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Meinung

Instagram: Influencerin will auf Umweltschutz hinweisen – und erntet irgendwie zurecht einen Shitstorm

"Save Our Planet" steht auf dem Pullover von Influencerin nazjuju. Eigentlich lobenswert, wäre da nicht die Tatsache, dass sie gerade von Stuttgart nach Hamburg fliegt. Nun erntet sie einen Shitstorm, der irgendwie angebracht und irgendwie völlig aus dem Ruder gelaufen ist.

Ebru alias nazjuju teilt gern kleine, schöne Momente aus ihrem Leben mit ihren über 280.000 Followern auf Instagram. Schnappschüsse aus Berlin, Paris, Mailand. Sie ist immer gut gekleidet, strahlt in die Kamera und ihre Fans lieben es, was sie in zahlreichen Kommentaren unter ihren Posts zum Ausdruck bringen.

Doch Ebrus letztes Bild erntete ihr nun einen riesigen Shitstorm. Der Grund: Zu einem Bild, auf dem sie mit einem "Save our Planet"-Pullover zu sehen ist, schreibt sie "Hey, let's save our planet". So weit, so gut. Doch leider steht sie am Stuttgarter Flughafen und versieht das Ganze noch mit dem Hashtag "#nurkurznachhamburg". Die Frage, die sich einige aus der Instagram-Community – berechtigtermaßen – stellen: Wo ist es denn bitte umweltfreundlich, wenn man innerhalb Deutschlands für "nur kurz" das Flugzeug nimmt?

Die Antwort: Ist es nicht. Und dass das alles irgendwie nicht so richtig zusammenpasst, hätte Ebru eigentlich auffallen müssen, bevor sie das Bild hochlud. Weil es jetzt aussieht, als wäre Umweltbewusstsein für sie nur ein weiteres Label, wie Chanel oder Moschino. Und als hätte sie vorher so GAR NICHT nachgedacht. Also echt null. 

Ein bisschen Shitstorm? Okay. Aber das geht gar nicht!

Aber die Sache ist die: Ein bisschen Shitstorm wäre okay gewesen. Quasi ein Shit-Lüftchen. Eine Shit-Brise, wenn man so will. Aber was da unter dem Bild abgeht, ist schon wieder so weit entfernt von angebracht oder verhältnismäßig, dass man, wie mein Vater jetzt sagen würde, eigentlich nur mit den Ohren schlackern kann. "Amazon --> Seil --> Benutzen", steht da unter anderem oder "Steig auf dein Ego und spring auf deine Intelligenz – solltest du suizidal sein".

Ja, was sie da gepostet hat, war ziemlich kurzsichtig und ein bisschen dämlich. Aber ist es wirklich so viel intelligenter, jemandem wegen sowas Freitod anzuraten? Ich würde jetzt mal recht selbstbewusst "Nein" sagen. Im Gegenteil. Denn jemandem vorzuwerfen, dass er sich nur hinter ein Thema stellt, um am Ende besser dazustehen – und sich dabei aber als Moralapostel aufspielen und schlussendlich nur aggressiven, zusammenhanglosen Stuss von sich geben, ist auch so NULL Sinn der Sache.

Ebru alias nazjuju in ihrer Instagram-Story

Ebru alias nazjuju in ihrer Instagram-Story

Bedacht statt kopflos – das fehlt der Instagram-Community manchmal

In ihrer Story äußerte sich Ebru schließlich auch selbst, schrieb: "[…] Mir ist bewusst, was das Problem ist und hierfür möchte ich mich auch aufrichtig entschuldigen." Es hätten auch Lehrer Hasskommentare unter ihrem Post hinterlassen und sie hoffe, dass ihre zukünftigen Kinder nicht von ebendiesen unterrichtet würden, denn "so verlernen sie, Mensch zu sein, mit Liebe vorzugehen, wenn jemand falsch liegt, ihn auf eine angemessene Weise darauf hinzuweisen, denn nur so klappt ein Miteinander".

Weiter schreibt sie: "Ich soll Selbstmord begehen? Irgendwo runterspringen? Mich aufhängen? Wer tut hier wirklich einen auf 'Ich bin ein guter Mensch, ich lebe #immergruen und schade meiner Umwelt nicht' und schreibt dann solche missbilligenden und entwürdigenden Nachrichten? Ich nicht."

Und genau da liegt doch der Hund begraben: Es ist sehr, sehr wichtig, dass wir uns für unsere Umwelt einsetzen und auch andere, die ganz offensichtlich noch nicht so sehr mit am Strang ziehen, darauf hinweisen. Aber freundlich. Und bedacht. Und mit einer echten Nachricht. Und nicht laut durch die Tastatur schreiend, mit virtuell fliegender Spucke, die schon bevor sie das Gesicht des Empfängers erreicht hat, wieder vergessen hat, warum sie eigentlich da ist. Das ist kopflos. Und schlicht sinnlos.

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