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Social Media: Sie wollte ein Instagram-Star sein - nun hat sie mehr Schulden als Follower

Lissette Calveiro hatte nur ein schlecht bezahltes Praktikum. Doch auf Instagram präsentierte sie neue Kleider, tolle Reisen. Diese Illusion eines perfekten Lebens hat die junge Frau fast ruiniert.

Lissette Calveiro kam nach New York und träumte von einem prickelnden Leben – so wie in "Sex and the City" – nur eben mit einem prall gefüllten -Account. Einziges Problem: Mit ihrem Praktikum verdiente Calveiro kaum genug, um zu leben. Doch was macht das schon: Carrie aus "Sex and the City" schrieb schließlich auch nur alle 14 Tage einen Artikel – dafür konnte sie sich eine Wohnung in Manhattan, einen Schrank sündhaft teurer Schuhe und Besuche in den angesagtesten Restaurants leisten.

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Also startete Lissette Calveiro durch. Sie leistete sich Einkaufstouren, Designer-Handtaschen und viele tollen Reisen mit dem Ziel, einen perfekten Instagram-Account zu füllen. "Ich kaufte Klamotten für den perfekten Instagram-Account ", sagte sie der "New York Post". "Ich lebte über meinen Verhältnissen. Ich lebte in einer Lüge und die Schulden sind mir über den Kopf gewachsen."

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I HAVE SOMETHING TO SAY: For a handful of months, I’ve felt very uninspired to curate my feed and felt that many things I’ve been putting out are bland, inauthentic and have little meaning. I started to try to create more meaning for myself by expanded in what I say per post and committing to at least 1 blog post a month. But the reality is, that’s a bandaid solution. I have been so wrapped up in this “influencer” space from both the front and back end that I started to camouflage into a sea of sameness. “Take a picture of me here because I’m wearing a cool outfit, and this wall is pretty.” I used to post photos of people, things and experiences I cared about and moved to more “me in this pose” photos when I started getting more “likes” on those. This platform isn’t about LIKES, it’s about CONNECTIONS. It’s about sharing nuggets of your life because you want to inspire others to discover, because you want to indulge in things others have helped you discover, and giving people the space to be creative with content (whether it’s a selfie or damn avocado toast). I feel like I’ve hit a turning point and I promise to be more authentic and truly hone in on the real value I can bring to all of you and stop posting content just for the sake of posting content. It doesn’t mean I won’t stop posting photos of myself — I have so much fun playing around with personal style and the beautiful city I live in — but you can rest assured that I’m posting something because that moment was truly special to me, and it ~may~ bring value to you. Be yourself, love yourself and never stop growing. ——————————————————————————— Always happy to continue this dialogue via DM and keep this community growing. Lots of love to everyone that always shows the upmost support. ✨And, a shout out to @songofstyle because this perspective shift came after watching your interview with @evachen212. Keep keeping on, power girls!

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"Das Leben in  war immer mein Plan," erklärte Calveiro. "Aber ich fürchtete, dass ich diese Erfahrung nicht machen könnte, wenn ich keine Schulden machen würde. Ich redete mir ein, dass ich es irgendwann bezahlen würde." 

Calveiro wollte nie zweimal im gleichen Dress auftauchen, außerdem sammelte sie spezielle Snapchat-Filter. "Snapchat bietet dir diese Geo-Filter (wie digitale Passstempel; Anm.d.Red.) - und ich wollte mindestens zwölf sammeln", sagte Calveiro dem Blatt. "Viele der Reisen, die ich 2016 gemacht habe, machte ich ausschließlich für Instagram." 

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Honestly, just leave me here.

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30.000 Dollar frisst ein Account im Jahr

Das Portal "Fashionista" schätzt, dass man mindestens 31.400 Dollar pro Jahr ausgeben muss, um die Standards zu erreichen, die ein erfolgreicher Instagram-Feed benötigt. Am Ende des Jahres hatte Lissette Calveiro alle ihre Ersparnisse verbraucht. Beim Kassensturz blieben 10.000 Dollar Kreditkartenschulden, angesichts ihrer geringen Einnahmen war das ein Riesenproblem. 

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سوق الحياة

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Niamh McDade von der Royal Society for Public Health sagte dem "Independent": "Lisettes Fall ist ein extremes Beispiel für den Druck, den viele von uns, die Social Media nutzen, empfinden. Der Druck eine sorgfältig geschaffene, ambitionierte Version von uns selbst und unserem Leben online zu präsentieren - eine Version, die nicht unbedingt die Realität widerspiegelt." 

Ein neuer Job half Lissette Calveiro aus der Misere zu entkommen. Ganz kann sie von dem Traum, ein Instagram-Star zu werden, nicht lassen. Aber heute stellt sie sich klüger an. Anstatt die Kleider für ein Foto zu kaufen, hat sie ein Abo der Miet-Plattform "Rent the Runway" - das kostet zwar auch noch 130 Dollar im Monat, ist aber immer noch deutlich billiger als vorher.