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Neues POL1Z1STENS0HN-Video: Witzig geht anders: Böhmermann meldet sich mit Rap-Song zurück

Mit dem POL1Z1STENS0HN-Video "RECHT KOMMT" hat sich Deutschlands bekanntester Satiriker Jan Böhmermann zurückgemeldet. Den Witz vergangener Tage sucht man allerdings vergebens.

Jan Böhmermann posiert im Polizistensohn-Video "RECHT KOMMT"

Die Idee war gut, doch der Song "RECHT KOMMT" will einfach zu viel

Staffelstart und 100. "Neo Magazin Royale"-Sendung – wenn das mal kein Grund zum Feiern ist. Mit großer Spannung war deshalb auch im Vorfeld erwartet worden, welchen Coup Jan Böhmermann sich dieses Mal hat einfallen lassen. Hatte er in den letzten Jahren mit #Varoufake, #Verafake und natürlich dem wohl umstrittensten Schmähgedicht der deutschen Geschichte die Messlatte doch mächtig hochgelegt.

Neuer Song als Vorbote auf die 100. Sendung

Dann endlich war es soweit. Wenige Stunden vor der Ausstrahlung der 100. Folge kündigte Böhmermann auf Twitter einen neuen Song seines Rap-Alter-Egos an: "Ich habe das Gefühl, in den nächsten 60 Minuten wird hier ein neuer POL1Z1STENS0HN-Track gedroppt..."

Kurz darauf war der Song "RECHT KOMMT" (feat. Justice) auf Facebook und YouTube dann zu sehen.

Persiflage auf deutsche Rapper, Abrechnung mit Reichsbürgern

Im Video präsentiert sich Böhmermann wieder mit schwarzer Collegejacke, Sonnenbrille und Kapuzenpulli. Dazu ein fetter Rapbeat.

Mit seinem Gangsta-Rap-Alter-Ego, das mit dem Song "Ich hab Polizei" 2015 erstmals in Erscheinung getreten war, betritt er diese Runde den Gerichtsaal. Dort rappt er umgeben von Anwälten Zeilen wie "Jura-Sohn gibt Schelle. Attacke. Anwalt-Armee" oder "Rule Of Law ist Polizistensohn-DNA". Böhmermann setzt sich selbst auf die Anklagebank, feiert das Grundgesetz und scheint mit dem Track seine eigenen juristischen Auseinandersetzungen zu verarbeiten.

Guter Beat, gute Reime – und trotzdem fehlt etwas

Das neue Lied ist an sich nicht schlecht produziert. Der Beat ist gut, die Aufmachung ist gelungen. Der ZDF-Moderator – oder seine Redaktion – hat sich schlicht zu viel vorgenommen. Der Song versucht nämlich gleich drei Dinge zu sein: 1. eine überspitzte und irgendwie doch ernstgemeinte Lobeshymne auf das Grundgesetz, 2. eine Abrechnung mit Reichsbürgern, Rechtsextremen, Verschwörungstheoretikern und 3. eine Persiflage auf sämtliche deutsche Gangsta-Rapper. Und als sei das alles nicht schon genug, bekommt zwischendurch auch noch "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt sein Fett weg. Eine Schippe weniger hätte dem Song sicherlich gut getan.

Nur schlechten Humor muss man erklären

Es fehlen insgesamt die Spritzikeit und der Biss, den man sonst von Böhmermann kennt. Viele der Anspielungen sind zu sehr um die Ecke gedacht. Das zeigt auch der Begleittext zum neuen POL1Z1STENS0HN-Video auf der "Neo Magazin Royale"-Facebookseite: "Waffen, Drogen und Straßenkämpfe waren gestern. Die neuen Feindbilder des Gangsterraps sind die Deutsche Post, JAHN REISEN und t3n Magazin. Und ihre Kämpfe finden ganz woanders statt: vor Gericht! #100Spartenbande". Es war schon immer so: Nur schlechten Humor muss man erklären. Das können Böhmermann und sein Team besser.

Bei YouTube ist der Track trotzdem auf Platz eins in den Trends. Unwahrscheinlich ist aber, dass Böhmermann an den Erfolg seines ersten POL1Z1STENS0HN-Songs "Ich hab Polizei" anknüpfen kann. Dieser hat in zwei Jahren nämlich knapp 27 Millionen Aufrufe bekommen.

Jan Böhmermann und Til Schweiger


Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?