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NEON-Hochzeitskolumne

Ja, ich will ... aber anders: Ist Heiraten eine Umweltsünde? Wie deine Hochzeit ganz einfach nachhaltiger wird

Nachhaltigkeit und Minimalismus sind gerade voll im Trend – aber bei Hochzeiten? Die können durch die ganzen Traditionen schnell zur Umweltsünde mutieren. Unsere Autorin hatte gar nicht geplant, nachhaltig zu heiraten – bis sie merkte, wie einfach das ist.

NEON-Hochzeitskolumne: Nachhaltig Heiraten mit Laura Mitulla

Wie einfach ist es wirklich, Nachhaltigkeit und eine Hochzeit miteinander zu vereinen?

Getty Images

NEON-Redakteurin Denise heiratet im Juni – und ist damit in ihrem Freundeskreis eine der ersten. Da gibt es erstmal tausende Fragen, auf die sie eine Antwort sucht. Die wichtigste: Wie will ich eigentlich heiraten? In der NEON-Hochzeitskolumne "Ja, ich will ... aber anders" erzählt sie von der Planung einer Feier gegen das Klischee.

Save-the-Date-Karten, Einladungen, Antwortkarten, hunderte Luftballons, aufwendige Blumendeko, ganz viel Konfetti, ein Kleid, das man nie wieder anzieht ... Bei einer Hochzeit kann man für ziemlich viele Dinge ziemlich viel Geld ausgeben. Und damit schadet man nicht nur dem eigenen Kontostand, sondern gleich auch der Umwelt. Denn all diese Konventionen und Traditionen haben eines gemeinsam: viel, viel Müll. Na klar, kann man jetzt sagen: Aber ich heirate nur einmal im Leben! Man kann sich aber auch fragen: Warum will ich für Sachen, die ich wahrscheinlich nie wieder benutzen kann oder die gleich im Müll landen, mein Geld verschwenden? 

Wie ich unbeabsichtigt eine nachhaltige Hochzeit plane

Als ich begann, meine Hochzeit zu planen, stand Nachhaltigkeit für mich nicht an erster Stelle – sie schaffte es nicht mal in die Top Ten. Ich war so mit der Planung überfordert, mit  Gästeliste, Standesamt, Catering, Budgetplanung und vor allem mit Suchen: nach einer Location, einer Traurednerin, einer Fotografin, einem Outfit ... Da habe ich mir um die Umwelt gar keine Gedanken gemacht. Bis ich einen Beitrag auf dem Blog "The OGNC" gelesen habe. Dort hat Laura Mitulla zwölf Tipps für eine nachhaltige Hochzeit gegeben. Seit ein paar Monaten folgte ich ihr auf Instagram, weil mich die Themen Minimalismus, Nachhaltigkeit und Zero Waste immer mehr interessiert haben.  Als ich die zwölf Punkte dann durchging, fiel mir auf, dass ich viele davon bereits abhaken konnte – ohne mir vorher darüber richtig bewusst gewesen zu sein. Und das aus einem einfachen Grund: Weil ich mich bei meiner Heirat sowieso von vielen – in meinen Augen unnötigen – Traditionen verabschiedet hatte. 

Ich habe Laura zum Telefon-Interview getroffen, denn sie hat im Februar selbst geheiratet und versucht, ihre Hochzeit so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Von ihr habe ich mir einige Tipps und Inspirationen für meine eigene Feier geholt. Verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen ist in den sozialen Netzwerken gerade super trendy – doch Laura setzt sich mit Minimalismus und Nachhaltigkeit schon seit 2016 auseinander und ist eine echte Expertin. Ein bisschen hat sie ihre Lebensphilosophie in die Wiege gelegt bekommen, denn ihr Vater war Binnenschiffer – die ganze Familie wohnte also auf einem Schiff. Aufgewachsen ist Laura zusammen mit ihrer Schwester auf insgesamt 30 Quadratmetern. "Man hatte nicht das Gefühl, dass man etwas vermisst hat, sondern hatte trotzdem genug Möglichkeiten sich zu beschäftigen", erzählt sie mir.

Schwierig wird's bei der Familie

Bei ihrer standesamtlichen Hochzeit gab es im Anschluss eine Feier im kleinen Kreis. "Das war etwas schwierig", erzählt Laura. Die Familie machte ihr einige Striche durch die nachhaltige Rechnung. Sie wollte zum Beispiel keinen Blumenstrauß – hatte auf der Feier irgendwann trotzdem einen in der Hand, weil einer der Gäste einfach einen gekauft hatte. Die alten Traditionen bekommt man eben nicht so einfach aus den Leuten heraus. "Du musst vorher ganz, ganz viel darüber reden, aber ich kann nicht versprechen, dass dann alles so wird, wie du es dir vorstellst", sagt sie und gibt mir einen wichtigen Rat: "Und wenn es dann doch passiert, dann passiert es. Man möchte bei der eigenen Hochzeit nicht der Trauerkloß sein, der alles blöd findet." 

Fangen wir an bei den Save-the-Date-Karten. Die gab es bei uns einfach nicht. Den wichtigsten Leuten hatten wir schon anderthalb Jahre im Voraus persönlich, per Whatsapp oder am Telefon Bescheid gesagt. Dann die Einladungen: Statt aufwendige Karten zu bestellen oder basteln haben wir Visitenkarten drucken lassen, auf denen die Adresse zu einer Website stand, auf der man alle Infos finden konnte. Die kann man immer aktuell halten – und man hat etwas, über das alle Gäste lachen mussten (man muss dazu sagen, dass wir bei der Domain auch ziemlich kreativ waren). Auf der Website konnte man sich auch direkt anmelden. Dass es keine konventionellen Einladungen werden sollten, war uns schnell klar. Denn ganz ehrlich: So schön sie auch sind, am Ende landen sie im Müll. Visitenkarten sind klein, praktisch und günstig. Wer noch nachhaltiger sein will, kann die Karten auch selbst auf Pappreste oder Recycling-Karton drucken oder den Link einfach digital verschicken.

Nachhaltigkeit spart jede Menge Geld

Bei Lauras standesamtlichen Hochzeit haben sie und ihr Mann einfach etwas getragen, das sie schon im Schrank hatten. Und auch ich sehe es nicht ein, mir für mehrere tausend Euro ein pompöses Kleid zu kaufen, in dem ich mir verkleidet vorkomme und das ich nie wieder anziehen werde. Deswegen lasse ich mir gerade einen kurzen – aber immerhin weißen – Jumpsuit schneidern, den ich nach der Hochzeit auch einfach als Sommeroutfit tragen kann. 

Außerdem ist unsere Location perfekt für umweltbewusste Brautpaare: Als Deko gibt es süße Marmeladengläser mit saisonalen Blumen, außerdem ein Grillbuffet mit Bio-Fleisch aus der Region und sie ist mitten in Hamburg, also super mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Zugegeben, diesen "Luxus" bietet nicht jede Location – aber wir haben sie gefunden, ohne wirklich nach diesen Kriterien zu suchen. Junge, hippe Unternehmen achten meist sowieso auf die Umwelt. Und wenn nicht, kann man auch einfach darum bitten.

Die Hochzeit als Statussymbol

"Ich habe das Gefühl, für einige ist die Hochzeit ein richtiges Statussymbol", sage ich zu Laura, die mir zustimmt. "Man zeigt, wer man ist und was man hat", sagt Laura. "Ich finde, das hat dann nichts mehr mit dem Fest der Liebe zu tun, sondern mit dem Fest der materiellen Dinge." Dieser ganze Hochzeitswahnsinn sei total amerikanisiert, findet sie. "Einige konnten nicht verstehen, dass wir keine Flitterwochen machen wollten", erzählt sie. "Das wird halt doch erwartet." Aber ja, seitdem es Pinterest gibt, scheinen einige Paare bei ihrer Hochzeit vollkommen auszurasten. Alle möglichen Trends aus den USA kommen online direkt nach Europa: Gastgeschenke, üppige Tischdeko, einheitliche Brautjungernkleider ... "Ich kenne eine, die hat eine komplette Präsentation gemacht über ihre Hochzeit: Welche Schriftarten, welche Farben", erzählt sie weiter. "Das war total krass."

Laura spricht in unserem Interview noch einen Punkt an: "Sobald du vom Thema Hochzeit erzählst, gehen die Preise hoch." Deshalb rät sie dazu, möglichst viel selbst zu machen. Das ist nicht nur gut fürs Portemonnaie, sondern auch für die Umwelt. Je nachdem wie viele Gäste man einlädt, kann man sie auch in die Planung mit einbeziehen – besonders wenn man nicht in einer Location feiert. Statt Geschenke könnte zum Beispiel jeder auch etwas zu Essen mitbringen. Laura wird bei ihrer großen Hochzeit, die sie gerade noch plant, zum Beispiel nicht genügend Gläser haben, welche zu mieten ist aber sehr teuer. Deswegen will sie ihre Familienmitglieder bitten, Marmeladengläser und ähnliches zu sammeln. "Der Sekt schmeckt daraus genauso gut", sagt sie – und ich frage mich: Wann haben wir überhaupt aufgehört, aus gespülten Senfgläsern zu trinken?

"Eigentlich kann es egal sein, wenn die Familie oder jemand anderes das nicht cool findet. Denn: Es ist deine Hochzeit", sagt Laura. "Und wenn die das nicht gut finden, dann sollen sie es bei ihrer Hochzeit halt anders machen." 

Weitere Tipps zum nachhaltigen Heiraten – zum Beispiel zu Brautkleidern – findet ihr auf Lauras Blogazine "The OGNC"

Jede Woche gibt es eine neue Folge der NEON-Hochzeitskolumne "Ja, ich will ... aber anders". Alle bisherigen Kolumnen findet ihr hier:

Teil 1: "Ich heirate meinen ersten Freund: Warum ich keine Angst habe, etwas zu verpassen"

Teil 2: "Selbst ist die Braut: Darum habe ich gerne auf einen klassischen Heiratsantrag verzichtet"

Teil 3: "Ich hatte eine Verlobung ohne Antrag – brauche ich also überhaupt einen Ring?"

Teil 4: "Ringfoto und kitschige Liebesschwüre? Warum ich meine Verlobung nicht auf Instagram geteilt habe"

Reis, Feuerwerk und Co.: Umweltsünde Hochzeit: Sechs Dinge, die ihr lieber sein lassen solltet
Feuerwerk und Wunderkerzen bei der Hochzeit

Feuerwerk, Wunderkerzen und Co.


Natürlich sind Feuerwerke schön. Die ganze Hochzeitsgesellschaft versammelt sich noch einmal vor der Location und schaut leicht angetüddelt gen Himmel, wo eine Farbexplosion stattfindet, die noch einmal diesen historischen Tag feiern soll. Und das Licht, das Wunderkerzen machen, sieht auf Fotos einfach toll aus. 


Aber all das dauert nur wenige Minuten – und belastet die Umwelt stark. Laut Umweltbundesamt jagen die Deutschen zu Silvester jedes Jahr zwischen 100 und 200 Millionen Euro und rund 5000 Tonnen Feinstaub in die Luft – das entspricht circa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge. 


Klar, bei eurer Hochzeit wollt ihr kein 100-Millionen-Euro-Feuerwerk abfeuern. Aber wenn man sich überlegt, wie viele Menschen im Jahr heiraten, nicht nur in Deutschland und wie viele Feuerwerke und Wunderkerzen das sind … das läppert sich! Ganz zu schweigen vom verursachten Müll! Wie wäre es denn stattdessen mit Kerzen? Auch schön, auch feierlich und am Ende können die Gäste sie mit nach Hause nehmen und dort benutzen. 

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