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Selbstakzeptanz: Erwachsen werden ist scheiße – Wie ich trotzdem gelernt habe, mich selbst zu lieben

Unsere Jugend ist geprägt von Unzufriedenheit und Unsicherheit. Akne, Brille, Orangenhaut – auch unsere Autorin fragt sich lange, wie sie wohl als schön gelten kann? Bis sie auf Reisen geht und lernt, worin unsere Schönheit wirklich liegt. 

Von NEON-Community-Mitglied Tamina Vielgrader

Frau fährt in Auto

"Wir alle haben Angst, jemand zu werden, der wir nicht wirklich sind" (Symbolbild)

Unsplash

Es ist immer der erste Satz, der nicht passt. Es ist immer der erste Moment, wo einem das Herz in die Hose rutscht. Und es ist immer diese Stimme in unserem Kopf, die sagt, dass wir es sowieso nicht schaffen. Ich habe mittlerweile viele Menschen auf meinen Reisen kennengelernt, die mir den Kopf verdreht haben. So viele Menschen mit unterschiedlichen Ansichten. So viele verschiedene Interessen. Aber doch fast immer die gleichen Unsicherheiten.

Niemand ist perfekt – oder?

Egal wie alt man ist, die Narben der Teenager-Zeit bleiben scheinbar für immer. Ich dachte lange, dass meine Narben vermutlich grässlich violett bleiben würden und ich schämte mich dafür. Niemand ist perfekt – das war mir immer bewusst; aber hält uns das davon ab, perfekt sein zu wollen? Nein.

Während wir alle zu jungen Erwachsenen heranwachsen, bleibt es keinem von uns erspart durch die furchtbaren Zeiten von Missverständnissen, Trauer, Angst und vor allem Unsicherheit zu gehen. Wie oft habt ihr in den Spiegel geschaut und mindestens fünf Dinge gesehen, dir ihr an euch gehasst habt?

Ich kann euch gar nicht sagen, wie oft ich durch diese weite Plantage des Grauens gestampft bin. Selbstakzeptanz und Selbstliebe waren mir trotz zusprechender Worte meiner Eltern unbekannt. Wie konnte die 16-jährige mit Akne, Brille, Zahnspange, Orangenhaut und Wachstumsstreifen als schön gelten? Die Person, die das behauptet hat muss blind gewesen sein. Schließlich war ich immer die einzige, die voller Elan auf der Bar tanzte, wenn das Lied "Single Ladies" ertönte. Die Jahre vergingen und selbst an meinem 18. Geburtstag hatte ich noch immer Schwierigkeiten mit dem Wort "Schönheit". 

Was bedeutet eigentlich Schönheit?

Nun, nach sämtlichen Monaten des Reisens, ist mir bewusst geworden, dass es keine Definition für dieses Wort gibt. Nach so vielen Wochen der Unsicherheit wird mir klar, dass Schönheit nichts weiter als ein deformiertes Wortspiel seitens der Gesellschaft ist. Allein durch die vielen Hauttypen, verschiedenen Augen- und Haarfarben, Mimiken und Körperhaltungen und vor allem durch die verschiedenen Kulturen, ist mir klar geworden: Es ist nicht Gewöhnlichkeit und Ähnlichkeit, die wir attraktiv finden, sondern vielmehr die eine außergewöhnliche und uns fremde Einzigartigkeit.

Jeder Jugendliche kämpft mit Unzufriedenheit. Jeder Jugendliche hat Probleme mit seinen Eltern – manche mehr und manche weniger. Jeder Jugendliche hat Angst, wenn er etwas zum ersten Mal macht. Und jeder hat Angst, jemand zu werden, der er im tiefsten Inneren einfach nicht ist. Erwachsen werden heißt nicht, dass man von einem Moment auf den anderen das Leben einwandfrei meistert. Erwachsen werden heißt, dass man sich eingesteht, dass man Unsicherheiten und Ängste mit sich trägt. Es liegt am Individuum selbst, ob es den Mut aufbringen kann, um sich eben diesen zu stellen und anzufangen, an sich selbst zu arbeiten.

Sich den Unsicherheiten stellen

Die Persönlichkeiten, die ich auf meinen Reisen kennenlernen durfte, haben mir die Augen geöffnet. Während die Stunden vergingen, die Tränen liefen, Tag zu Nacht wurde und die Tiefsinnigkeit der Gesprächsthemen zunahm, wurde mir bewusst, dass jeder Reisende einen Grund für seinen plötzlichen Aufbruch hatte. Jeder einzelne fuhr auf der Höhlenautobahn und nahm die Ausfahrt namens "good life" im nächstgelegenen Kreisverkehr.

Ich habe in meinem kurzen Leben viel zu viel Zeit mit negativen Gedanken verbracht, während ich mit aller Kraft versuchte, ein Optimist zu bleiben. Nach fünf langen Monaten des Reisens habe ich endlich gelernt, dass es kein Zeichen der Schwäche ist, wenn wir uns unserer Unsicherheit stellen.

Der "Jetzt-reicht's"-Effekt

Ich habe zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Gefühl der Akzeptanz und Sicherheit gemacht, als ich anfing, das Mädchen im Spiegel mit anderen Augen zu sehen.

Die braune Haut, welche auf ihre stolze afrikanische Abstammung zurückzuführen ist, die Dehnungsstreifen, welche ihre Hüften und Oberweite überdecken, und die mit Muskeln vollgepumpten Oberschenkel, die denen von Serena Williams gleichen. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden diese Unsicherheiten zu einzigartigen Ecken und Kanten, die ich zu lieben lernte. 

Manchmal gibt es noch immer Tage, an denen ich wünschte ich wäre "normal" (ehrlich – wer ist das schon?): europäische Haut, helle Haare, keine Sommersprossen, Größe 36 und keine 173 cm. Männer und Frauen, Mädchen und Jungen, Intersexuelle und Transgender. Wir alle haben diese Makel, die uns in Wirklichkeit zu dem machen, was wir sind: einzigartig und wunderschön. Jeder hat eine Geschichte die er mit sich trägt. Wir Reisenden sind einfach nur das Produkt des sogenannten "Jetzt reicht’s"-Effekts.

Es liegt ganz allein an uns selbst

Es gibt nur eine gewisse Anzahl an Schwierigkeiten, Problemen, Streitereien und Dramen, die ein Mensch ertragen kann. In meinem Fall war das Glas nach weniger als 18 Jahren voll. Es kam zu einem Überfluss von negativer Energie, die mich nach unten zog wie eine gigantische Welle. Dann kamen fünf Monate reisen – ein Waschmaschinengang mit ein paar Mal kurz aufatmen. Erst nach sechs Monaten des Reisens konnte ich zum ersten Mal wieder klar sehen und nach dem siebten Monat habe ich es endlich geschafft, mir all meine Unsicherheiten einzugestehen. Und genau da bin ich jetzt.

Es hat mich zirka zwei Jahre, eine Million Dramen, 600 000 unnötige Probleme und 120 Prozent täglichen Dauerstresses gekostet, um hierher zu kommen. Und ich würde nichts an meiner Vergangenheit ändern. Ja, ich habe fatale Fehler gemacht, aber ich habe versucht, es wieder hinzubiegen. Schlussendlich habe ich akzeptiert, dass es nicht die anderen sind, an denen es liegt, sondern ganz allein ich selbst. Ich musste an mir arbeiten, härter als jemals zuvor, um der Mensch zu werden, der ich tief im Inneren bin – die Frau zu werden, die meine Vorfahren als Superheldin ansehen würden.

Wie sollen wir weiterkommen, wenn wir keine Fehler machen dürfen?

Das Leben eines jungen Erwachsenen kann mit so viel Drama, Misstrauen, Unsicherheit, Trauer und Schmerz gefüllt sein. Und der Satz "bis du heiratest ist alles wieder gut..." richtet mehr Schaden an, als man denkt. Die meisten Eltern wissen nicht mehr, dass es keine emotionale Zwischenphase ist, in der wir uns befinden. Ein falscher Schritt und es ist ein Weltuntergang. Ein Fauxpas und wir werden als kindisch dargestellt, oder sogar als unreif empfunden. Aber wie sollen wir zu großen Persönlichkeiten heranwachsen, wenn es uns nicht erlaubt ist, Fehler zu machen? Wie sollen wir uns weiterbilden? Wie sollen wir lernen, uns selbst zu lieben und zu akzeptieren, wenn unsere Unsicherheiten als jugendlich-hormonelle Nebenwirkungen abgestempelt werden? Wie sollen wir an uns selbst glauben, wenn uns keiner motiviert? Und wie sollen wir wissen, ob es die richtige Entscheidung ist, wenn uns keiner zu hören scheint?

Um ehrlich zu sein habe ich zu den meisten dieser Fragen auch keine Antwort gefunden. Aber ich habe gelernt, dass mich niemals jemand an der Hand nehmen wird, und mir zeigen wird, was es heißt "zu leben". Also habe ich das gemacht, was mir am ehesten zu dem Verb "leben" einfiel: Ich ging auf Reisen. Und ja Mama – ich ging auf Reisen UM MICH SELBST ZU FINDEN. Und nein Mama, dass ist kein Yoga-Zen-Scheiß.

Wir können stolz sein auf das, was wir im Spiegel sehen

Trotzdem sitze ich in diesem Moment in einer Hängematte in Dawasamu in Fiji und weiß zu hundert Prozent, zum allerersten Mal in meinem Leben, wer ich bin. Und zum ersten Mal kann ich sagen, dass ich diesen Menschen mag, und stolz auf die Frau bin, die ich im Spiegel sehe.

Carina Møller-Mikkelsen früher und heute
Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(