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Lucia Rios: NEON Traumjob: Wie wird man eigentlich ... Primaballerina?

Traumjob gefunden: Lucia Rios, 26, ist Solistin am Hamburg Ballett John Neumeier. Mit NEON hat sie über ihre Leidenschaft für das Tanzen, die aber auch mit Disziplin und hartem Training verbunden ist, gesprochen und erklärt weshalb sie den Film "Black Swan“ hasst.

von Angelika Groß

Mit 15 Jahren kam Lucia Rios nach Deutschland. Hier tanzt sie im Ballett "Der Nussknacker".

Mit 15 Jahren kam Lucia Rios nach Deutschland. Hier tanzt sie im Ballett "Der Nussknacker".

Um wen geht's?

Lucia Rios ist 26 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Buenos Aires, Argentinien. Sie ist seit neun Jahren am Hamburger Ballett, davor war sie auch an der dazugehörigen Ballettschule. Mit 15 Jahren ist sie nach Deutschland gekommen.

Was machst du den ganzen Tag?

Mein Tag beginnt mit einem Training um 10 Uhr am Morgen. Im Training wärmen wir uns auf, sodass unser Körper bereit ist für einen ganzen Tag voller Proben. Wir arbeiten dann intensiv an unserer Technik. Gegen 13:30 Uhr haben wir seine Stunde Mittagspause. Am Nachmittag haben wir noch einmal zwei Probe-Einheiten. Das geht so weiter bis 17:30 Uhr. Normalerweise gehe ich danach einfach nur noch duschen und nach Hause. Mein Freund und ich haben einen kleinen Hund, mit dem wir gerne gemeinsam am Abend rausgehen. Wenn ich dann noch etwas Kraft habe, dehne ich mich auch noch gerne vor dem Schlafengehen. 

Wie wird man das?

Zuerst braucht man die Leidenschaft und man muss es wirklich wollen. Die meisten von uns Profi-Tänzerinnen haben schon damit angefangen, als sie noch klein waren. Am Anfang ist es oft nur ein Hobby, viele bemerken dann aber, dass sie professionell tanzen und Karriere machen möchten. Wenn du dich dafür entscheidest, musst du fokussiert und professionell sein und jeden Tag zum Ballett gehen. Du versuchst dann, Schule und Ballett unter einen Hut zu bekommen. Außerdem trainierst du einfach immer weiter, so viel du kannst, jeden Tag. Du versuchst, dich ständig zu verbessern und hoffst im Endeffekt, dass du an eine Compagnie kommst als professionelle Tänzerin.

Ich habe mit dem Tanzen begonnen als ich neun Jahre alt war, zuerst in einer privaten Ballettschule. Dann bin ich zum "Teatro Colón“ [Anm.d. Red.: Bekanntestes Theater in Buenos Aires] gegangen. Dort bekam ich Ballettunterricht bis ich 14 Jahre alt war. Ich habe dann aber beschlossen, nach Europa zu gehen, nach Deutschland. Denn hier gibt es viel mehr Möglichkeiten als in Argentinien. Ich wollte über mich selbst hinauswachsen. Zwei Jahre ging ich dann hier zur Ballettschule. In meinem letzten Jahr bekam ich das Angebot, dem Hamburg Ballett als Tänzerin beizutreten. Natürlich habe ich das angenommen.

Welchen Satz kannst du nicht mehr hören?

Seit der Film "Black Swan“ herausgekommen ist, denken viele Leute, dass das in der Realität auch so schlimm abläuft. Wir Tänzer hassen den Film übrigens. Er reflektiert einfach nicht die Wahrheit. Dieser übertriebene Wettbewerb und die mentalen Probleme und Drogen, so ist das in Echt nicht. Also bestimmt gibt es das auch, aber im Allgemeinen ist das nicht so. Außerdem nervt es, dass viele Leute immer sagen: "Tanzen ist nur ein Hobby“.

Wie ist die Bezahlung?

Man verdient sehr gut, finde ich. Vor allem in Europa. Ich kann gut davon leben. Hier wird das als vollwertiger Job angesehen und dementsprechend verdient man auch. [Anm.d. Red.: Das Gehalt für die Tänzer hängt davon ab, wie groß das Haus ist, an dem sie angestellt sind. Laut Dem Tagesspiegel liegt ein Anfängergehalt am Berliner Staatsballett, dem größten Ensemble Deutschlands, bei 2200 Euro. An kleineren Häusern liege das Gehalt aber deutlich darunter.]

Was ist das Beste am Job?

Das Beste ist, dass du deine Leidenschaft mit der Arbeit verbinden kannst. Das ist ein Privileg, nicht jeder kann das. Darüber bin ich sehr glücklich. Was ich an meinem Beruf liebe, ist, dass ich meine Gefühle und Emotionen in den Tanz einfließen lassen kann und dadurch dem Publikum etwas geben, das es berührt. Das heißt aber nicht, dass ich speziell für das Publikum tanze, sondern für mich selbst, für die Liebe, Leidenschaft und Freude am Tanz und an der Bewegung. Außerdem ist eine Aufführung jedes Mal anders, auch wenn es sich um dasselbe Ballett handelt. Ich finde das großartig, weil wir auf diese Weise die Möglichkeit haben, in jeder Show neue und unterschiedliche Aspekte zu entdecken.

Was ist das Nervigste an deinem Job?

Der Druck, den man sich selbst macht. Oft fühlt man sich so, als wäre man nicht gut genug. Ich finde es anstrengend jeden Tag so hart an etwas zu arbeiten und dann ist man im Endeffekt noch immer nicht zufrieden damit. Du trainierst so viel und manchmal ist es frustrierend, dass du es noch immer nicht für gut genug hältst. Du möchtest eben immer das Beste von dir geben aber manchmal geht das einfach nicht. 

Deine Empfehlung für Newcomer?

Es ist ein sehr harter Job. Man sollte sich sehr sicher sein, dass man es will und sich auch wirklich einbringen, wenn man sich dafür entscheiden. Aber das allerwichtigste ist trotzdem die Leidenschaft, die man dafür haben sollte. Wenn man die nicht mehr hat, wird es Routine.

Mehr Traumjobs findet ihr unter neon.de/traumjob.

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