Astrid Brüggmann
NEON-Traumjob: Wie wird man eigentlich ... Tourguide?

NEON-Traumjob: Astrid Brüggmann
Astrid Brüggmann ist hauptberuflich Tourguide. Mit NEON sprach sie über ihren Traumjob.
© NEON
Traumjob gefunden: Astrid Brüggmann ist Tourguide – und das hauptberuflich. Seit einem Jahr führt sie Touristen und Schaulistige durch Hamburger Stadtteile. Mit NEON sprach sie über Vorurteile ihres Jobs und warum sie ausgerechnet als Tourguide ihre Berufung gefunden hat.

Um wen geht’s?

Astrid Brüggmann, 48, ist Tourguide bei der Eat the World GmbH. Seit einem Jahr unterhält sie Gäste bei kulinarischen Stadführungen in den Hamburger Stadtteilen Ottensen, St. Georg und Eimsbüttel – in Kürze kommt auch noch St. Pauli hinzu.

Was machst du den ganzen Tag?

Auf jeden Fall kein klassischen "9 to 5"-Job. Ich bin Freiberuflerin. Als solche kann ich frei entscheiden, wann und ich wie viel ich arbeiten möchte. Da ich ohnehin kein Frühaufsteher bin, passt es mir umso besser, dass die Touren frühestens um 10:30 Uhr beginnen. Andererseits habe ich keinerlei Probleme um 17:00 Uhr eine abendliche St. Georg-Tour zu leiten.Eine solche Tour bereite ich natürlich vor. Das heißt: Ich drucke die aktuelle Teilnehmer- und Gastropartnerliste mit den jeweiligen Uhrzeiten aus, präge sie mir ein und packe die Tourguide-Tasche mit Broschüren, Flyern, Servietten und Ansichtsfolien. Am Tag der Führung finde ich mich in der Regel eine Viertelstunde vor Beginn am entsprechenden Treffpunkt ein – und begrüße die Gäste. Innerhalb von drei Stunden führe ich dann durch das jeweilige Viertel, erzähle Historisches und Aktuelles in kurzweilige Anekdoten – und  präsentiere bis zu sieben Gastronomien und Läden, bei denen vielfältige Kleinigkeiten serviert werden. 

Da ich hauptberuflich als Tourguide tätig bin, habe ich in der Saison ein bis zwei Führungen am Tag. Allerdings ich achte auch darauf, dass ich ein bis zwei freie Tage in der Woche habe – und an die Urlaubsplanung denke.

Wie wird man das?

Ich bin gelernte Hotelfachfrau und habe für die Gäste Hamburger Hotels gern besondere touristische Programme aufgetan. So habe ich ein Unternehmen kennengelernt, das mich zu ihrem besonderen Sinnesrundgang eingeladen hat. Das war nicht die herkömmliche Sightseeing-Tour, bei der mit monotoner Stimmlage "und auf der linken Seite sehen sie"-Phrasen Touristen gelangweilt und mit Jahreszahlen erschlagen werden.Diese Tour war ganz anders: lebendig, kurzweilig und sprach wirklich alle Sinne an. Ich war total begeistert und wollte das für mich unbedingt auch. Auf der Suche nach der geeigneten Firma, stieß ich auf Eat the World GmbH. Für mich die perfekte Konstellation, da ich meine gastronomische Ausbildung hierfür gut einsetzen kann. Außerdem bietet die Zweiteilung, Geschichtliches und Kulinarik im Wechsel darzubieten, eine größere Herausforderung als zwei Stunden Monologe vor Gruppen zu halten. Ich brauche die Interaktion mit den Teilnehmern.

Welchen Satz kannst Du nicht mehr hören?

"Davon kann man doch nicht leben, oder?" Es gibt Menschen, die eine Berufung gefunden haben, bei dem was sie tun. Geld ist nicht die einzige Messbarkeit von Erfolg. Mir gibt das direkte positive Feedback der Teilnehmer viel mehr als das höhere Gehalt bei meinem letzten Arbeitgeber. Aber es verletzt mich nicht, denn ich weiß, dass ich nicht mehr tauschen möchte. Ich bin gespannt auf jeden Arbeitstag und neugierig auf die Gäste. Es ist immer wieder ein Überraschungs-Ei mit Spiel, Spaß und viel Naschen!

Wie ist die Bezahlung?

Ich erhalte pro Tour ein Honorar. Als Freiberuflerin stelle ich Ende des Monats die durchgeführten Führungen in Rechnung. Die Höhe variiert von Monat zu Monat – da ich flexibel den Umfang steuern kann. Doch der schönste Lohn ist der Applaus, nachdem die Gäste meinen Geschichten intensiv gelauscht, bei tragischen Anekdoten ergriffen und bei Pointen gelacht haben. Manche mögen das naiv finden, doch ich bin zufrieden damit und genieße die Freiheit, die ich jetzt habe.

Was ist das Beste am Job?

Ich liebe die Abwechslung und ich darf und soll meine eigene Persönlichkeit und Erlebtes einbringen. Ein starres Korsett, bei dem mir die Formulierungen vorgegeben werden, liegt mir nicht. Jede Tour ist anders – vor allem geprägt von unterschiedlichen Gästen und deren Interessen. Organisationstalent ist gefragt bei Wetterwechsel, Zeitverzögerungen bei Partnern und unvorhersehbaren Dingen. Oft entscheide ich ad hoc, welche Wege ich einschlage und welche Stories ich in welchem Umfang mitteile. Und wenn mich die Unruhe wieder packt, melde ich mich für einen zusätzlichen Stadtteil an. Das gelieferte Skript ergänze ich mit eigenen Erfahrungen und Recherchen. Es wird so zu "meiner Tour".

Was ist das Nervigste?

Nervig ist, wenn die Gäste sich schon bei der Begrüßung über das Wetter beklagen. Dabei sollten gerade die Hamburger wissen, dass Sturm erst ist, wenn die Schafe keine Locken mehr tragen. Das fordert die Entertainer-Qualitäten des Tourguides noch mehr. Mich provoziert das im positiven Sinne. In einem Gästekommentar hieß es mal: "Schade war, dass es die ganze Tour über geregnet hat, doch Astrid hat für viele sonnige Momente gesorgt."

Dein Tipp für Newcomer?

Sei du selbst und habe Spaß. Nur wenn man authentisch ist und Freude bei dem hat, was man tut, ist man auch gut. Es erfüllt mich, anderen meinen Blickwinkel zu vermitteln und zu begeistern. Das ist auch der große Unterschied zu meinen früheren Hotelanstellungen, bei dem ich viel mit Beschwerdemanagement zu tun hatte: Enjoy little things!

Johann Waschnewski
Bürgermeister von Bürgel
NEON-Traumjob: Wie wird man eigentlich ... Bürgermeister?