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Immobilien-Studie: Junggesellen-Abschiede sind schuld, wenn sich Millennials kein Haus leisten können

Letztes Jahr waren es teure Avocados, nun sollen teure Junggesellen-Abschiede die Ursache sein, dass Millennials kein Vermögen ansparen. Wenn man nachrechnet, sind beide Theorien nicht ganz so absurd, wie es zunächst scheint.

Verbunden mit Reisen explodieren die Kosten für eine rauschende Abschiedsnacht.

Verbunden mit Reisen explodieren die Kosten für eine rauschende Abschiedsnacht.

Getty Images

Warum kommen Millennials finanziell nicht auf einen grünen Zweig? Über diese Frage grübelt der ältere Teil der Bevölkerung unentwegt. Es gibt wissenschaftliche Erklärungen, etwa dass das Dilemma an der Wahl finanziell wenig attraktiver Berufe liege, die dennoch hohe Studiengebühren kosten.

Das meiste Aufsehen erreichen allerdings handfestere Befunde über die Generation Y. 2017 verkündete der australische Selfmade-Milliardär Tim Gurner voller Überzeugung im TV, Millennials würden nicht zu einem eigenen Haus kommen, weil sie ihr Geld lieber für Avocados verpulvern.

Inzwischen gibt es eine neue Theorie: Millennials müssen zuhause bei ihren Eltern leben und können sie kein eigenes Dach über dem Kopf leisten, weil sie zu sehr mit Junggesellinnen- und Junggesellen-Abschieden beschäftigt sind. Dabei muss man wissen, dass derartige Partys in den USA nicht nur mit viel Alkohol, sondern auch mit teuren Reisen und großem Aufwand verbunden sind. Auf diese Erkenntnis ist eine Studie des Immobilien-Portals "Zillow" gestoßen.

1500 Dollar pro Junggesellen-Abschied

Innerhalb weniger Jahre müssten junge Menschen in den USA bei der durchschnittlichen Anzahl von neun Abschieden Kosten von etwa 14.000 US-Dollar bewältigen. Bei einem verlängerten Wochenende in der Karibik oder in Las Vegas kommen Beträge von 1500 Dollar pro Person schnell zusammen. Die Kosten sind nicht unrealistisch, aber im oberen Segment angesiedelt – der gesellschaftliche Durchschnitt dürfte geringer sein. Laut der aktuellen Untersuchung "The Knot 2018 Wedding Guest Study" geben die Mitglieder der Hochzeitsgesellschaft durchschnittlich 584 Dollar für die Teilnahme an einer Junggesellinnen- oder Junggesellenparty aus.

Doch mit Kosten von nur 585 Dollar ist so eine Party sicher kein Instagram-Knaller. In den Zeiten von "The Hangover" und "Bridesmaids" wurden extravagante Abschiedspartys zu einem Trend, so Maxwell Cooper vom Hochzeitsportal "The Knot" in der TV-Sendung "Today": "Heutige Paare stellen besondere Erfahrungen über alles, also ist es keine Überraschung, wenn viele Bräute und Bräutigame aus ihren Reisen vor der der Eheschließung ganz unvergessliche Events machen wollen."

"Wie schon bei den Hochzeiten wollen Paare, dass ihre individuellen Abschiedsfeiern einzigartig sind und ihre Interessen und Persönlichkeiten widerspiegeln, was tatsächlich zu sehr kostspieligen Feiern führen kann", sagt Cooper.

Geld summiert sich

Nun kann man einwenden, eine kleine Reise führt nicht zum Ruin. Doch diese Angewohnheiten betreffen nicht ein einzelnes Event. Wenn jemand dazu neigt, für besondere Erlebnisse relativ viel Geld zu investieren, wird er ein erlebnisreiches Leben führen, aber entsprechend weniger Geld ansparen. Bei zwei Personen machen zweimal 14.000 Dollar in vielen Gegenden der USA die Anzahlung für ein einfaches Haus oder eine Wohnung aus. Der Einstieg in die sogenannte Immobilen-Leiter. Kommt zu den Kosten für die Abschiede noch die Belastung für eine eigene unvergessliche Hochzeit hinzu, wird deutlich, dass die Kosten für das Thema "Ehe und Party" junge Paare finanziell zurücksetzen.

"Von Geschenken über Reisen bis hin zur Kleidung kann es eine teure Ehre sein, an einer Hochzeitsfeier teilzunehmen. Besonders im Alter zwischen 20 und 40. Das ist die Wahrscheinlichkeiten von mehrfachen Hochzeiten in einem Jahr sehr hoch, dann können sie die Kosten explodieren", so Maxwell Cooper.

Avocado-Theorie

Auch die Avocado-Theorie ist genau genommen nicht so absurd, wie es zunächst scheint. Milliardär Tim Gurner behauptete nicht, dass eine Avocado aus dem Supermarkt jemanden ruiniert. Er spielte auf Gruppen junger Leute an, die den Tag in einem angesagten Café verbringen und dort Brote mit Avocadomus zu horrenden Preisen zu sich nehmen. Er sagte: "Als ich dabei war, mein erstes Haus zu kaufen, leistete ich mir keine zermuste Avocado für 19 Dollar und dazu vier Kaffees für je vier Dollar."

"Wir lieben in einer Realität, in der sich viele Menschen in ihrem Leben kein Haus leisten werden." Auf die Frage, ob er glaube, dass junge Leute nie ein Haus besitzen werden, antwortete er im TV: "Absolut, wenn man 40 Dollar pro Tag für Avocados und Kaffee ausgibt und nicht arbeitet. Natürlich nicht."