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Selbstoptimierung: Wenn Perfektion erwünscht ist: Was ist eigentlich Biohacking?

Den eigenen Körper so gut verstehen, dass man ihn kontrollieren und das Beste aus ihm herausholen kann – dafür steht Biohacking. Wie genau das Ganze funktioniert und was du tun kannst, um dich selbst zu optimieren. 

Von Sara Tavakoli

Eine trainierte Frau ist von vorne zu sehen und streckt ihre Arme nach oben.

Biohacking: Was du tun kannst, um dich selbst zu optimieren 

Die meisten kennen es: Es gibt Phasen, da kommt man kaum aus dem Bett, ist ständig müde und kann sich kaum länger als eine halbe Stunde auf etwas konzentrieren. Ich wollte herausfinden, womit das zusammen hängt und was man dagegen tun kann. Dabei bin ich auf den Begriff Biohacking gestoßen – eine Methode, den eigenen Körper auszutricksen, sodass man mehr Energie und weniger träge Phasen hat.

Was ist Biohacking?

So wie PC-Hacker in ein Computersystem eindringen, um gezielt Dinge zu verändern, so ähnlich kann man es sich auch mit Biohacking vorstellen: Der Mensch "hackt“ seinen eigenen Organismus, um sich selbst auf geschickte Art und Weise zu optimieren. Mit dieser Selbstoptimierung strebt der Biohacker nach mehr Konzentration, Leistungsfähigkeit, Produktivität und einem insgesamt besseren Wohlbefinden und Lebensgefühl.

Eine einheitliche Erklärung, was genau unter dieser Art von "hacking“ verstanden wird, gibt es nicht. Manche gehen so weit, dass sie sich Mikrochips unter die Haut einpflanzen, die Schlüssel, Kreditkarten oder Ausweise ersetzen - ziemlich gruselig. Der Biohacking-Coach Patrick Kramer trägt selbst solche Implantate und schätzt, dass in Deutschland bereits 4000 Menschen einen Chip unter der Haut tragen, um ihren Alltag bequemer zu machen. Während diese Art von hacking schon als Bodyhacking bezeichnet wird, wird Biohacking in Deutschland eher als eine Art Lifestyle verstanden, der nötig ist, wenn Perfektion erwünscht ist. Worauf kommt es dabei genau an und wie kannst du Bio-Hacks in deinen Alltag integrieren? Man muss ja nicht gleich alles übernehmen, aber diese Dinge gelten unter Bio-Hackern als hilfreich auf dem Weg zur besten Version deiner selbst.

Einsteiger-Tipps für Biohacker

1. Kohlenhydrate vermeiden und gesunde Fette essen

Die Ernährung ist beim Biohacking das A und O. Qualitativ hochwertige Fleisch- und Fischprodukte, gesunde Fette aus Avocados, Nüssen und Samen, Eier und stärkearmes Gemüse stehen ganz oben auf dem Speiseplan. Auf Alkohol oder Kohlenhydrate aus Nudeln, Getreide oder sogar Obst verzichten Biohacker, um ihre Leistung nicht zu beeinträchtigen. Außerdem glauben Biohacker an intermittierendes Fasten: Die Zeit, in der man etwas isst, sollte auf 8 Stunden am Tag begrenzt werden. Die restlichen 16 Stunden isst man nichts und lässt den Körper ruhen. 

2. Schlaf optimieren

Sechs bis acht Stunden Schlaf sollten reichen, damit du dich fit und ausgeschlafen fühlst, vorausgesetzt du schläfst tief und gut. Was du dafür tun kannst: in eine gute Matratze investieren, dein Schlafzimmer nachts abdunkeln und schon eine Weile vor dem Schlafengehen dein Handy ausschalten. Die blauen Wellenlängen des Lichtes signalisieren dem Körper nämlich, dass es Tag ist. Du wirst munter und kannst dadurch schlechter einschlafen.

3. Kurz aber intensiv trainieren

Max Gotzlar ist Biohacking-Experte und empfiehlt HIIT (High-Intensity Interval Training). Das Training verbindet hochintensive Intervalle von Belastung mit Erholungsphasen und ist so effektiv, dass nicht mehr als zwei oder drei Mal pro Woche trainiert werden sollte.

4. Kalt duschen

Beginne deinen Tag mit einer kalten Dusche für 30 Sekunden. Eine niederländische Studie fand heraus, dass unter den Probanden, die drei Monate lang kalt duschten, etwa 30 Prozent weniger krank wurden, als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Der Kälteschock soll außerdem die Fettverbrennung ankurbeln und entzündungshemmend wirken.

5. Digital entgiften

Beschränke deine Zeit am Handy oder am Laptop in deiner Freizeit auf maximal eine Stunde am Tag oder leg einmal in der Woche das Handy ganz zur Seite. Laut einer Untersuchung der Initiative Gesundheit und Arbeit empfinden wir die ständige Erreichbarkeit als Zwang, der dazu führt, dass wir uns häufiger gestresst und gehetzt fühlen. Und das wiederum kann zu Problemen beim Einschlafen führen. 

6. Meditieren

Morgens nach dem Aufstehen, abends vor dem Schlafengehen oder auch zwischendurch am Tag kann regelmäßiges Meditieren Stress und Angst lindern, deine Achtsamkeit und Geduld steigern und sogar das Immunsystem stärken. Nimm dir für den Anfang vor, jeden Tag fünf Minuten zu meditieren und wenn du merkst, dass es dir immer leichter fällt, kannst du die Zeit langsam verlängern. 

Schritt für Schritt zum Biohacker 

Nachdem ich jetzt also herausgefunden habe, womit meine trägen Phasen zusammen hängen können und was ich dagegen tun kann, bin ich inspiriert, ein paar Punkte des Biohackings in meinen Alltag aufzunehmen. Ich möchte mich schließlich fitter fühlen. Was ich aber auch möchte: einfach mal das tun, worauf ich Lust habe. Das Ganze soll schließlich Spaß machen und wenn es sich zu einem Zwang entwickelt, ist es wahrscheinlich eher kontraproduktiv. Auf den Schokoriegel nach dem Mittagessen oder den Wein am Wochenende werde ich also auch weiterhin nicht verzichten. Meine Selbstoptimierung kann ich dann bestimmt trotzdem noch erreichen – Schritt für Schritt. 

Nahtmensch