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Kayla Itsines: Ich habe ein Bikini-Workout mit einem Instagram-Star gemacht - danach tat mir 3 Tage alles weh

Kayla Itsines ist einer der größten Fitness-Stars der Welt. Die 27-Jährige wurde reich mit dem Schweiß von Millionen Frauen. Um ihren Erfolg zu verstehen, absolvierte unser Autor einen ihrer Bikini-Workouts. Den Schmerz danach spürte er noch tagelang.

Auf der Entwicklerkonferenz WWDC turnte unser Autor einen Vormittag mit Fitness-Queen Kayla Itsines

Auf der Entwicklerkonferenz WWDC turnte unser Autor einen Vormittag mit Fitness-Queen Kayla Itsines, hier steht sie auf der Bühne.

Der Schweiß rinnt mir ins Gesicht, die Lunge brennt, meine Arme zittern. Und zu allem Überfluss dröhnen auch noch ohrenbetäubend laut die Spice Girls aus den Lautsprechern. "So tell me what you want, what you really, really want" hallt es durch den Raum, und ich weiß genau, was ich jetzt möchte: Dass das alles hier endlich ein Ende hat. Doch Kayla ist noch lange nicht mit mir fertig.

Reich mit Schweiß

Für einen Vormittag bin ich das neueste Mitglied von "Kayla's Army", so nennen sich die Anhänger der australischen Fitness-Queen Kayla Itsines. Wer noch nie etwas von ihr gehört hat: Sie ist die derzeit berühmteste Fitnesstrainerin der Welt. Das "Forbes"-Magazin bezeichnete sie als eine der einflussreichsten Internetpersönlichkeiten. Fast zehn Millionen Menschen folgen der Australierin auf Instagram, mehr als doppelt so viele wie Heidi Klum. Die 27-Jährige ist quasi die internationale Ausgabe von Sophia Thiel.

Ihr bronzebrauner, gestählter Körper ist Sehnsuchtsobjekt von Millionen Frauen - und ihr Kapital: Um so auszusehen zahlen ihre Fans bis zu 20 Euro im Monat für eine Fitness-App, in der Itsines Ernährungstipps gibt und Workouts zeigt. Die App heißt Sweat, zu deutsch Schweiß, und der Name ist Programm.

Schon das Warm-up ist kräftezehrend

Wer sich fragt, wann all die Instagrammer eigentlich die Zeit finden, Sport zu machen um ihre definierten Körper in Schuss zu halten, ich habe es herausgefunden: in aller Herrgottsfrühe. Um 6.30 Uhr stehe ich in Turnschuhen und Jogginghose in einer Halle und bereite mich auf meinen allerersten BBG vor. Die Abkürzung steht für Bikini Body Guide, was eine nette Umschreibung für 28 Minuten Vollgas-Training ist.

Während sich die 200 Anwesenden auf neonpinken Turnmatten abmühen, steht Itsines vorn auf der Bühne und gibt die Vorturnerin. Bei ihr sieht alles leicht und beschwingt aus, in einem Affenzahn senkt und hebt sich ihr ganzer Körper bei den Liegestütz. Sie ist Bruce Willis im Körper einer Elfe. Mein Puls hämmert dagegen schon nach dem Aufwärmprogramm mit 140 Schlägen pro Minute. Das wird eine lange halbe Stunde, denke ich mir.

Hoch das Bein, runter das Bein und wieder hoch: Das Kayla-Itsines-Workout wird im Affenzahn absolviert.

Hoch das Bein, runter das Bein und wieder hoch: Das Kayla-Itsines-Workout wird im Affenzahn absolviert.

Turnen zu N'Sync

Unermüdlich springt Itsines in die Luft und reißt ihre Arme auseinander, der Saal macht es ihr nach. 30 Sekunden Hampelmann auf Speed. Danach stehen Kniebeuge auf dem Programm, aber nicht die gewöhnlichen, natürlich nicht, sondern die extraschweren mit Ausfallschritt. Es folgen Liegestütz und Sit-ups. Und immer wieder Planking, ein Unterarmstütz, bei dem der ganze Bogen wie ein Brett gespannt wird. Nichts trainiert das Sixpack effektiver, meint die Fitness-Göttin. Währenddessen peitscht eine Playlist aus den Boxen, die jeder 90er-Party Ehre machen würde und das Training optimieren soll.

Irgendwann, die Hälfte des Workouts ist vorüber, ruft die Vorturnerin in den Raum, dass das Ziehen im Po ein gutes Zeichen sei. Ich habe keine Ahnung, wovon sie spricht. Das Ziehen im Allerwertesten wird von einem Brennen in den Beinen überlagert. Ich komme nicht umhin, die Verschnaufpausen zu strecken, um ein paar Sekunden länger nach Luft zu japsen. Doch um Schwabbel in Muskeln zu verwandeln quäle ich mich weiter. Aufgeben ist keine Option.

Jede kann es schaffen

So sieht es auch Itsines. In sozialen Netzwerken hält sie ihre Fans mit motivierenden Botschaften bei der Stange: "All die harte Arbeit wird sich eines Tages auszahlen, bleibt am Ball, egal wie schwer es wird", schreibt sie. Sie weiß, wovon sie redet: Itsines begann ihre Karriere als Fitnesstrainerin in Adelaide, als sie anfing, Bilder von sich und ihren Kundinnen auf Instagram zu laden. Sie fotografierte sie vor dem Training und erneut nach 12 Wochen, um den Fortschritt zu dokumentieren. Mit jedem Foto wuchsen die Abonnentenzahlen.

Mittlerweile ist Itsines das Gesicht eines Multimillionen-Dollar-Business. Ihre App hat Tausende Abonnenten, ihre Bücher sind Bestseller, die Bootcamp-Tournee ist weltweit ausverkauft. Allein mit den Büchern sollen sie und ihr mittlerweile Verlobter im ersten Jahr 50 Millionen US-Dollar verdient haben. Genaue Zahlen will sie nicht verraten, doch die Kayla-Maschine läuft auf Hochtouren.

Das Geheimnis ihres Erfolgs sind aber nicht die dauergutgelaunten Selfies in engen Sportklamotten, die Itsines täglich in die Timelines spült. Es sind die Vorher-Nachher-Bilder der Fans, die ihr zugeschickt werden und die sie nur noch weiterverbreiten muss. Die Botschaft ist klar: Seht her, jede von euch kann es schaffen, wenn man sich beim Training nur genug schindet. Dafür gibt es Herzchen, in den Kommentarspalten sprechen sich Frauen gegenseitig Mut zu. So wurde aus einer anonymen, über die ganze Welt verteilte Gruppe eine treue Fanschar. Schwestern im Schweiße, sozusagen.

Muskelkater als Trophäe

Die Uhr zeigt mittlerweile mehr als 300 verbrannte Kalorien und 26 Minuten. Die Lunge brennt, die Arme zittern. Itsines schlendert dagegen gutgelaunt über die Bühne. Überlebensgroß wird sie auf zwei Leinwände übertragen, und mir fällt auf, dass sie kaum schwitzt. Wie macht sie das nur? Nur noch zwei Minuten, "we can do this as a team", ruft sie in die Menge.

Vier 30-Sekunden-Sätze später wähne ich mich am Ziel, doch dann platzt die Bombe: Alle Übungen noch einmal im Zirkeltraining, sieben Minuten am Stück. Ich gebe mein Bestes, doch das ist nicht genug. Ich gestehe mir ein - ich bin ein Waschlappen. Immerhin: Auch der fitte Block rechts vor mir, der anfangs enthusiastisch auch die akrobatischsten Übungen mitturnte, wirkt allmählich gezeichnet.

Neon-Redakteur Christoph Fröhlich kann wieder stehen. Kayla Itsines scheint dagegen kaum zu schwitzen.

Neon-Redakteur Christoph Fröhlich kann wieder stehen. Kayla Itsines scheint dagegen kaum zu schwitzen.

Als das letzte Knie gebeugt und der letzte Plank geplankt ist, schallt das kollektive Schnaufen als Soundtrack durch die Halle. Erschöpft, aber glücklich sinken wir auf die mittlerweile abgewetzten Matten. Noch ein bisschen dehnen. Runterkommen. Geschafft.

Dann folgt das, wofür all der Schweiß vergossen wurde: Nach dem obligatorischen Gruppen-Selfie gibt es ein Meet & Greet. Itsines beweist echte Fannähe, jede(r) wird von ihr umarmt, egal wie sehr man schwitzt. Das gehört auch zum Business. Routiniert strahlt sie mit ihrem Girl-Next-Door-Lächeln und posiert für Fotos, die Sekunden später auf Instagram geteilt werden. Einer der populärsten Hashtags lautet #DeathbyKayla. Der Muskelkater wird zur Auszeichnung. Nach drei Tagen ist das Ziehen aus den Beinen verschwunden.