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Krämpfe, Kopfschmerzen, Durchfall: Das sagt der Frauenarzt: So anstrengend ist die Periode wirklich

Es soll ja noch Menschen geben, die behaupten, die Periode sei gar nicht so schmerzhaft, wie viele Frauen berichten. Tatsächlich gibt es ganze Institutionen, die die Periode als Luxus einstufen – unsere Bundesregierung zum Beispiel. Wir haben mal einen Arzt gefragt, wie luxuriös das alles wirklich ist.

Periode in der Badewanne

SO sieht Luxus aus! Oder etwa nicht?

Getty Images

Es soll ja noch Menschen geben, die Periodenprodukte nicht als Grundbedarf ansehen, sondern als umgangssprachliches Luxusprodukt – verrückt oder? Die doch tatsächlich glauben, dass es in Ordnung sei, Kleidung und Essen als Grundbedarf ermäßigt zu besteuern, Periodenprodukte wie Binden, Tampons und Menstruationstassen aber nicht. Die finden, dass die Produkte, die wir brauchen, um nicht einmal im Monat alle unsere Klamotten mit Blut zu ruinieren, kein Grundbedarf sind – dass sie also als Luxusgüter einzustufen sind.

Wir wollen hier jetzt noch einmal eine Sache klar machen, damit es sich auch wirklich jeder merkt: Die Periode ist nützlich, die Periode ist Teil des Lebens – aber die Periode ist definitiv kein Luxus. Außer man möchte allmonatlich wiederkehrende Symptome wie Unterleibskrämpfe, Kopfweh, Durchfall, Flatulenz, Müdigkeit, das unstillbare Verlangen nach Schokolade (auch wenn man sie den Rest des Monats mit dem Hintern nicht anschaut), Blähbauch und teils nicht zu kontrollierende Stimmungsschwankungen als Luxus bezeichnen. Dann vielleicht doch.

Und während es ja gerne mal heißt, Frauen würden übertreiben – so machte sich erst vor Kurzem ein Mann auf Twitter über Periodenschmerzen lustig – und sich die Hälfte dieser Dinge einbilden – "Gib's zu, du willst doch einfach nur Schokolade!" –, gibt es tatsächlich medizinische Erklärungen hierfür. Wir haben bei Christian Albring, Präsident des Bundesverbandes der Frauenärzte und selbst niedergelassener Frauenarzt in Hannover, nachgefragt, wie luxuriös die Periode tatsächlich ist.

Doktor Albring, was passiert hormonell im Körper der Frau vor und während der Menstruation?

"Nur wenn sich in der zweiten Hälfte des Zyklus ein befruchtetes Ei in der Gebärmutter einnistet, beginnt an diesem Ort sofort ein Umbau der Schleimhaut und die Ausschüttung von Schwangerschaftshormonen. Dieses Hormon erhält den Gelbkörper im Eierstock und sorgt für eine dauerhaft hohe und weiter steigende Produktion von Östrogen und Progesteron.  Fehlt dieser Reiz, degeneriert der Gelbkörper im Eierstock, die Hormonproduktion hört auf, und die in der ersten Zyklushälfte aufgebaute, gut durchblutete innere Zellschicht der Gebärmutter, die Schleimhaut, wird abgestoßen – das ist die Menstruation.

Manche Frauen spüren vor allem das Fehlen des Östrogens, weil sich dann ihre Stimmung sehr verschlechtert. Bei anderen führt vor allem das vorübergehende Missverhältnis der Hormone Östrogen und Progesteron zu Spannungsgefühl in der Brust, Heißhunger und Wassereinlagerungen mit Gewichtszunahme."

Klingt schon mal alles nicht nach Luxus.

Und wieso bekommen wir während der Periode Kopfschmerzen?

"Manche Frauen reagieren auf das Abfallen des Östrogenspiegels – häufig schon in den Tagen vor dem Beginn –  während der Menstruation mit Kopfschmerzen. Ursache ist die leicht verringerte Weitstellung der Blutgefäße im Gehirn, die dann zu geringerer Sauerstoffversorgung führt."

SHUT UP AND TAKE MY MONEY! Luxus pur.

Und was hat es mit den durchfallähnlichen Symptomen auf sich?

"Wahrscheinlich handelt es sich um eine Mitreaktion des hinter der Gebärmutter liegenden Dickdarms über Nervengeflechte."

Geil!

Und woher kommt der Heißhunger auf Schokolade, den so viele Menstruierende erleben?

"Meist ist der Heißhunger auf Schokolade auch schon vor der Menstruation vorhanden und wird über das negative Zusammenspiel der vielen Körperhormone, wie zum Beispiel des Insulins, erzeugt. Viele Frauen erleben den Beginn der Periode geradezu als Erleichterung, weil der Schoko-Heißhunger dann schlagartig aufhört."

Heißt ja in diesem Fall quasi, dass die Periode wirklich ein Luxus ist, weil ein Aspekt des Prä-menstrualen Syndroms wegfällt. Sagen wir: Ein halber Punkt für den Luxus!

Jetzt haben wir so viel über die Schmerzen und Unannehmlichkeiten gesprochen: Was kann man denn nun dagegen tun?

"Das muss jede Frau für sich individuell herausfinden. Mädchen werden meist schon von der Mutter beraten, da Symptome familiär gehäuft auftreten. Manchen geht es besser, wenn sie sich hinlegen, bei anderen verschwinden die Krämpfe beim Sport. Die einen kommen mit einer Wärmflasche gut aus, die anderen mit einem Kühlpack. Bei manchen funktionieren Arzneimittel, die die Muskeln entspannen, bei anderen Entzündungshemmer. Die probaten Mittel sollten aber immer sofort bei Beginn der Schmerzsymptomatik eingesetzt werden. Bei manchen Frauen helfen auch pflanzliche Mittel oder Tees. 

Wenn die Menstruationsschmerzen dauerhaft sehr stark sind, kann auch die hormonelle Verhütung helfen, also eine Pille oder die Hormonspirale. Eine Kupferspirale verstärkt Menstruationsschmerzen und Menstruationsblutung."

Weißte Bescheid!

jgs