VG-Wort Pixel

Werbung Neue Reklame in alte Filme: Software revolutioniert das Product-Placement

In dem Video  der Sängerin Giovanny Ayala wurden die Bierdosen nachträglich eingfügt.
In dem Video  der Sängerin Giovanny Ayala wurden die Bierdosen nachträglich eingfügt.
© Mirriad / PR
KI macht es möglich, Filme zu verändern, ohne dass das Auge die Manipulation merkt. Die Technik soll dafür sorgen, dass in altem Filmmaterial aktuelle Werbung platziert wird.

Bei klassischer Werbung im TV schauen viele weg oder überspringen sie. Mit Product-Placement geht das nicht, hier taucht die Werbung in der Sendung auf. Bislang wurden die Produkte einfach bei der Produktion mit aufgenommen. Das soll sich aber ändern. Moderne Software verspricht, mittels KI auch in alte Sendungen aktuelle Werbung einzubauen. Dann kann bei jeder Ausstrahlung neu kassiert werden und auch ältere Filme können mit Werbung gespickt werden.

Alte Klassiker mit neuen Produkten

Wie sähe das aus? In "The Great Escape" flieht Steve McQueen auf einem Motorrad vor den Deutschen, vor einer Scheune hält er kurz an. Im Original sind da nur Bretter zu sehen. Aber es ist warm, McQueen schwitzt, da bietet es sich doch an eine Bierreklame auf dem Gebäude anzubringen.

Die Möglichkeiten sind unendlich: Ganz einfach kann man die Flaschenetiketten in Filmklassikern wie "Gilda" oder "Casablanca" in die von zahlenden Kunden verwandeln oder die Straßenreklame im Hintergrund mit aktuellen Motiven versehen.

Verlockende Möglichkeiten

Der Geschäftsführer von Mirriad, Stephan Beringer, geht davon aus, dass sich digitale Produktplatzierungen schnell verbreiten werden. Ursprünglich hat seine Firma digitale Spezialeffekte für Filme hergestellt. Wenn man einen Saurier animieren kann, ist es keine Kunst ein Magazin mit passendem Reklamemotiv auf den Couchtisch zu zaubern. "Wir haben damit angefangen, in Filmen zu arbeiten", sagte er der BBC. "Unser Chefentwickler Philip McLauchlan hat mit seinem Team die Technologie entwickelt, die für den Film Black Swan mit einem Oscar ausgezeichnet wurde."

"Unsere Technologie kann ein Bild 'lesen', sie versteht die Tiefe, die Bewegung, den Stoff, alles. So kann man neue Bilder einfügen, von denen das menschliche Auge im Grunde genommen nicht merkt, dass sie nachträglich eingefügt wurden."

Werbung kann individualisiert werden

Neben Filmen und Serien bieten sich Musik-Videos für den Einsatz geradezu an. Gut laufende, aber ältere Inhalte können so immer neue Gewinne abwerfen. Auch in alten Hits sind dann die aktuellen Sneaker zu sehen. Selbst Live-Events sind vor der zusätzlichen Reklame nicht sicher. "In Echtzeit oder Millisekunden danach" könnten Produktbanner Live-Sport- oder Konzertübertragungen ergänzen. "Dafür gibt es eine große Nachfrage", so Beringer. "So könnte bei einer Elfmeter- oder Video-Assistent-Referee-Entscheidung im Fußball eine neue Werbung hinter dem Schiedsrichter auftauchen."

Witzige Kampagne: Neuseeland verbietet Instagram-Fotos

Dazu gibt es eine weitere Dimension: Die Platzierung kann passend auf den jeweiligen Zuschauer angepasst werden. Die Weinfreunde sehen eine Weinflasche, für jemand anders steht ein Mineralwasser auf dem Tisch. Das hört sich für den Zuschauer schockierend an. Streamingdienste und TV-Anstalten könnten aber so zu den individuell zugeschnittenen Werbeformen der Internetgiganten aufschließen.

Rechtlich ist das Ganze noch eine Grauzone, zumindest wenn es sich nicht um neue Eigenproduktionen, sondern um Klassiker handelt. Immerhin wird ein vom Urheberrecht geschütztes Werk verändert. Doch vermutlich werden sich die Rechteinhaber diesen Eingriff abkaufen lassen. Dazu kommen weitere rechtliche Hürden. In vielen Ländern schließt die Filmförderung den Einsatz von verdeckter Reklame aus. Bei den Fans dürfte Fingerspitzengefühl gefragt sein, dezente Veränderungen dürften nur den wenigsten auffallen, bei sehr auffälliger Werbung sieht das anders aus.

Quelle: BBC


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker