VG-Wort Pixel

"GoFundMe"-Kampagne Das miese Spiel mit dem Mitleid: Paar lässt Fake-Baby sterben, um Spenden zu bekommen

Crowdfunding-Betrug: Paar sammelt Spenden für totes Fake-Baby
Auf "GoFundMe.com" hat ein Paar versucht, mit dem angeblichen Tod ihres Sohnes Spendengelder zu bekommen (Symbolbild)
© Leah Warkentin / Getty Images
Im Internet liest man immer wieder von bewegenden Storys, die dank Crowdfunding-Aktionen auf "GoFundMe" und Co. doch noch ein Happy-End bekommen. Mitleid lässt sich aber auch gut ausnutzen, zeigt nun ein Paar aus den USA – mit einem toten Fake-Baby.

Mit Crowdfunding-Kampagnen auf Websiten wie "GoFundMe.com" können Erfinder und Jungunternehmer nicht nur Geld für innovative Apps oder nützliche Produkte von Otto-Normalo sammeln, um nicht auf Großinvestoren angewiesen zu sein. Nein, immer mehr Menschen in Notsituationen erstellen Aufrufe, um zum Beispiel eine dringend benötigte aber teure Operation im Ausland mit Hilfe von fremden Menschen zu finanzieren. Immer wieder liest man im Internet von herzerweichenden Geschichten: Obdachlose, die endlich ein Dach über dem Kopf haben, kranke Kinder, deren größter Wunsch erfüllt werden konnte, oder Tiere, die dank Spendenbereitschaft gerettet werden. Geschichten, bei denen man den Glauben in die Menschheit wiedergewinnt. 

Ein Paar aus Pennsylvania, USA hat diese Gutmütigkeit der Internetgemeinde nun auf perfide Weise ausgenutzt. Es fing an mit einer Schwangerschaft, die es eigentlich gar nicht gab. Kaycee und Geoffrey Lang posteten in den sozialen Medien Fotos von dem angeblichen Babybauch der 23-Jährigen, teilten ihr Glück online mit Freunden und Familie, feierten sogar eine Babyparty. "Wir haben uns für sie gefreut", erzählt Cynthia Dilascio, eine Freundin des Paares im Interview mit dem US-Sender ABC News. "Sie [Kaycee] hatte uns zuvor erzählt, dass sie ein Kind verloren hatte."

"GoFundMe"-Kampagne für den toten Sohn

Am 3. Juli 2019 soll der kleine Easton dann geboren worden – und angeblich nur wenige Stunden später gestorben sein. In einem Nachruf hieß es detailliert: "Eastons Eltern wurden mit ein bisschen mehr als fünf Stunden Zeit gesegnet, bevor er um 8:20 Uhr in sein himmlisches Zuhause gegangen ist. Easton hat mit Mommy und Daddy Händchen gehalten, bekam viele Umarmungen, Küsse und unzählige 'Ich liebe dichs'."

Kurz danach wurde eine Crowdfunding-Aktion auf "GoFundMe.com" ins Leben gerufen, mit der Geld für die Beerdigung des Kindes gesammelt werden sollte. Aufgesetzt hat sie offenbar der 27-Jährige Geoffrey selbst, denn es hieß laut dem Online-Magazin "Unilad.co.uk" auf der Website: "Bitte haltet meine Ehefrau und mich in euren Gedanken und Gebeten. Unser Sohn Easton wurde mit Flüssigkeit in der Lunge geboren und starb nur wenige Stunden nach seiner Geburt. Wir würden es sehr schätzen, wenn so viele von euch wie möglich diesen Aufruf teilen könnten, und ihr finanziell in der Lage seid, uns etwas zu spenden, um die Beerdigung und Arztrechnungen zu bezahlen." Auf der Website findet man auch ein Foto des angeblichen Babys. 

Doch die Freundin Cynthia Dilascio wurde misstrauisch, erzählt sie im ABC-Interview und fragte beim Krematorium, in dem Easton angeblich eingeäschert worden ist, nach. Dort hatte man von Easton noch nie gehört. Genau so wie in dem Krankenhaus, wo er angeblich geboren worden sei. Cynthia kontaktierte die Polizei, die wenig später eine lebensechte Babypuppe und eine Urne, auf der der Name Easton eingraviert wurde, beschlagnahmten. Das Paar hatte sich die ganze tragische Geschichte nur ausgedacht, um Geld zu machen. Und das hat Konsequenzen: Nun wurden Kaycee und Geoffrey Lang wegen Betruges und Diebstahl angeklagt. Am 1. Oktober soll die Verhandlung beginnen. 

Was passiert mit den betrogenen Spendern?

Dieser Fall zeigt, wie leicht es gelingen kann, mit Crowdfunding Spenden zu erschleichen. Nicht jede Mitleid erregende Geschichte, die dort veröffentlicht wird, kann verifiziert werden. Im Grunde kann sich jeder ein Konto auf so einer Website anlegen und um Geld bitten. Immer öfter hört man von Menschen, die die Spendengelder veruntreuen oder sich gleich die ganze Geschichte ausdenken – so wie Kaycee und Geoffrey. In einem offiziellen Statement von "GoFundMe" zu dem aktuellen Fall heißt es: "So ein Verhalten dulden wir nicht. Wir werden während der Untersuchungen umfänglich mit den Strafverfolgungsbehörden kooperieren und allen Spendern eine Rückerstattung ausstellen."

Weiter heißt es: "Wir haben eine Null-Toleranz-Richtlinie für jeden Missbrauch auf der Plattform. Alle Spender sind vollständig durch die 'GoFundMe'-Garantie geschützt, was bedeutet, dass Spender durch eine umfassende Rückerstattungsrichtlinie geschützt werden, wenn ein Missbrauch auftritt. Diese Kampagne erhielt 15 Spenden in Höhe von insgesamt 550 US-Dollar [umgerechnet rund 500 Euro]."

Und das ist die gute Nachricht: Spender sind auf "GoFundMe" also geschützt –allerdings nur, wenn der Betrug auch auffliegt. Wie viele Fake-Kampagnen auf Crowdfunding-Plattformen existieren, lässt sich nicht sagen. Aber auch bei rührseligen Stories sollte man genau hinhören und nachfragen, wie dieses Paar mal wieder bewiesen hat. Gutmütigkeit wird leider gerne ausgenutzt. 

Quellen:Unilad.co.uk / Ladbible.com / ABC News

def

Mehr zum Thema