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Geher Tom Bosworth: WM in Katar: Schwuler Leichtathlet fährt mit – obwohl es gefährlich für ihn werden könnte

In Katar riskieren Männer, die Sex mit anderen Männer haben, eine dreijährige Haftstrafe. Doch der britische Geher Tom Bosworth denkt gar nicht daran, sich bei der Leichtathletik-WM, die 2019 in Doha ausgetragen wird, zu verstecken. Im Gegenteil.

Geher Tom Bosworth bei einem Wettkampf in London

Geher Tom Bosworth bei einem Wettkampf in London am vergangenen Wochenende

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Vor der Fußballweltmeisterschaft 2022 wird Katar im nächsten Jahr zunächst einmal ein anderes großes Sport-Event ausrichten: Vom 28. September bis zum 6. Oktober 2019 werden dort die Wettkämpfe der Leichtathletik-Weltmeisterschaft ausgetragen. Und auch Tom Bosworth wird an diesen Spielen teilnehmen.

Der 28-jährige Geher ist der einzige offen homosexuelle Sportler des britischen Leichtathletikteams. Die Tatsache, dass die Meisterschaft in einem Land ausgetragen wird, in dem Homosexualität noch immer unter Strafe steht, mache ihn wütend, sagte Bosworth der britischen Zeitung "The Independent": "Es gibt so viele Fragen um diese Entscheidung. Ich habe das Gefühl, die Athleten und vielleicht sogar der Sport wurden hier einfach vergessen." Es sei offensichtlich, dass Katar sich durch die Ausrichtung profilieren wolle. "Sie haben ja auch die Fußballweltmeisterschaft 2022. Aber wenn es um das Geld geht, wären auch noch andere Möglichkeiten in Frage gekommen."

Bosworth, der vor Kurzem siebenjähriges Jubiläum mit seinem Partner feierte, sagte nach seinem Sieg bei einem Wettkampf in London am Samstag: "Ich habe keine Angst, mich öffentlich über diese Problematik zu äußern. Ich fliege dorthin, um einen Job zu erledigen und das würde ich gerne sicher und glücklich machen und dafür sorgen, dass alle anderen Athleten die gleiche Chance haben."

Tom Bosworth: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Seinen Partner Harry, dem er während der Olympischen Spiele in Brasilien einen Heiratsantrag machte, habe er allerdings gebeten, ihn nicht zu der Weltmeisterschaft zu begleiten: "Ich habe meinem Verlobten gesagt, er soll nicht einmal daran denken, nach Katar zu kommen. Das gleiche gilt für meine Familie."

Noch habe er Hoffnung, dass das Land und seine Regierung ihn überraschen könnten. Emir Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani, seit 2013 Staatsoberhaupt des Emirats Katar, besucht am Montag London. Im Vorfeld hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die englische Premierministerin Theresa May angehalten, die Gespräche auch auf LGBTQ-Rechte zu bringen.

Bosworth: "Ich sage ja gar nicht, dass ich fest davon ausgehe, dass es nicht gut wird. Das kann man ja an der Fußballweltmeisterschaft in Russland sehen. Da haben auch viele Menschen Befürchtungen gehabt und Angst, dass es gefährlich werden könnte. Und es war ein tolles Ereignis! Es lässt sich nicht leugnen, dass Sport die Menschen zusammenbringt und wir können nur hoffen, dass es im nächsten Jahr genau so sein wird."

Homosexualität ist in Katar verboten. Gleichgeschlechtliche Eheschließung wird im Emirat nicht anerkannt. Männer, die Geschlechtsverkehr mit anderen Männern haben, riskieren eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. 

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jgs