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US-Abschlussfeier: Ehrenschülerin will von sexuellem Übergriff reden: Schule schaltet Mikro aus

Die 17-jährige Lulabel Seitz aus Kalifornien wollte während ihrer Rede zur Highschool-Abschlussfeier auch ehrlich von den sexuellen Übergriffen berichten, die an der Schule passieren. Doch die Schule wollte das nicht so einfach akzeptieren – und schnitt ihr das Wort ab.

Lulabel Seitz bei ihrem Highschool-Abschluss

Lulabel Seitz bei ihrem Highschool-Abschluss – ihre Rede wurde jäh unterbrochen

Wer in den USA als Klassenbester den Schulabschluss macht, wird dazu eingeladen, bei der eine Rede zu halten. "Valedictorian" nennt sich die Schülerin oder der Schüler, dem diese Ehre zuteil wird. 

An der Petaluma High School im US-Bundesstaat Kalifornien war das in diesem Jahr die junge Lulabel Seitz. Sie nutzte ihre Rede, um Themen anzusprechen, die ihr am Herzen liegen: Ihr Leben als Tochter einer Migrationsfamilie zum Beispiel und die Art und Weise, auf die ihre über die Jahre mit Fällen von sexuellem Missbrauch umgegangen war – auch ihrem eigenen.

Dem TV-Sender "CNN" sagte sie, die Schule habe sie explizit davor gewarnt, die Vorkommnisse in ihrer Rede zu erwähnen. Man habe die Rede gelesen und Lulabel untersagt, sie im Nachhinein noch einmal zu verändern. Doch in der Nacht vor der Abschlussfeier habe sie Auftritte von Martin Luther King geschaut und beschlossen, dennoch die Rede zu halten, die sie eigentlich halten wollte.

Circa vier Minuten nach Beginn ihrer Ansprache beginnt Lulabel mit dem nachträglich hinzugefügten Teil, sagt: "Weil die Abschlussklasse von 2018 immer wieder bewiesen hat, dass wir vielleicht eine neue Generation sind – aber nicht zu jung, um für uns einzustehen, zu träumen und Veränderung herbeizuführen. Und deshalb, selbst wenn einige Menschen auf diesem Campus, genau die Menschen, die …"

Die Schule wehrt sich gegen die Vorwürfe

In diesem Moment wird das ausgeschaltet. Lulabel spricht weiter, doch das Publikum kann sie nicht verstehen. Aus ihren Reihen werden "LASST SIE SPRECHEN"-Rufe laut. Gegenüber "CNN" sagte sie: "In diesem Moment habe ich mich so wertlos gefühlt." Während ihrer Zeit an der Schule sei sie sexuell belästigt worden und habe den Vorfall der Schulleitung gemeldet – die nichts unternahm. Und sie nun mundtot machen wollte.

Die Schule rechtfertigte sich beim US-TV-Sender "CBS" so: "Wenn Fälle von sexueller Belästigung an uns herangetragen werden, hat die örtliche Polizei das Vorrecht und entscheidet, was als nächstes unternommen werden soll. Wenn Schüler diese angeblichen Vorfälle melden, geben wir unser Bestes, um sie so weit es geht zu unterstützen – mit Disziplinierungsmaßnahmen, Therapiegesprächen und allem, was wir tun können, um das Lernumfeld für unsere Schüler so angenehm wie möglich zu machen."

Dem dürfte Lulabel wohl nicht zustimmen. 

Die ganze Rede und den Moment, in dem die Schule das Mikrofon ausschaltete, seht ihr hier: 

jgs
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