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Neue Maßnahmen gegen Hass-Inhalte: "Schmutzkampagne" oder überfällig? Spotify löscht R. Kelly aus Playlists

Seit Jahren machen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs in Zusammenhang mit US-Popstar R. Kelly die Runde. Seiner Karriere hat das bis jetzt nicht nachhaltig geschadet. Das könnte sich aufgrund einer Maßnahme des Streamingdienstes Spotify jetzt ändern.

R. Kelly Spotify

Der Streamingdienst Spotify will die Musik von R. Kelly nicht länger seinen Nutzern vorschlagen

Die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs sind altbekannt. Trotzdem war die Musik des US-Popstars nicht nur jahrelang problemlos bei Spotify zu hören, sondern wurde auch in den Playlists des Streamingdienstes promotet. Aber jetzt soll diese Form der Verbreitung deutlich eingeschränkt werden. Die Titel von R. Kelly sollen nicht mehr in den Wiedergabelisten erscheinen und den Nutzern auch nicht mehr zum Anhören vorgeschlagen werden, wie Spotify am Donnerstag mitteilte. Die einzelnen Titel sollen demnach aber weiterhin abrufbar sein.

Wenn ein Künstler "besonders schädliche oder hasserfüllte" Taten begehe, beispielsweise Gewalt gegen Kinder oder sexuelle Gewalt, könne dies die Art der Zusammenarbeit "verändern", erklärte Spotify zu der Entscheidung. Zugleich verteidigte sich das schwedische Unternehmen gegen den Vorwurf, einen Künstler wegen dessen Verhalten zu zensieren. Allerdings werde Wert darauf gelegt, dass die Musikangebote in dem Streamingdienst "unsere Werte spiegeln".

R. Kelly: Sein Team zeigt sich empört

Nach einem Bericht der "New York Times" ergriff Spotify die gleichen Maßnahmen gegen den bereits verurteilten US-Rapper XXXTentacion. In einem weiteren Prozess muss sich der Rapper wegen des Vorwurfs der schweren Gewalt gegen eine schwangere Frau rechtfertigen.

R. Kelly zeigt sich empört über die Entscheidung, wie aus einer Stellungnahme seines Teams zu lesen ist. Spotify habe den Schritt auf der Grundlage "falscher Anschuldigungen" beschlossen und arbeite zudem mit weiteren Künstlern zusammen, gegen die auch Anschuldigungen vorliegen, teilten die Mitarbeiter des Stars gegenüber US-Medien mit: "R. Kelly wurde nie des Hasses beschuldigt, und die Songtexte, die er schreibt, handeln von Liebe und Sehnsucht", heißt es weiter. "Herr Kelly singt seit 30 Jahren Songs über seine Liebe und Leidenschaft für Frauen." Gegen ihn laufe eine andauernde "Schmutzkampagne".

"Meister mit totaler mentaler Kontrolle"

Im Rahmen neuer Enthüllungen um R. Kelly hatte "Buzzfeed.com" im Juli letzten Jahres berichtet, R. Kelly habe mehrere Frauen in Abhängigkeit gehalten. Die Frauen hätten in einer sektenähnlichen Struktur gelebt und R. Kelly sei ihnen gegenüber wie ein "Meister mit totaler mentaler Kontrolle" aufgetreten. Zudem klagte eine weitere Frau gegen den US-Popstar, dieser habe sie mit einer Geschlechtskrankheit infiziert - obwohl er von der Krankheit gewusst habe. R. Kelly wies die Anschuldigungen zurück.

Bereits im August 2017 hatte Spotify rund zwanzig Musikgruppen wegen mutmaßlicher Verbreitung von Hassbotschaften aus dem Angebot gestrichen. Die Musiker hätten in Verbindung mit Rassisten oder Neonazis gestanden.

Die Band Revolverheld bei der Film-Premiere von "Das bescheuerte Herz"
tim mit AFP