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Oscarverleihung 2019 "Die Jury hat die falsche Wahl getroffen": Darum pöbelt Spike Lee gegen "Green Book"

Regisseur Spike Lee
Star-Regisseur Spike Lee gewann in der Kategorie "Bestes adaptiertes Drehbuch" einen Oscar. Es war sein erster überhaupt.
© AMPAS / Picture Alliance
Das Drama "Green Book" ist bei den diesjährigen Oscars als "Bester Film" ausgezeichnet worden. Nicht jedem gefällt das – allen voran Spike Lee. Der Regisseur sorgte während und nach der Verleihung für viel Aufsehen.

Es ist der Moment, auf den bei der 91. Oscarverleihung alle gewartet haben – die Bekanntgabe in der Kategorie "Bester Film". Gespannt schaut das Publikum im Dolby Theatre in Los Angeles nach vorne, welchen Namen Julia Roberts gleich vorlesen wird. Dann nennt sie den Gewinner: "And The Oscar goes to ‘Green Book'." Eine Überraschung. Damit hatte im Vorfeld kaum einer gerechnet. Trotzdem gibt es Beifall vom Publikum. Nur einer will in diesem Moment weg. Bloß raus hier, denkt er sich: Spike Lee.

Der Star-Regisseur soll Berichten zufolge nach der Bekanntgabe seinen Platz verlassen haben und zum Ausgang gestürmt sein. Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AP bei Twitter schreibt, sei Lee sichtlich wütend über die Entscheidung gewesen. "Er winkte angewidert mit den Armen und schien zu versuchen, den Saal zu verlassen, bevor er an den Türen aufgehalten wurde. Er kehrte dann auf seinen Platz zurück, als die Reden vorbei waren."

Ist Spike Lee etwa ein schlechter Verlierer?

Der 62-Jährige war mit seinem Film "BlacKkKlansman" ebenfalls in der Kategorie "Bester Film" nominiert. Ist er etwa einfach ein schlechter Verlierer? Es scheint mehr dahinter zu stecken, Lee hat ein grundsätzliches Problem mit "Green Book": "Es war, als habe ich im Madison Square Garden (Anm. d. Red.: Lee ist großer Fan des Basketball Teams der New York Knicks) auf dem besten Platz am Spielfeldrand gesessen, und dann macht der Schiedsrichter einen bösen Fehler", sagte er auf einer Pressekonferenz.

Der Grund, warum sich Spike Lee so sehr über die Entscheidung empörte, habe Berichten zufolge mit den vielen Kontroversen um "Green Book" zu tun. Die Tragikomödie, in der ein schwarzer Jazzpianist und ein weißer Chauffeur zur Zeit der Rassentrennung durch die Südstaaten fahren, beschäftigt sich zwar mit Rassismus. Allerdings finden viele Kritiker, dass er das aus der falschen Perspektive tue. Die Geschichte wird nämlich durch die Augen eines Weißen erzählt, der einen armen Schwarzen vor Rassismus rettet. Damit bedient der Film das Klischee des "White Saviour", was auf Deutsch so viel heißt wie "weißer Retter".

Auch im Netz findet sich reichlich Kritik. Ein Tweet erhärtet dabei besonders die Vorwürfe. Es ist ein Foto der Macher des Filmes, die auf der Bühne den Oscar entgegennehmen. Zu sehen sind darauf nur weiße Männer. Der User schreibt dazu zynisch: "Ein Film über Rassismus im Süden." Genau dieses Bild wollte Spike Lee offenbar nicht sehen, als er wutentbrannt aus dem Saal stürmte.  

rpw

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