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USA: "Anstößig": Lehrerin muss Plakat von Footballspieler Colin Kaepernick entfernen

Eine Lehrerin in den USA wird von ihrer Schule gezwungen, ein Plakat des Footballspielers Colin Kaepernick abzunehmen. Die Begründung: Die Eltern einiger Schüler finden, es sei "anstößig".

Was Mesut Özil für viele Fußball-Fans in Deutschland ist, ist Colin Kaepernick für fast alle Football-Fans in den USA: ein Spieler, an dem sich die Geister scheiden. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Dazwischen gibt es nichts. Nur der Grund ist bei Kaepernick viel politischer als bei Özil.

Der Footballspieler löste einen spektakulären Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt aus, weil er während des Abspielens der Nationalhymne kniete. Daraufhin entstand eine heftige Debatte darüber, ob die Hymne der geeignete Rahmen für solche Proteste sei. Die Folge: Kaepernick polarisiert bis heute wie kaum ein anderer Sportler.

USA: Eltern finden Kaepernick-Plakat "anstößig"

Das musste nun auch Alissa Perry, eine Lehrerin der Port Charlotte High School in Florida, erfahren. Anlässlich des "Black History Month", der in US-amerikanischen Schulen gefeiert wird, hatte sie ein lebensgroßes Plakat von Kaepernick gebastelt und es an der Tür eines Klassenzimmers aufgehängt. Allerdings gefiel das nicht jedem. Die Lehrerin musste es US-Medienberichten zufolge wenig später wieder abnehmen – und zwar auf Geheiß der Schule.

Demnach hätten sich mehrere Eltern beschwert. Perry widersetzte sich dieser Aufforderung nicht. Im Gegensatz zu einer ihrer Schülerinnen: Sie filmte die Lehrerin, wie diese unter Tränen das Plakat des ehemaligen Quarterbacks der San Francisco 49ers abnahm, und postete das Video anschließend auf Twitter.

Twitter solidarisiert sich mit Lehrerin

Dort war die Empörung groß. Die meisten Nutzer konnten kaum glauben, dass die Schule das Plakat als beleidigend eingestuft hatte: "Ich bin selbst Schulleiter und finde diese Forderung der Schule respektlos. Ich möchte ungern, dass Sie Ihre Kinder aufgeben. Dennoch hoffe ich, dass Sie eine andere Schule mit einer besseren Führung finden", schrieb ein Nutzer. Viele andere solidarisierten sich mit Perry, indem sie Fotos von Kaepernick-Plakaten an ihren eigenen Schulen teilten - dort gäbe es keine Probleme damit.

Der frühere Football-Quarterback Colin Kaepernick, der vor gut zwei Jahren die Nationalhymnen-Proteste im US-Sport ausgelöst hatte, ist Teil der neuesten «Just Do It»-Werbekampagne des amerikanischen Sportartikelherstellers Nike.
rpw