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Zuhause Das beste aller Feste

Entspanntes Feiern: Bei einer Dinnerparty kann man Freunde verwöhnen
Entspanntes Feiern: Bei einer Dinnerparty kann man Freunde verwöhnen
Was macht glücklich? Seit Ewigkeiten suchen wir Antworten auf diese Frage, in Büchern, auf Trips und beim Therapeuten. Der Harvard-Professor George E. Vaillant untersucht seit fast fünfzig Jahren, was Menschen unter dem guten Leben verstehen. Sein Ergebnis: Wir sind glücklich, wenn wir anderen etwas geben und unsere Freundschaften pflegen. Genau das alles erlebt man, wenn man eine Dinnerparty veranstaltet. Klar, man könnte seine Freunde auch in ein Restaurant einladen. Aber dort kann man den Bass nicht voll aufdrehen oder nach dem Dessert eng umschlungen tanzen. Das Glück ist ganz nah. Alles, was man dafür braucht, sind ein Herd, ein Tisch und ein bisschen Zeit. Los geht’s.

Text: Pauline Krätzig | Fotos: Chad Moore | Illustrationen: Florian Bayer

Feiern für die Seele

Noch 7 Tage…

Eine Feier ist nur so gut wie die Leute, die sie Feiern. Überlege als genau, wen du einlädst. So sieht die perfekte Gästeliste aus:

Zuhause: Das beste aller Feste
© Florian Bayer

Noch 3 Tage…

Wichtiger als die Frage, ob du vegetarisch kochst oder nicht, ist, mit welcher Haltung du die Küche betrittst - sie ist jetzt deine Bühne.

Natürlich kann man bei einer Dinnerparty nicht einfach Maggi Fix für Bolo in die Pfanne streuen. Aber man sollte auch nicht die Gäste schmoren lassen, während man selbst in der Küche festhängt. Besser, das Essen schmort und der Gastgeber pflegt seinen egoistischen Altruismus – das heißt, er bekocht und verwöhnt seine Gäste nach allen Regeln der Kochkunst und genießt die Komplimente. Wer nach Eintreffen der Gäste in der Küche steht, wird die Party kaum genießen. Soufflés und andere Dinge, die vor dem Servieren viel Arbeit machen, sind keine gute Idee. Besser eignen sich Gerichte, die man gut vorbereiten kann: Suppen, Schmorgerichte, Desserts. Und: Man sollte jedes Gericht, das man serviert, schon mal alleine ausprobiert haben, sonst ist man am großen Abend zu nervös.

Noch 5 Stunden…

Kochbuchautorin Katerina Dimitriadis verrät das beste Rezept für eine herbstlich-frische Dinnerparty.

Für 6 Personen:

1 kg küchenfertiges Lachsfilet +++ 4 Karotten +++ 2 Stangen Lauch +++ 8 EL Olivenöl +++ Salz, Pfeffer +++ 2 Limetten +++ 350 g Wildreismischung +++ 2 EL Butter +++ 300 ml Sahne +++ 1/2 Bund Thymian +++ 1/2 Bund Petersilie

  1. Den Backofen auf 180 °c vorheizen. Den Fisch waschen, trocken tupfen, salzen und in 6 Stücke schneiden. Den Lauch und die Karotten klein schnipseln.
  2. In einer Pfanne 4 EL Olivenöl erhitzen. Gemüse anbraten und mit Salz und Pfeffer würzen – vom Herd nehmen.
  3. 4 EL Olivenöl in die Mitte eines großen Stücks Alufolie geben. Die Lachsfilets darauflegen und mit Limettensaft beträufeln. Das Gemüse über dem Fisch verteilen.
  4. Die Alufolie zu einem Päckchen verschließen. Ein Backblech mit so viel Wasser füllen, dass der gesamte Boden davon bedeckt ist, und das Alupäckchen darauflegen. Das Ganze auf mittlerer Schiene 20 Minuten im Ofen garen.
  5. Den Wildreis nach Packungsanweisung garen, das Wasser abgießen und dann die Butter hinzugeben.
  6. Die Schale der Limetten abreiben und zusammen mit der Kochsahne und einer ordentlichen Prise Salz und Pfeffer in einen Topf geben und erhitzen. Thymian und Petersilie fein hacken, ebenfalls dazugeben und die Soße mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  7. Lachs, Wildreis und Kräutersoße zusammen auf einem vorgewärmten Teller anrichten.

Noch 4 Stunden…

Jetzt solltest du mit dem Kochen beginnen. Es gibt kaum ein Gericht, das ohne Zwiebeln auskommt. Ein paar Techniktipps!

Eine Technik, mit der man den Tränenfluss beim Zwiebelhacken unterbinden könnte, gibt es leider nicht. Also heult halt (gilt auch für Männer)!

Zuhause: Das beste aller Feste
© Florian Bayer

Noch 1 Stunde…

Kochpanne? Keine Panik! Es gibt immer eine Lösung. Erste Hilfe aus der NEON-Redaktion:

Suppe angebrannt: Suppenrest in eine Schüssel umfüllen und Zwiebelviertel oder ein Stück Brot zugeben – sie nehmen den Rußgeschmack schnell auf und lassen sich vor dem Servieren leicht entfernen.

Soße zu fettig: Die Soße im Kühlschrank erkalten lassen. Das oben schwimmende Fett wird hart und man kann es ganz leicht abnehmen.

Zähes Fleisch: Das gummiartige Fleischstück in Scheiben schneiden, in die Soße legen und bei niedriger Hitze im Ofen ziehen lassen.

Zu viel Salz: Eine versalzene Suppe wird wieder essbar, wenn man ein Eiweiß dazugibt, es gerinnen lässt und abschöpft. Alternativ kann man kurz eine Scheibe Brot mitkochen oder ein Säckchen mit zwei Esslöffeln Reis für fünfzehn Minuten in die Suppe legen. Bei versalzenem Gemüse oder einem salzigen Braten hilft etwas Zucker oder Honig. ein Lorbeerblatt neutralisiert die zu salzige Vinaigrette.

Zu viel Chili: Feurige Soßen kann man mit Sahne oder Brühe strecken. Bei asiatischen Gerichten greift man lieber zu pürierter Mango oder Kokosmilch. Zur Sicherheit kann man zum Essen noch Brot, Bananen oder Litschis servieren.

Schlabbrige Pasta: Auch wer beim Nudelkochen den perfekten al-dente-Moment verpasst und sich über die weiche, wenig ansehnliche Pasta ärgert, muss nicht verzweifeln. Einfach etwas Butter oder Öl in eine Pfanne geben und die Nudeln kurz anbraten – dann haben sie wieder Biss.

Stunde 0…

Du fürchtest, dass deine Gäste extrem schlechte Manieren haben? Schneide unseren Dinnerpartyknigge aus und hänge ihn in den Flur.

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© Florian Bayer
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© Florian Bayer

Stunde 1…

Kaum etwas ist schlimmer als lautes Schweigen am Tisch. Mercel Reif, Sportmoderator und Smalltalk-Profi, weiß, wie man die Unterhaltung am Laufen hält:

»Wenn sich die Gäste untereinander nicht kennen, muss der Gastgeber Hilfestellung geben und die Leute vorstellen. Man weiß ja selbst am besten, wen man eingeladen hat. Nach kurzer Zeit lässt man die Gäste mit einem Gesprächseinstieg zurück, indem man auf unverfängliche Gemeinsamkeiten hinweist – der Günther mag auch Katzenbabys. Die Themen Religion, Politik und Beziehungen unbedingt vermeiden. Über Fußball reden die Leute auch unendlich viel – leider! Jeder gibt da gerne seinen Senf dazu – und meist sind es diejenigen, die eigentlich nichts zu sagen haben. Wenn’s nach mir ginge, würde ich mich lieber über Bodenfliesen unterhalten. Weil die Menschen am liebsten über sich selbst reden, gilt: fragen, fragen, fragen – und halbwegs aufmerksam zuhören.«

Stunde 4…

Oft übermitteln die Gäste mithilfe von Besteck und hoffentlich leeren Tellern eine Geheime Botschaft an den Koch. Hier eine Interpretationshilfe:

Stunde 5…

Damit nach dem Essen nicht alle zufrieden wegdämmern, braucht es klaren, kalten Alkohol. Marian Krause, der beste deutsche Barkeeper, gibt Tipps für den Neustart.

Suffering Bastard: 30 ml Bourbon Whiskey +++ 20 ml Gin +++ 2 Spritzer Angostura Bitters +++ 1 Orangenspalte +++ 1 Limettenspalte +++ 60 ml Ginger Beer +++ Alle Zutaten mit Eis in ein Longdrinkglas geben und verrühren. Anschließend mit Minzspitzen dekorieren.

Arabic Daiquiri: 50 ml Rum +++ 30 ml Limettensaft +++ 20 ml Zuckersirup +++ 4 Kapseln grüner Kardamom +++ Alles zusammen mit Eiswürfeln in einen Shaker geben und kräftig schütteln. Den Drink durch ein feines Sieb ohne Eis in eine Cocktailschale abseihen.

Magic Tiger: 45 ml Gin +++ 15 ml frischer Zitronensaft +++ 20 ml frischer Pink-Grapefruit-Saft +++ 40 ml Earl-Grey-Tee +++ 20 ml Agavensirup +++ Alle Zutaten mit Eis in ein Longdrinkglas geben und verrühren. Anschließend mit einem Grapefruitschalenschnipsel dekorieren.

Der Tag danach…

Zuhause: Die schönen Erinnerungen an das Fest bleiben einem zum Glück länger erhalten als das schmutzige Geschirr in der Spüle.
Die schönen Erinnerungen an das Fest bleiben einem zum Glück länger erhalten als das schmutzige Geschirr in der Spüle.
© Chad Moore

Du hast viel zu viel gegessen? Du hast einen Kater? Dir ist ein bisschen schlecht? Dann hast du mit der Dinnerparty alles richtig gemacht! Die US-Soziologin Barbara ehrenreich glaubt, dass in unserer Gesellschaft so viele Menschen depressiv werden, weil wir das Feiern verlernt haben und zu viel arbeiten – im Büro, im Fitnessstudio, an uns selbst. Die Menschen im Mittelalter arbeiteten zwar auch sehr hart, so ehrenreich, faulenzten aber auch intensiv und rasteten ab und zu wirklich aus. Im Jahr 1278 sollen in Utrecht 200 Menschen tagelang auf einer Brücke getanzt haben, bis diese einstürzte und die Tänzer in den Fluten des Rheins ertranken. So wild war deine Dinnerparty nicht? Macht nichts. Du kannst ja bald wieder eine veranstalten, die noch exzessiver und legendärer wird.

Zuhause: Das beste aller Feste

Dieser Text ist in der Ausgabe 12/15 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. NEON gibt es auch als eMagazine für iOS & Android. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen.


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