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Inklusions-Debatte an der Oxford-Universität: Winken statt Klatschen: Universität führt stillen Applaus ein

Die Studentenvereinigung der Oxford Universität hat beschlossen, dass lautes Klatschen durch stillen Applaus ersetzt werden soll. Die Maßnahme soll zur besseren Inklusion von Menschen mit Angststörungen führen. Lautes Klatschen könne Panikattacken auslösen.

Menschen halten Hände über den Kopf und winken

An der Universität Oxford wurde beschlossen, dass traditionelles Klatschen durch stillen Applaus ersetzt werden soll. (Symbolbild)

Getty Images

Die Studentenvereinigung "Oxford SU" der Universität Oxford hat einen Beschluss gefasst: In den zukünftigen Veranstaltungen der Vereinigung soll nicht mehr geklatscht werden. Die Geräuschkulisse, die durch das Klatschen sowie Rufe und Pfiffe entstehe, würde bei einigen Studenten Angststörungen auslösen, schreibt die Studentenzeitung "The Oxford Student". 

Die Alternative zum lauten Klatschen nutzen bereits die meisten Gehörlosen – im Englischen bezeichnet man sie als "jazz hands". Die deutsche Sprache hat dafür noch keinen passenden Ausdruck gefunden. Man könnte es "Winken" nennen, "Händewedeln" oder "stillen Applaus". Dabei werden die Hände über den Kopf gehoben und die Handgelenke schnell gedreht. Zur Fußball-EM 2016 veröffentlichte Aktion Mensch eine Reihe an kurzen Erklärvideos unter dem Titel "Jogis Jungs", worin Begriffe und Namen rund um das Thema Fußball in Gebärdensprache gezeigt werden. Darunter auch: der stille Applaus. 

Vergangenes Jahr wurde der Antrag nicht bewilligt

Bereits vergangenes Jahr wurde in Oxford über den gleichen Antrag abgestimmt. Damals ohne Erfolg. Nun reichten zwei Mitglieder der Studentenvereinigung den Antrag erneut ein. Dieses Mal erreichten Ebie Edwards Cole, Vorsitzende der "Oxford SU Disabilities Campaign", und Roisin McCallion, Verantwortliche für Wohlergehen und Gleichstellung, ihr Ziel. McCallion sagt, dass es die Nutzung des stillen Applaus möglich mache, die Veranstaltungen für alle zugänglicher und integrativer zu machen, berichtet die "Daily Mail". Sie betont, dass Inklusion einer der Gründungsprinzipien der Studentenvereinigung sei.

Vorreiter ist die Oxford Universität mit der Einführung des stillen Applauses nicht. Im September 2018 wurde ein ähnlicher Antrag bereits an der Uni Manchester bewilligt. 

Lächerlich oder wirklich integrativ?

In ihrem Artikel zitiert die "Daily Mail" aber auch einen ehemaligen Oxford-Studenten. Er sagt, dass sich die Studentenvereinigung immer anstrengen würde, allen Studierenden entgegenzukommen, vor allen denen mit Zugänglichkeitsproblemen. "Aber diese Idee wird nicht funktionieren und ist völlig lächerlich."

 

Die "Daily Mail" übertitelt ihren Artikel damit, dass "snowflake students" die Forderung nach stillem Applaus stellen würden. "Snowflake" ist eine Beschreibung für besonders "empfindsame" Vertreter der um 1990 geborenen Generation. Gemeint ist: Diese jungen Menschen seien so fragil wie Schneeflocken – sensibel und psychisch nicht belastbar und müssten deswegen in ihrem Leid durch Maßnahmen wie den stillen Applaus entlastet werden.

Quellen: "The Oxford Student""Daily Mail", Aktion Mensch auf Youtube, Wikipedia