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Jugend-Studie Geldsorgen und Depressionen – Millennials sehen für die Zukunft schwarz

Viele Mühen, aber wenig Perspektive - das frustriert junge Briten.
Viele Mühen, aber wenig Perspektive - das frustriert junge Briten.
© Caju Gomes / Unsplash
Junge Menschen in Großbritannien verlieren zusehends den Glauben an die Wirtschaft und die eigene Zukunft, sagt eine neue Studie. Der wirtschaftliche Druck führt zu immer größeren psychischen Problemen.

Noch nie waren junge Menschen in Großbritannien so unglücklich wie heute. Das zeigt die aktuelle Studie "Youth Index 2018" des Prince's Trust. Alljährlich untersucht der Index Aussichten und Meinungen der jungen Generation. Offenbar hat es auf der Insel ein Erdbeben gegeben, die Glückswerte der Jugend sind innerhalb von zwölf Monaten in den Keller gerauscht. Derart schlechte Werte hat die Studie seit dem Beginn ihrer Arbeit im Jahr 2009 noch nie gemessen. 

Für die Studie wurden 2194 Personen im Alter von 16 bis 25 Jahren befragt. 60 Prozent sorgen sich regelmäßig um Arbeitsplatz und Einkommen. 50 Prozent gaben an, unter psychischen Problemen zu leiden. Ebenfalls 50 Prozent glauben, dass sie Rückschläge schlecht verkraften. Ein Gefühl allgemeiner Hoffnungslosigkeit beschleicht jeden Vierten.

Eine Generation vor der Tür in Großbritannien

Nick Stace, Geschäftsführer der Jugendorganisation, geht davon aus, dass die schwierige wirtschaftliche Situation junger Leute für den Stimmungseinbruch verantwortlich ist.

"Es sollte alle Alarmglocken schrillen, wenn junge Menschen mehr als je zuvor über ihre emotionale Gesundheit beunruhigt sind" mahnte Stace. "Dies ist eine Generation, die schnell das Vertrauen verliert, ihre Lebensziele zu erreichen, und die dem Arbeitsmarkt zunehmend misstrauisch gegenübersteht." 

"Eines der wichtigsten Dinge, die wir tun müssen, um diese Entwicklung einzudämmen, ist, jungen Menschen zu zeigen, dass es sich lohnt, Ziele zu verfolgen und dass es tatsächlich Möglichkeiten für sie gibt, einen guten Lebensunterhalt zu verdienen und Fortschritte in einer Karriere zu erzielen." 

Seit dem Bestehen des Indexes fallen die erhobenen Werte. Im Vergleich zum Vorjahr (61) sackte der Index für das Jahr 2017 um vier Punkte auf den Wert 57 ab, 2010 wurde noch ein Wert von 70 ermittelt. Diese Kontinuität lässt auch vermuten, dass der Brexit nicht hauptverantwortlich für das schlechte Empfinden junger Menschen ist.

Schlechte Jobs ohne Perspektive

Seit Jahren nimmt die Jugend die Situation auf dem Arbeitsmarkt als sehr herausfordernd wahr. Für diese Anstrengungen gibt es aber keine entsprechenden Belohnungen. Viele junge Leute müssen sich für Jobs ins Zeug legen, die weder eine gute Bezahlung noch eine Zukunftsperspektive bieten.  Junge Leute suchen die Schuld für die schwierige Situation bei sich und nicht bei gesellschaftlichen Versäumnissen.

Hinzu kommen die Besonderheiten des britischen Wohnungsmarkts. Wer nicht für den sozialen Wohnungsmarkt mit seinen langen Wartelisten in Frage kommt, ist auf den Wohnungskauf angewiesen. Die Immobilienpreise sind in gesuchten Regionen wie dem Großraum London aber bereits so hoch, dass es für Berufsanfänger heute unmöglich ist, die sogenannte Immobilien-Leiter zu erklimmen. 

Nur mit aufbauenden Slogans wird es aber nicht getan sein, es müsse sich auch die Lebenswirklichkeit verbessern, so Stace. Die Regierung, Wohltätigkeitsorganisationen und Arbeitgeber in Großbritannien müssten mehr in die Entwicklung der Fähigkeiten junger Menschen investieren und ihnen die Möglichkeit geben, sich in ihrer Karriere weiterzuentwickeln.

Unerreichbarer Status der Senioren

Das System der britischen Altersvorsorge lässt die Einkommen der bessergestellten Pensionäre schneller wachsen als die der arbeitenden Bevölkerung. Ein guter Teil der Rentnereinkünfte entsteht nicht durch ein Umlageverfahren wie in Deutschland, sondern werden aus Anlagefonds gespeist. Hier schlägt der Effekt voll durch, dass in ganz Europa das Anlagekapital in den letzten Jahren üppige Zuwachsraten erzielt hat, während die Zuwächse beim Lohneinkommen kaum oberhalb der Inflationsrate liegen.

Bei den Jungen entsteht daher nicht zu Unrecht der Eindruck einer abgehängten Generation, die niemals das Wohlstandsniveau der Älteren erreichen wird. Besonders erschreckend wirken die Werte junger Frauen. Die schlechten wirtschaftlichen Aussichten beeindrucken sie noch viel mehr als die Männer. 41 Prozent der Männer haben innerlich resigniert und glauben, dass sie im Vergleich zu anderen "im Großen und Ganzen nicht gut genug" seien. Bei den Frauen sind es sogar 57 Prozent.


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