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Drei Kameras und größerer Akku: iPhone 11: Das neue Apple-Smartphone im Schnell-Check

Mit einer neuartigen Kamera im iPhone 11 will Apple zurück in die Erfolgsspur. Außerdem gibt es neue Farben und mehr Rechenpower. Wir haben die neuen Smartphones bereits ausprobiert.

Von Christoph Fröhlich, Cupertino

Apple hat in diesem Jahr drei neue iPhones vorgestellt.

Die spätrömische Phase ist in Cupertino vorerst vorbei. Nachdem Apple-Mitarbeiter zwei Jahre lang ihren Kunden erklären mussten, das X stehe für die römische Zahl zehn und nicht den Buchstaben X, hat man nun ein Einsehen und ändert die Nomenklatur. Auch in diesem Jahr gibt es drei neue Telefone, die sich in puncto Features und Display-Größe voneinander unterscheiden:

  • Das iPhone 11 hat einen 6,1 Zoll großen Bildschirm und ist der Nachfolger des iPhone XR.
  • Das iPhone 11 Pro hat einen 5,8 Zoll großen Bildschirm und ist der Nachfolger des iPhone XS.
  • Das iPhone 11 Pro Max hat einen 6,5 Zoll großen Bildschirm und ist der Nachfolger des iPhone XS Max.

Der stern konnte bereits alle drei neuen Geräte ausprobieren und sagt, wie sie sich unterscheiden.

Die neuen Funktionen im schnellen Überblick:

  • neue Farben
  • robusteres Gehäuse
  • verbesserte Kamera mit bis zu drei Linsen
  • schnellerer Prozessor 
  • längere Akkulaufzeit
  • Face ID mit größerem Erkennungswinkel
  • schnelleres Ladegerät bei Pro-Modellen
  • bessere Bildschirme, kein 3D Touch mehr

Neue Farben, bessere Displays

Von vorne betrachtet sieht das neue iPhone aus wie das alte. Zum dritten Mal hintereinander setzt Apple auf die Erfolgsformel des Jubiläums-Smartphones: in der Mitte ein hochglanzpolierter Stahlrahmen, hinten Glas, vorne auch, dazu die charakteristische Kerbe (“Notch”). Als Tim Cook 2017 bei der Vorstellung des iPhone X erklärte, dies sei das Smartphone für die nächste Dekade, schien er das wörtlicher zu meinen als viele dachten. Entsperrt wird das Telefon wieder mit dem Gesicht (die Technik heißt Face ID), dank eines überarbeiteten Sensors soll das jetzt noch komfortabler sein. 

Das iPhone 11 Pro hat drei Kameralinsen.

Das iPhone 11 Pro hat drei Kameralinsen.

stern

Um Kaufanreize zu liefern und damit man das alte vom neuen Modell unterscheiden kann, gibt es neue Farben: Das iPhone 11 kommt in sechs Farben (Weiß, Schwarz, Rot, Gelb, Lila und Grün), die mit einer Art Milchglas-Frost-Finish überzogen sind. Der Aluminiumrahmen ist farblich passend an die Rückseite angepasst. Die Pro-Modelle kommen in Silber, Gold, Space Grau und Nachtgrün. Letzteres erinnert mit seinem dunklen Teint ein wenig an das Bundeswehrgrün.

Am Gehäuse sind übrigens nicht nur die Farben neu. Laut Apple sollen die Telefon im Falle eines Sturzes nicht so schnell splittern (ausprobieren würden wir es trotzdem lieber nicht …) und eine halbe Stunde ein Bad in einer zwei Meter tiefen Wanne ohne Schäden überstehen. Auch hier würden wir es im Zweifel nicht darauf ankommen lassen.

Die Screens der Pro-Modelle trumpfen mit tiefem Schwarz und leuchtenden Farben auf, die Helligkeit ist in der Spitze mit 1200 Nits höher als bei den meisten handelsüblichen 4K-Fernsehern. Technisch ist das beeindruckend, doch auf den ersten Blick konnten wir keinen Unterschied zum Vorgängermodell feststellen.

Das "normale" iPhone 11 hat einen LCD-Bildschirm, den Apple in Marketing-Sprech als Liquid Retina Display bezeichnet. Heißt konkret: Der Screen ist nicht ganz so hochauflösend wie bei den Top-Modellen. Den Unterschied erkennt man aber nur, wenn man beide Modelle nebeneinander legt. Im Alltag ist dieser Screen völlig ausreichend. 

Was beide Telefone gemeinsam haben, ist die Abwesenheit von 3D Touch. Die mit dem iPhone 6s eingeführte Technologie fehlte schon beim iPhone XR, nun kommen auch die aktuellen Modelle ohne den festen Druck aufs Display aus. Stattdessen muss man den Button nun einfach länger gedrückt halten. Daran gewöhnt man sich, so wie man sich auch an die fehlende Klinkenbuchse gewöhnt hat. 3D Touch wird niemand vermissen.

apple event 2019 - iphone 11 Pro

Wirbel um die Quaderkamera

Kommen wir nun zum technischen Highlight der neuen iPhones: der Kamera auf der Rückseite. Dort, wo früher eine Linse zu finden war, manchmal auch zwei, prangt nun ein nicht zu übersehendes Viereck, aus dem einen bis zu drei Kameralöcher anstarren.

Wichtiger als die Optik des Kamera-Ceranfelds sind ohnehin dessen innere Werte. Und die wirken vielversprechend: Neben der klassischen Linse haben beide Modelle nun eine Ultraweitwinkellinse. Das Pro-Modell hat zusätzlich eine dritte Telefoto-Linse für zweifachen optischen Zoom. Den von Apple angepriesenen Vierfach-Zoom sollte man jedoch nicht allzu ernst nehmen: Die Telefoto-Linse vergrößert zweifach, das Weitwinkel minimiert quasi auf 0,5-fach - hier rechnet sich Cupertino den Zoom etwas schön.

Drei Knipsen hat man bei der Android-Konkurrenz schon häufiger gesehen. Punkten kann Apple jedoch mit dem cleveren Zusammenspiel aus Kamera-Hardware, Prozessor und Software: Per Wischgeste wechselt man schnell und intuitiv zwischen einzelnen Modi hin und her. Je nach gewähltem Modus ändert sich die Ansicht, sodass man schnell erkennt, in welchem man sich befindet.

Die zweite wichtige Verbesserung der Kamera ist der Nachtmodus. Hier hatte Apple ebenfalls Aufholbedarf im Vergleich zur Konkurrenz. Selbst in stockdunkler Umgebung sollen detailreiche Fotos entstehen, verspricht Apple. Im gut ausgeleuchteten Steve Jobs Theater ließ sich das jedoch nicht ohne Weiteres überprüfen.

Die Frontkamera hat ebenfalls ein Upgrade spendiert bekommen: Sie nimmt nun in 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde auf, außerdem sind nun sogar Slow-Motion-Selfies möglich. Diese Slofies könnten sich als eigenes Stilmittel auf Instagram und Co. etablieren.

Insgesamt wirken die Änderungen der Kameras vielversprechend. Stillstand konnte sich Apple aber auch nicht erlauben, waren Konkurrenten wie Google, Samsung und Huawei doch in den vergangenen Monaten am iPhone vorbeigezogen. Wie gut die Funktionen wirklich sind, wird aber ein Alltagstest zeigen müssen.

Flinker Prozessor

Zum Schluss noch ein paar Worte zum Prozessor: In allen drei Telefonen steckt der neue A13-Chip, der sowohl die meiste Rechen- als auch Grafik-Power in allen derzeit erhältlichen Smartphones liefern soll. Überprüfen konnten wir das nicht, den Prozessor jedoch auch nicht in die Knie zwingen. Jedes Spiel, das wir gestartet haben, lief ohne störende Ruckler. In einer App war es sogar möglich, alle vier Kameras gleichzeitig in 4K aufnehmen zu lassen, ohne dass das Telefon in unserer Hand glühend heiß geworden ist. Insofern wird man den A13-Chip mit herkömmlichen Anwendungen nicht so einfach kleinkriegen können.

Kein 5G

Ein Trend-Thema sucht man beim diesjährigen Modell jedoch vergeblich: Der LTE-Nachfolger 5G wird sowohl vom iPhone 11 als auch den beiden Pro-Modellen nicht unterstützt. Hier muss man vermutlich bis 2020 warten. Das ist schade, schließlich erlaubt 5G extrem hohe Datenraten und hätte das iPhone ein Stück zukunftssicherer gemacht. Andererseits dürfte es selbst den optimistischen Prognosen der Netzanbieter zufolge noch drei bis fünf Jahre dauern, bis die Technik in Deutschland außerhalb der Ballungszentren flächendeckend verfügbar ist.

Eine bei Huawei und Samsung beliebte Funktion gibt es ebenfalls nicht: Die 2019er-iPhones unterstützen kein Reverse Wireless Charging, also rückwärtiges kabelloses Aufladen. Mit dieser Technik kann man Kopfhörer, aber auch andere Smartphones aufladen, indem man sie auf das Smartphone legt. Womöglich folgt diese im kommenden Jahr.

Vollgetankt wird das iPhone übrigens immer noch via Lightning. Fans von USB-C müssen also vermutlich ebenfalls noch ein Jahr warten. Immerhin ist zumindest bei den Pro-Modellen nun ein schnelleres Ladegerät im Lieferumfang enthalten. Die Akkulaufzeit soll sich übrigens im Vergleich zu den Vorgängern um vier (iPhone 11 Pro) beziehungsweise gar fünf (iPhone 11 Pro Max) Stunden erhöhen.

Wie immer sind die neuen Modelle kein günstiges Vergnügen. Das iPhone 11 gibt es ab 799 Euro - damit ist es 50 Euro günstiger als das iPhone XR im vergangenen Jahr. Das ein neues iPhone (marginal) günstiger und nicht teurer wird hat man auch schon eine Weile nicht mehr erlebt, aber auch in Cupertino bleibt man von sättigenden Märkten nicht verschont. Das iPhone Pro kostet ab 64 Gigabyte 1149 Euro, damit ist es genauso teuer wie die Vorgänger.

Die neuen iPhones werden in 64, 256 oder 512 Gigabyte Datenspeicher angeboten. Marktstart ist der 20. September.