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Greenpeace: Neue Aufnahmen zeigen, wie Amazon im großen Stil neuwertige Waren vernichtet

Was passiert mit den Paketen, die an Amazon zurückgeschickt werden? Neue Aufnahmen von Greenpeace zeigen, dass der Konzern im großen Stil funktionsfähige Waren vernichtet. Die Umweltorganisation spricht von einem "Klimaverbrechen".

Teuer weiterlagern oder billig zerstören - vor dieser Wahl stehen viele Händler, die ihre Ware auf Amazon anbieten.

Teuer weiterlagern oder billig zerstören - vor dieser Wahl stehen viele Händler, die ihre Ware auf Amazon anbieten.

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Wir sind Europameister - zumindest im Retournieren. Keine andere Nation in Europa schickt so viele Pakete zurück wie Deutschland. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande 487 Millionen Artikel an die Onlinehändler zurückgeschickt, das entspricht etwa jedem sechsten Paket.

Doch was passiert mit den Rücksendungen, etwa bei Amazon, einem der hierzulande größten Shoppingportalen? Manchmal wird die Ware "refurbished" angeboten, also wiederaufbereitet und als gebraucht angeboten. Doch in einigen Fällen werden die Produkte auch vernichtet. Diese Praxis steht seit Jahren in der Kritik - nun heizt die Umweltorganisation Greenpeace die Debatte kurz vor Weihnachten erneut an.

"Eine solche Verschwendung ist ein Klimaverbrechen"

Dem Greenpeace-Bericht zufolge vernichtet Amazon in seinem Lager Winsen in Niedersachsen, knapp eine halbe Autostunde von Hamburg entfernt, pro Woche eine LKW-Ladung neuwertiger Ware. Mehrere Fotos und Dokumente sollen die Praxis belegen. "Eine solche Verschwendung ist ein Klimaverbrechen, das wir uns in Zeiten der Klimakrise nicht mehr leisten können", kritisiert Viola Wohlgemuth, Konsum-Expertin bei Greenpeace. Jede Woche sollen allein in Winsen 20 Kubikmeter Neuware in die Verschrottung gehen, behauptet Greenpeace.

Auf den Bildern sind unter anderem originalverpackte Heizstrahler zu sehen, die in großen Kartons gesammelt werden, außerdem Ladegeräte und Tintenpatronen. Greenpeace zufolge stammen die Produkte von Drittanbietern, die Amazon lediglich mit der Entsorgung beauftragen. Auf diese Weise sparen die Händler Lagerkosten. Dass Amazon den Händlern überhaupt diese Option anbiete, sei kritikwürdig, findet Wohlgemuth: "Es darf nicht sein, dass der Platz im Regal für den Onlinehändler anscheinend wertvoller ist als das Produkt, das drin liegt."

Amazon wird ein bisschen zur Bank

Das Ausmaß dürfte noch größer sein

Glaubt man Greenpeace, ist das vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. "Denn an den Ort in Niedersachsen gehen nicht einmal Retouren; an anderen Amazon-Standorten in Deutschland wird darum vermutlich noch viel mehr vernichtet", heißt es in dem Bericht. Diese Vermutung stützen frühere Berichte: Erst im Sommer deckte das ZDF-Magazin "Frontal 21" auf, dass der Konzern täglich Neuwaren im Wert von Tausenden Euro entsorgt - darunter sogar Kühlschränke, Smartphones, Möbel und Matratzen.

Schon damals kritisierte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium: "Das ist ein riesengroßer Skandal, denn wir verbrauchen auf diese Weise Ressourcen mit allen Problemen insgesamt auf der Welt. Ein solches Vorgehen passt einfach nicht in diese Zeit."

Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt stellte deshalb im Juni einen Drei-Punkte-Plan vor, der es Händlern verbieten oder zumindest erschweren soll, neuwertige Produkte zu vernichten. "Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft", sagte sie. Um diese zu stoppen, sei ihrer Meinung nach der Staat gefordert.

Amazons Deutschland-Chef über Retouren

Amazon stand wegen dieser Praxis schon häufiger in der Kritik. Deutschland-Chef Ralf Kleber sagte im vergangenen Jahr im stern-Interview: "Wir gehören zu den Unternehmen, die extrem vorbildlich sind, was den Umgang mit Ware betrifft. Wir versuchen alles wieder in den Verkauf zu bringen, über unterschiedlichste Kanäle."

Gebe es Defekte, werde das Produkt direkt an den Hersteller zurückgeschickt. Das gleiche gilt Kleber zufolge für Lebensmittel, die Amazon über seinen darauf spezialisierten Lieferdienst Fresh verkauft: "Zudem arbeiten wir seit Jahren mit allen gemeinnützigen Organisationen, beispielsweise allen Tafeln. Bei uns werden Lebensmittel nicht weggeworfen, wenn sie bald ablaufen, sondern gehen so oft wie möglich an gemeinnützige Organisationen."

Kleber räumte allerdings auch ein, dass gelegentlich Produkte vernichtet werden: "Am Ende einer Kette gibt es mit Sicherheit auch einen Teil, den wir aus unterschiedlichsten Gründen nicht weiter verwerten können. Aber diesen Teil willst du als Händler per se minimieren.“ Er verdiene sein Geld mit dem Verkauf und nicht mit dem Vernichten von Waren, führt er aus. "Der größte Teil der Waren geht wieder in den Verkauf."

Quelle: Greenpeace

cf