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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Weihnachten wird ohne Ende gespielt - aber kaum am Computer

Der Dezember klopft an die Tür, Weihnachten rückt näher. Frank Behrendt bekam von seinen Kindern ihre Wunschzettel serviert. Liebevoll illustriert hatte der Nachwuchs aufgelistet, was zum Fest unterm Weihnachtsbaum liegen soll. Erstaunlich: Nur ein Wunsch ist elektronisch.

Den Wunschzettel gab's zum Frühstück

Den Wunschzettel gab's zum Frühstück

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1972, Brasilien. Ein Land im motorisierten Ausnahmezustand: Emerson Fittipaldi, der tollkühne junge Bursche aus Sao Paolo, wurde in seinem Lotus Formel-1-Weltmeister. Mein Vater fuhr damals einen roten VW-Käfer und nach dem WM-Triumph drückte er wie alle unterm Zuckerhut das Gaspedal euphorisiert immer etwas weiter durch. Jeder war ein bisschen Fittipaldi. Mein Bruder und ich auch. Wir lieferten uns heiße Duelle mit unseren Kettcars und wünschten uns zu Weihnachten den Renner unseres rasenden Idols. Kein Motor, sondern ein Blasebalg sorgte allerdings dafür, dass der rot-weiße Bolide dynamisch durchs Wohnzimmer schoss. Ein herrlicher Spaß.

Als ich die diesjährigen Wunschzettel meiner Kinder sichtete, war ich erstaunt. Nur ein einziges digitales Spielzeug stand darauf - offenbar durch den jüngsten Masters-Erfolg von Tennis-Held Alexander Zverev befeuert: "Tennis World Tour" für die PS4. Da der Junior auch im realen Leben auf dem Court das Racket schwingt, gilt das als Weiterbildung. Ansonsten können sich die Macher der Frankfurter Buchmesse freuen, denn es stehen diverse Bücher auf der Liste. Große Dichter der modernen Jugend: "Gregs Tagebuch - Eiskalt erwischt" oder "Erst der Spaß, dann das Vergnügen". Da werde ich bestimmt auch mal reinschmökern zwischen den Jahren.

Brettspiel-Schlachten unter dem Tannenbaum

Sportskamerad Buschmann hat unseren Kindern bei der RTL TV-Quiz-Show "The Wall" offenbar so viel Spaß bereitet, dass sie sich nun das gleichnamige Brettspiel zur Sendung wünschen. Da ich uns allen noch das taktische Legespiel "Azul" schenke, das kürzlich zum "Spiel des Jahres 2018" gekürt wurde, stehen langen Spiele-Schlachten unterm Tannenbaum nichts im Wege.An die erinnere ich mich auch noch gerne, wenn ich an besonders schöne Weihnachten meiner Kindheit zurückdenke.

Die Eltern hatten viel Zeit, im Fernsehen gab es am Nachmittag großartige Weihnachts-Vierteiler und am Abend wurde nach dem Essen bis Mitternacht gespielt. Dazu gab es Omas weltbeste Kekse aus einer roten Blechdose mit goldenen Sternen. Den Geschmack habe ich heute noch auf der Zunge.

Unsere Jüngste hat sich Roller-Skates gewünscht - natürlich in Pink. Die gibt's zum Glück im Netz - sogar ein Modell mit Namen "Rio". Habe ich direkt geordert. Ein weiterer Wunsch wurde von Holly besonders präzise beschrieben: "Puppenpferd mit Puppe, die 46 Zentimeter lang ist". Der Anbieter steht auch dabei: "Toisaras" - ich vermute mal der wurde mit analoger Spracherkennung aus einem Werbespot aufgeschnappt und heißt in echt "Toys-R-Us". Ich werde sicherheitshalber auf meiner Fahrt zum Store einen Zollstock mitnehmen, nicht dass ich eine zu kleine Puppe mitbringe und damit die große Weihnachtsfreude gefährde.