops ablieferten.

Disney zahlte für Marvel ein Vermögen

Und doch wird sich Landau rückblickend über sein Nein ärgern. Denn 2009, knapp zehn Jahre nach dem Schnäppchen-Angebot, verleibte sich Disney die Marvel-Studios ein – für stolze vier Milliarden US-Dollar. Angesichts der Film- und Merchandising-Einnahmen war selbst das noch ein Schnäppchen.

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