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Geniale Twitter-Aktion: Frau veröffentlicht bescheidene Wunschzettel von Senioren – und rührt damit das Netz

Ja, es gibt sie noch, die schönen Geschichten. Und die folgende ist schon fast das Weihnachtsmärchen aus dem Jahr 2018. Sie handelt von herzzerreißenden Wunschzetteln von älteren Menschen und einer Welle der Solidarität auf Twitter.

Foto von Petra und ein Wunschzettel

Petra hat auf Twitter eine große Solidaritätswelle losgetreten. Nun werden viele Weihnachtswünsche erfüllt.

Die Geschichte beginnt mit Petra, 49 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Petra lebt in München und arbeitet ehrenamtlich als Vorsitzende für den gemeinnützigen Verein "Heimatstern", der sich unter anderem für Wohnungslose einsetzt. Seit mehreren Jahren beteiligt sich der Verein an einer Weihnachtsbaum-Aktion in Dachau. In einem Geschäft in der Stadt können Menschen Wunschzettel an einen Baum hängen. Wer helfen will, kann sich einen oder mehrere Zettel vom "Wunschbaum" mitnehmen und den notierten Wunsch zu Weihnachten erfüllen.

Petra zu NEON: "Das hat mich unfassbar mitgenommen"

Vor einigen Tagen war Petra mit ihrer Tochter in Dachau, um Wünsche von Menschen, die ihr Verein betreut, an dem "Wunschbaum" anzubringen. Während sie das tut, entdeckt sie mehrere Wunschzettel, die alle aus einem Altersheim stammten. "Das hat mich unfassbar mitgenommen", erklärt Petra. Im NEON-Interview berichtet sie, dass viele der Wünsche "so bescheiden" gewesen seien. Manche wünschten sich zum Beispiel eine Nagelfeile, etwas aus einem Märchenbuch vorgelesen zu bekommen, selbstgebackene Plätzchen oder DVDs mit den Lieblingsfilmen vergangener Tage.

Wunschzettel vom Wunschbaum

Wegen eines Schlaganfalls wünscht sich diese Seniorin ein paar Fäustlinge – gerne in Männergröße

"Wenn sich jemand so etwas wünscht, dann bedeutet das wohl, dass es niemanden gibt, der so etwas für diese einsamen Menschen tut", so die Münchnerin. Petra entschließt sich, insgesamt 13 der Senioren-Wünsche mit nach Hause zu nehmen. "Ich habe geweint. Das geht echt nah", erklärt sie ihre Emotionen beim erneuten Lesen der Wunschzettel zu Hause.

Wunsch 3

Dieser Mitbewohnerin des Altenheims fehlt noch ein Märchenbuch. Da sie selbst "kaum noch was sehen kann", würde sie sich außerdem über einen Vorleser freuen.

"Auf Twitter teile ich ganz viel von dem, was ich privat mache und was unser Verein so macht." Also entschließt Petra sich, eine kleine Auswahl der herzzerreißenden Wünsche online zu veröffentlichten. Dazu schreibt sie: "Das Christkind heult gerade vielleicht ein bisschen."

Hunderte Twitter-User wollen helfen, die Weihnachtswünsche zu erfüllen

Hunderte Twitterer reagieren auf Petras Tweet – und viele wollen helfen. "Ich habe Stunden damit verbracht, die ganzen Nachrichten durchzugucken und anschließend 8 der 13 Wünsche an die Community abgegeben", sagt die Mutter, die sich auf Twitter "Emillota" nennt. Und warum sollte man die große Welle der Solidarität nicht nutzen? Sie fährt noch mal von München nach Dachau und sammelt alle noch verbliebenen Wünsche des Altersheims vom Weihnachtsbaum. Danach hat sie jede Menge zu tun. Zwei Tage lang verteilt Petra alle Wünsche an insgesamt 45 hilfsbereite Twitter-User. Dazu sieht sie sich fast verpflichtet. Sie habe "so viel Bereitschaft, etwas Gutes zu tun" gesehen, dass sie gar nicht anders konnte, als diese "Energie" zu nutzen. In den nächsten Tagen werden nun zahlreiche Wunschpaten ihre Pakete für die Senioren auf den Weg bringen.

Nicht alle Wünsche sind materieller Natur. Ein ganz besonderer Wunsch ist Petra hängengeblieben. Eine Bewohnerin schrieb: "Ich wünsche mir nur, dass ihr Zeit findet, einem anderen Bewohner seinen Wunsch zu erfüllen." Diese Selbstlosigkeit hat die 49-Jährige so beeindruckt, dass sie sich vorgenommen hat, dass die Frau auch etwas bekommen soll. Sie hat einen befreundeten Blogger kontaktiert und ihn gebeten, der Seniorin einen schönen Brief zu schreiben. "Dann bekommt sie eben etwas von unserer Zeit. Auch ich werde ihr noch mal schreiben."

Von all den Reaktionen ist Petra total überwältigt. Sie sagt, dass sie ihre Follower kenne und viele von ihnen ein großes Herz haben, aber das habe ihre Erwartungen doch übertroffen. Sie hat mit ihrer Aktion eine große Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft losgetreten – und das weit über Twitter hinaus. Was würde sie selbst an den Wunschbaum heften? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: "Mehr Zeit! Und vielleicht Karten für ein Rod-Stewart-Konzert." Sie sei schließlich ein "Musik-Junkie".

Einer mit einem großen Herzen.

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hh