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Liebe: Herr Fischer sucht das Glück

Auf Instagram teilen 300 Millionen Menschen ihre schönsten Momente. Unser Autor hat alle Fotos mit dem Hashtag #glücklich analysiert. Gelingt es ihm so, das höchste aller Gefühle zu entschlüsseln?

#glücklich: Unser Autor Tin Fischer sucht auf Instagram das Glück

#glücklich: Tin Fischer sucht auf Instagram das Glück

Text: Tin Fischer 

Das Treppenhaus in Düsseldorf-Bilk erinnert nicht unbedingt an »Stairway to Heaven«. Die Treppe ist eng und wurde vor langer Zeit mit einem muffigen Teppich bezogen. Und das soll der Weg zum Glück sein? Zögernd beginne ich den Aufstieg. Im zweiten Stock begegne ich einer alten Person, keine Ahnung, ob Mann oder Frau. Wir wechseln so etwas wie einen Gruß. Dann. Weiter. Nach. Oben. Scheißtreppe. Endlich öffnet sich im obersten Stock eine Tür und sie erscheint: Carolin, auf Instagram bekannt als friede.freude.eierkuchen, natürlich lächelt sie, wie auf ihrem Profilbild. Sie sagt: »Hi, komm rein, Frühstück steht bereit.«

CAROLIN, 23, heißt auf Instagram friede.freude.eierkuchen und nutzt den Hashtag #glücklich besonders oft. Unseren Autor lud sie zu einem Frühstück in Düsseldorf ein.

Carolin, 23, ist einer der glücklichsten Menschen in Deutschland zumindest laut Instagram. In den vergangenen zwölf Monaten postete sie 75 Fotos, die sie mit dem Hashtag #glücklich markierte. Carolin ruft also alle paar Tage in die WWWelt hinaus: »Ich bin so glücklich.« Was stimmt nicht mit ihr? Was macht sie richtig?

Glück bei Instagram: Reisen, Essen, Partys

Carolins Wohnung wirkt wie ein dreidimensionaler Instagram-Account. Man könnte mit seiner Handykamera in jede Richtung blitzen es würde immer ein schönes Foto entstehen. Carolin und ihr Freund René haben sich in dem schmucklosen Wohnhaus ein kleines Paradies geschaffen. Sie ist Sozialpädagogin, er Steinmetz. Das Sofa ist selbst gebaut aus weiß bemalten Europaletten, da stehen noch: ein altes Telefon, eine alte Uhr, eine alte Truhe, »Shabby Chic«. An der Wand hängen Bilder, auf die ein Künstler die Wünsche der Menschen gemalt hat, die er in dem Düsseldorfer Studentenviertel traf: »Keine Schulden! Mehr Natur! Einfach mal nichts sagen müssen!«

Als ob es so einfach wäre, glücklich zu sein.

TROCKENOBST: auf Instagram halten viele Menschen besondere und besonders schöne Momente fest – unser Autor ist eher ein digitaler Miesepeter.

EIS, EIS, BABY: Der Konsum von Speiseeis korreliert ja mit Urlaub und der Anzahl der Sonnenstunden also Zeiten, in denen viele Menschen glücklich sind.

Der skeptische Blick in den Instagram-Feed gehört zu meinem Morgenritual wie der in den Spiegel. Wobei es immer auch um die Frage geht: »Oh Instagram-App in meiner Hand, wer führt das glücklichste Leben im ganzen Land?« Was macht M. beim #rodeo in #alberta? War die nicht grad noch in #oman? Schon schick, die #wohnung von L.

Auf Instagram, dem größten Fotonetzwerk der Welt, teilen 300 Millionen Nutzer achtzig Millionen Fotos täglich. Vor allem Glücksmomente: die schönsten Reisen, das Lieblingsessen, Hammerpartys. Liebeskummer, Stress und dunkle Wolken sieht man wesentlich seltener. Während es 2,6 Millionen Bilder mit dem Hashtag #sonne gibt, wurde #regen nur 300.000 Mal fotografiert. So formt Instagram wie keine zweite App unsere Vorstellung vom guten und schönen Leben. Ich nutze Instagram oft, leiste aber selbst keinen Beitrag zu der sich immer weiter verbreitenden Happiness. Wenn ich auf Instagram etwas teile, dann Bilder, die mich amüsieren, weil sie so hässlich oder missraten sind. Den Hashtag #glücklich verwende ich: nie.

Ist #glücklich wirklich glücklich?

Weil mich das ein bisschen beunruhigt und ich für NEON seit einiger Zeit die Foto-App analysiere, kam mir die Idee, die glücklichsten Menschen auf Instagram zu finden und zu versuchen, von ihnen etwas über das Glück zu lernen. Die Reise führte mich nach Berlin, ins Rheinland und an die Ostsee und immer begleitete mich eine Frage: Handelt es sich bei dem Insta-Glück um ein tatsächliches Glück, oder verhält sich #glück zu dem echten Gefühl wie Instantkaffee zu Kaffee?

Ich lud die Metadaten, Hashtags, Likes und dergleichen sämtlicher Fotos der vergangenen zwölf Monate runter, die mit #glücklich getaggt worden waren. Knapp eine Viertelmillion Fotos. 680 Megabyte pures Glück. Zuerst fertigte ich eine Art Glücksmatrix an. Sofort fiel mir auf: Ein Großteil der #glücklich-Fotos sind Selfies das heißt entweder, dass die Instagram-Nutzer besonders happy sind, wenn ihnen das Duckface gut glückt, oder, im Umkehrschluss, dass sie sich besonders häufig fotografieren, wenn sie vor Glück platzen. Dann fertigte ich eine Rangliste der hundert User an, die die meisten #glücklich-Fotos posten. Fitness- und Modeblogger schmiss ich ebenso raus wie Copy-and-Paste-#glückliche, die jedes zweite Foto mit #glücklich taggen, um Follower anzulocken. So blieben ein Dutzend Personen, fast alles Frauen. Ihre Foto-Feeds strahlten tatsächlich so etwas wie Glück aus. Viel Lachen. Viel Leben. Kann ich von ihnen etwas über das Gefühl lernen? Ich schrieb sie an. Und zum Glück antworteten einige von ihnen sogar.

#lecker#gesund#frühstück mit #freunden

Kaffee und Croissants duften. Ich habe Hunger. Carolin will noch ein Foto machen, bevor wir mit dem Frühstück beginnen. Sie steht auf dem Stuhl und fotografiert den Tisch. Carolins Mutter und eine Nachbarin sind zu Besuch. Und auch ich muss natürlich mit aufs Foto #besuch#samstags #glücklich. Die Stimmung ist ganz entspannt. Das Foto, fällt mir sofort auf, vereint vieles, was Leute auf Instagram #glücklich macht: #lecker#gesund#frühstück mit #freunden und #familie.

Dann fällt mir auf, dass es in meiner Wohnung keinen Esstisch gibt, an den ich #freunde oder #familie laden könnte. Aber immerhin bin ich schon einmal Teil eines #glücklich-Fotos auf Instagram!

»Mich hat die Glücksfrage zuletzt tatsächlich sehr beschäftigt«, sagt Carolin, als ich sie frage, ob sie den Hashtag bewusst so oft verwendet. »Ich war Anfang des vergangenen Jahres echt unzufrieden und unausstehlich.« Carolin hatte ihr Studium abgeschlossen, an dem ersten Job aber keine Freude. »Ich kaufte mir ein Fitnessprogramm für 300 Euro und richtete den Instagram-Account ein, weil ich gehört hatte, dass man dort gute Fitnesstipps und Rezepte findet«, erzählt sie. Ihre ersten Fotos zeigen deshalb ihren trainierten Bauch, kalorienarme Snacks und den aktuellen Stand der Pulsuhr. Dazu gibt es selbstmotivierende Sprüche.

Instagram als Glückstagebuch

»Aber irgendwann fragte ich mich: Will ich diese Kontrolle? Dieses ständige Wiegen? Ein Sixpack macht nicht glücklich!«, sagt Carolin. (An dieser Stelle fluche ich innerlich; denn am Tag zuvor hatte ich mir für 150 Euro neue Joggingsachen gekauft, weil ich mich nach Durchsicht ihres Accounts so schlecht fühlte.) Irgendwann, erzählt Carolin, saß sie mit ihrem Freund in Venedig am Wasser, trank Aperol Spritz »und war plötzlich einen Moment lang zufrieden und glücklich«. In der Folge begann sie, Seen, Sonnenuntergänge und Selfies zu posten, achtsame Momente. Instagram wurde ihr Glückstagebuch. Aber hebt das wirklich die Laune? »Glück lässt sich nicht festhalten«, schreibt der Psychiater Manfred Lütz in seinem Buch »Wie Sie unvermeidlich glücklich werden« über die Selfie-Sucht der Gegenwart: »Im Gegenteil, man verhindert durch diesen technischen Eingriff die Einsicht und vor allem das Erlebnis.« Carolin gibt zu, »dass ich in dem Moment damit beschäftigt bin, das perfekte Bild zu machen. Zehn Versuche brauche ich dafür im Schnitt. Aber dann habe ich die perfekte Erinnerung.«

SHOPPING: Weil viele Leute ihre Einkäufe und Traumprodukte posten, ist Instagram zu einem Konsumnetzwerk geworden wir alle sind potenzielle Werbeträger.

Wir machen einen Wochenendspaziergang, der bei Carolin immer auch Fotosafari ist. In ihrem Viertel gibt es viele Cafés und einen hübschen Smoothieladen, den sie kürzlich auf Instagram entdeckt hat.

Die Verkäuferin ist sehr redselig und erklärt Carolin, warum die Saftkur, die sie hier anbieten, 45 Euro pro Tag wert ist. Ich trinke einen Green Smoothie, aber Glücksgefühle löst er nicht in mir aus. Carolin macht derweil ein Foto von dem Rote-Bete-Smoothie und probiert aus, mit welchem Filter das Rot am schönsten zur Geltung kommt. Ich finde, das Foto sieht wesentlich besser aus, als der Smoothie schmeckt. Auch Carolin ist zufrieden. Dann fragt die Verkäuferin: »Wie viele Follower hast du denn auf Instagram?« und erzählt, dass manche Blogger eine Gratissaftkur erwarten, damit sie den hübschen Laden in ihren Posts erwähnen.

Ein effektives Konsumnetzwerk

Carolin wird später etwas Nettes unter das Bild schreiben, aber während wir in Richtung Rhein gehen, ist sie genervt: »Warum ist das so wichtig, wie viele Follower ich habe?« Carolin will keine Gratis-Smoothies, sondern schöne Fotos, die schöne Momente festhalten. Nur ist Instagram schon längst kein unschuldiges Fotoalbum mehr, sondern funktioniert als Konsumnetzwerk, das mir kürzlich Sportklamotten für 150 Euro angedreht hat und an dessen Gesetze sich auch kleine Smoothieläden halten müssen. Und wir hängen alle als potenzielle Werbeträger mit drin. Das liegt auch daran, »dass wir uns in sozialen Medien positiver zeigen, als unser Leben in Wirklichkeit ist«, erklärt Hanna Krasnova, Professorin für Wirtschafts- und Verwaltungsinformatik an der Universität Potsdam. »Wir tendieren dazu, positive Lebensereignisse wesentlich häufiger in sozialen Netzwerken zu teilen als negative«, sagt Krasnova. Deshalb läuft man auf Instagram Gefahr, neidisch auf das Glück der anderen zu werden und zu versuchen, durch Shopping und Styling aufzuholen. Zweifelhaft, dass man seine Gefühle durch Fotofilter und Konsum steigern kann.

EINE GROSSE PARTY: Es stimmt: Menschen, so hat eine Social-Media-Forscherin herausgefunden, neigen dazu, ihr Leben im Netz positiver darzustellen, als es ist.

Ich gehe zurück ins Glückslabor und analysiere die Daten. #glückliche Tage auf Instagram sehen in etwa so aus: Im #urlaub am #strand mit #freunden und #familie#chillen, #fitness machen, #gesund#lecker#essen gehen und #verliebt mit seinem #schatz#party feiern. Ich schlucke, als ich die Hashtag-Liste lese. Weder mache ich viel #urlaub, noch sehe ich meine #familie oft, und #gesund ist mein #essen selten. Kein Wunder, dass ich oft so schlecht gelaunt bin. Mut macht mir der Philosoph Wilhelm Schmid, der in seinem kleinen Band »Glück« über das »Wohlfühlglück« schreibt: »Mit ein wenig Erfahrung kann ein Mensch seine Ingredienzien kennen und an ihrer Bereitstellung arbeiten, Tag für Tag.« Diese Ingredienzien können sein: die Tasse Kaffee, der gesunde Smoothie, der leuchtende Sonnenuntergang. Ich schmiede einen Plan, will nicht nur die Erfahrung einzelner besonders glücklicher Instagramer nutzen, sondern orientiere mich an der Masse. Ich reise nach Rostock, weil #ostsee und #strand am häufigsten mit #urlaub und #glücklich getaggt werden. An einem Wochenende mache ich dort alles, was Instagram-Nutzer glücklich macht: Ich gehe #shoppen, #gesund essen, am #strand spazieren und mit einem netten Instagram-Bodybuilder ins #fitnessstudio.

MEHR POWER: Vermutlich liegt es daran, dass beim Training das Glückshormon Serotonin ausgeschüttet wird, dass sich Instagramer so gern beim Sport ablichten.

Der Plan geht auf subtile Art und Weise schief. Zwar bietet selbst das triste Rostock alles, was die Massen auf Instagram #glücklich macht. Aber irgendwann sitze ich in einem modernen, pseudoitalienischen Restaurant, weil es auf Instagram das meistfotografierte in der Stadt ist, in dem aber auch jeder Basilikumstrauch und jede Balsamicoflasche so arrangiert ist, als würde gleich ein Werbedreh beginnen, und ich muss mir eingestehen: Meine Laune ist weiterhin schlecht.

Alles nur Schein?

Dass ich in dem schicken Pastaladen nicht glücklich werde, hätte mich nicht verwundern sollen: Ich esse sonst am liebsten in einem japanischen Restaurant in Berlin, dessen Ambiente zwar so trist wie eine Kantine ist, das Essen schmeckt dafür umso besser. Ich mag diesen Kontrast. Hier aber gibt es keine Kontraste. Nichts ist interessant für mich. Und das Essen sieht schon wieder besser aus, als es ist. »Jedem begegnet das Glück anderswo«, schreibt der Wissenschaftsautor Stefan Klein in dem Klassiker »Die Glücksformel«. Glück sei etwas Individuelles und es überfalle uns, »wenn wir am wenigsten damit rechnen«. Glücksgefühle sind demnach nichts, was ich mir bei der Masse abschauen könnte. Hinzu kommt, dass der Philosoph Schmid das Wellnessgefühl, dem ich grad folge, klar abgrenzt vom »Glück der Fülle«, dem sinnstiftenden, philosophischen Glück, das über den Moment hinausreicht und weniger fotogen ist. Aber noch gebe ich nicht auf.

THERESA, 28, lebt in Berlin und heißt auf Instagram theresaliebt. Mit ihren Fotos versucht sie, »sich besondere Momente bewusst zu machen«.

In einem Café im Norden Berlins, das tatsächlich »Stück vom Glück« heißt, treffe ich dann Theresa, 28, die auf Instagram theresaliebt heißt, sehr oft den Hashtag #glücklich verwendet und mehrere Tausend Follower hat. Fast muss ich lachen, als ich mich der zweiten Glücksexpertin nähere: Theresa sitzt da, von einer Sternenlichterkette umrahmt, die zufällig hinter ihr hängt. Sie hat lange blonde Locken und roten Lippenstift aufgetragen. Vor ihr ein Latte macchiato und eine Zeitung. Sie bewegt sich kaum, sieht aus wie ein Instagram-Bild wie schon Carolins Wohnung.

»Ich bin generell ein glücklicher Mensch, erfreue mich auch an kleinen Dingen«, sagt sie. Klar gebe es unschöne Phasen in ihrem Leben, aber sie wache morgens fast immer gut gelaunt auf. Auf Instagram postet sie meist Bilder in warmen Gelbtönen, oft mit einem Tupfer Pink. Theresa fotografiert gerne Alltagsbanalitäten, die sie hübsch umarrangiert. Den Kartonring des Kaffeebechers faltet sie zu einem Herz. Während des Lernens legt sie Gummibärchen auf das langweilige Buch. Es scheint, als mache sie aus allem das Schönste und Beste. Nach unserem Treffen wird sie ein Foto der Kerze und des Reservierungsschildchens (»*-lich willkommen Theresa 16:00«) posten und schreiben, dass es ein gutes Gespräch gewesen sei. Was stimmt. Und doch auch nicht.

#sterbebett #hospiz #krebsisteinarschloch 

So richtig geheuer waren wir uns nämlich nicht. Theresa studiert Theologie, will evangelische Pastorin werden und sagt: »Der Glaube ist das, was mich glücklich macht. Halt zu haben. Sicherheit.« Ich hingegen bin Atheist. Ich glaube, Theresa hatte Angst, dass ich sie als verblendeten Jesus-Freak darstellen würde. Und ich mag es nicht, wenn man mich darauf hinweist, dass ich in all meiner ironischen Aufgeklärtheit doch wenig habe, was den »Horizont über meine eigene Endlichkeit erweitert«. Dass ich also kaum etwas von dem habe, was der Philosoph Wilhelm Schmid als den »eigentlichen Quell des Glücks« beschreibt. Theresa und ich sind sehr verschieden.

Vor ein paar Monaten postete sie zum Beispiel ein Stillleben eines Nachttischs: eine Kerze, Blumen, eine Brille und ein Wecker, den keiner mehr braucht: #sterbebett. »Ich fotografiere Dinge, die ich schön finde«, sagt Theresa, »aber ich versuche auch, mir mit den Fotos besondere Momente bewusst zu machen.« Während ihr Opa im Sterben lag und sie an seinem Bett wachte, fotografierte sie also weiter #hospiz #krebsisteinarschloch. Ich musste daran denken, wie ich nach dem Tod meiner Großmutter, der mich sehr traurig gemacht hatte, Fotos der absurden Objekte postete, die ich beim Räumen ihrer Wohnung fand. Das »Tagebuch eines Frauenarztes« aus dem Jahr 1970 etwa. Für Theresa hatte der Tod etwas Tröstliches. Ich dagegen versuchte, mich darüber lustig zu machen. Plötzlich geht es nicht mehr um Möbel und Smoothies und Sixpacks, sondern um große Fragen: Muss man Gefühle benennen, um sie zu spüren? Und gilt das für Trauer wie für Glück?

Das Wichtigste zum Schluss

Nach fast zwei Stunden finden Theresa und ich doch noch einen gemeinsamen Nenner. Wir stellen fest, dass in unseren Accounts ein fast identisches Foto auftaucht: die Ostsee bei Warnemünde, abends, in der kalten Jahreszeit. Sie schoss das Bild, als sie mit ihrem Mann einen Wochenendurlaub machte. Ich machte es bei meiner Glücksexkursion an die Ostsee, weil es mich an den Bodensee erinnerte, an dem ich aufgewachsen bin. »Das Meer hat etwas von Gott«, sagt Theresa, »die Strömung, die man nicht sieht, die unerklärliche Kraft.« Kurzes Schweigen. Bei mir sei das anders, antworte ich, mich macht das Meer immer sehr ruhig, weil ich mich zu Hause fühle. Plötzlich verstehen wir uns.

HORIZONTE: Obwohl Theresa und unser Autor sehr verschieden sind, hatten sie ein identisches Foto gemacht: die Ostsee bei Warnemünde.

Dann sagt Theresa noch etwas ganz Banales, aber es ist bei der Suche nach dem Glück vielleicht das Wichtigste ob man nun eine Kamera in der Hand hat oder nicht: »Man hat im Alltag so wenig Ehrfurchtsmomente. Momente, in denen man einfach nur stehen bleibt und staunt.«


Dieser Text ist in derAusgabe 03/16 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. NEON gibt es auch als eMagazine für iOS & Android. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen.