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Profi in US-Liga: Erster deutscher Baseball-Star überhaupt: Max Kepler soll seinen Sport nach Europa bringen

Unter fast 1000 Profis in der Major League Baseball ist er nicht nur der einzige Deutsche, sondern auch der erste Europäer überhaupt, der dort für Aufsehen sorgt: Max Kepler ist ein Star bei den Minnesota Twins – und soll seinen Sport jetzt auch auf dem alten Kontinent populär machen.

Max Kepler

Gefeierter "German" im Heimatland des Baseballs: Max Kepler von den Minnesota Twins

Dirk Nowitzki hat es als Deutscher in der US-Profiliga NBA zu einem der größten Basketballer aller Zeiten gebracht. Uwe Krupp gewann in der Eishockey-Liga NHL einst den Stanley Cup, heute ist Leon Draisaitl ein Star bei den Edmonton Oilers. Unter den Footballern gelang in den letzten Jahren einigen Spielern wie Björn Werner, Sebastian Vollmer oder Markus Kuhn der Sprung in die NFL.

Aber Baseball? Wohl keine der vier populären US-Sportarten ist den Deutschen bis heute so fremd geblieben, weshalb es lange Zeit auch kein einziger Deutscher in die Profiliga, die Major League Baseball, geschafft hatte. Bis Max Kepler kam.

Max Kepler: Schon seit 2009 bei den Twins

Hierzulande ist der 26-Jährige immer noch nur den wenigen Baseball-Experten bekannt, aber in den USA gilt der Outfielder inzwischen als Star. In der abgelaufenen Saison verpasste Kepler nur um Haaresbreite das All-Star-Game für die besten Spieler der Liga. Außerdem führte er sein Team, die Minnesota Twins, in die Play-offs (wo es allerdings eine klare Niederlage gegen die New York Yankees setzte).

Kepler heißt eigentlich Maximilian Kepler-Rozycki, ist ein Berliner Junge aus Zehlendorf, wo er früher Fußball spielte und die englischsprachige John F. Kennedy School besuchte. Nach einem Abstecher in ein Baseball-Internat in Regensburg unterschrieb Kepler bereits mit 16 Jahren einen Vertrag bei den Twins und hielt sich jahrelang auf Ochsentour durch die unterklassigen Ligen der nordamerikanischen Provinz über Wasser.

Inzwischen ist Kepler ein Leistungsträger bei den Profis und verdient sechs Millionen Dollar im Jahr. Unter fast 1000 MLB-Spielern ist er der einzige Deutsche und schon jetzt der Europäer mit den meisten Home Runs in der Geschichte der Liga.

Klar, dass diese Superlative langsam Erwartungen wecken. Kepler soll seinen Sport nach Europa tragen und das ur-amerikanische Spiel endlich auch in Deutschland populärer machen – mit verstärkter Medienpräsenz und Trainingscamps für Kinder.

So absolvierte Kepler in der vergangenen Woche einen von der MLB organisierten Heimatbesuch, der als Werbetour gedacht war. Dabei ließ er sich entlocken, dass er Deutschland immer noch vermisse – Land, Leute und Kultur. Wenn er in Berlin aus dem Flieger steige, hole er sich immer noch als erstes einen Döner, so Kepler in einem TV-Interview.

In Berlin immer erstmal einen Döner

Überhaupt wirkt Kepler nachdenklich, wenn er sich an seinen steinigen Weg durch die Farmteams erinnert: "In den Minor Leagues verdiene man weniger als bei McDonald's", hat er in einem "Spox"-Interview gesagt. Er habe es dann einfach durchgezogen, "obwohl man da häufig in Kleinstädten war, in denen gar nichts los war." Das ganze Jahr habe er sich damals nur mit dem Sport beschäftigt: "Da wollte ich auch manchmal gern zu meinen Freunden zurück nach Berlin, wo ich vielleicht hätte studieren können." Seine Eltern hätten ihn schließlich durch diese Lehrjahre gepusht.

2016 folgte dann der Sprung in die Profiliga, seitdem geht es bergauf. Heute ist Kepler der sogenannte Leadoff-Hitter bei den Twins: "Wenn das Spiel auf der Kippe steht, willst du Max am Schlag haben", sagt sein Trainer Rocco Baldelli. "Seine Qualität in der Offensive ist enorm."

Weihevolle Worte, die dem für seinen Sport immer noch jungen Deutschen berechtigte Hoffnungen auf eine große Karriere machen dürften. Ob seine Popularität in Deutschland eines Tages ähnliche Werte erreicht wie die eines Dirk Nowitzki, bleibt aufgrund des Nischendaseins, das Baseball in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch fristet, abzuwarten. Eines ist aber jetzt schon klar: An Kepler selbst wird es nicht liegen. Er hat sich noch immer durchgebissen.

tim