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Interview zur Europawahl: Marie Nasemann: "Unternehmen müssen für unsichere Arbeitsbedingungen zur Rechenschaft gezogen werden"

Am 26. Mai ist Europawahl – wir nutzen diesen Anlass und fragen junge Europäer, die in unserer Generation in Songs, auf Instagram oder auf Twitter eine Stimme haben, was sie sich von Europa erhoffen. Dieses Mal: Bloggerin und Schauspielerin Marie Nasemann.

Europawahl Marie Nasemann Fair Fashion

Bloggerin und Schauspielerin Marie Nasemann hat sich dem Thema Fair Fashion verschrieben.

Ob Morgenroutine oder nachhaltiges Red-Carpet-Outfit - auf Instagram teilt Bloggerin und Schauspielerin Marie Nasemann mit ihrem 70.000 Followern viele Details aus ihrem Leben. Ein großer Teil davon sind die Themen Fair Fashion und nachhaltige Mode, denen sich die 29-Jährige nach ihren Erfahrungen als Model verschrieben hat. Auf ihrem Blog "Fairknallt" zeigt sie nachhaltige Styles und Labels und berichtet über ihren ganz eigenen Lifestyle. Sie ist als Schauspielerin Teil des Jungen Theaters Karlsruhe und lebt und arbeitet in Berlin. Auch sie hat unseren NEON-Fragebogen zur Europawahl ausgefüllt. 

1. Wenn ich an Europa denke, denke ich an …

… Freiheit, verschiedene Kulturen, Einigkeit, Demokratie, Offenheit. Aber auch an Bürokratie, unnötige Reglementierungen und wenig Verständnis, was die Europäische Union eigentlich bedeutetet. Europa hat alle Vor- und Nachteile, die eine Demokratie so mit sich bringt.

2. Fühlst du dich als Europäerin?

Ja. Ich habe das Glück in einer Generation aufgewachsen zu sein, in der in Europa nicht nur großer Wohlstand herrscht, sondern auch Frieden und Stabilität eine Selbstverständlichkeit sind. Ich denke, dass die Europäische Union den Grundstein dafür gelegt hat, denn wenn Wohlstand nicht nur in nationalen Grenzen gedacht wird, sondern gemeinsam erarbeitet wird, gibt es einen keinen Grund sich zu bekriegen. 

3. Warum ist die Europawahl wichtig?

In einer Demokratie sind Wahlen die wichtigste Legitimation ihrer selbst. Wer nicht wählen geht, verschenkt nicht nur seine Stimme, sondern stimmt gegen Europa. Darum sollte sich jeder mit den Parteien und KandidatInnen auseinandersetzen, die zur Wahl stehen und für diejenigen stimmen, die für eine positive Zukunft stehen. 

4. Was erhoffst du dir von der Wahl?

Ich würde mir wünschen, dass alle EuropäerInnen ein starkes Signal senden, dass Klimawandel und Nachhaltigkeit die wichtigsten Themen unserer nahen Zukunft sind. PolitikerInnen und Parteien müssen jetzt und vor allem effektiv handeln, damit wir unsere eigene Lebensgrundlage nicht zerstören. Dabei dürfen wir nicht nur in alten Lösungen und Systemen denken, sondern müssen, wenn wir diese Krise abwenden wollen, mutig neue Wege beschreiten.

5. Wenn du im EU-Parlament sitzen würdest, was würdest du verbessern?

Da gäbe es so viele Themen vom Klimawandel, Frauenrechten bis zur Bildung. Aber mein Herzensthema ist und bleibt faire Mode. Also würde ich versuchen, Unternehmen gesetzlich dazu zu verpflichten, ihre Lieferketten so zu gestalten, dass Menschen in Ländern wie Bangladesch und China sichere Arbeitsbedingungen haben, von ihrer Arbeit leben können, grundlegende Rechte gewahrt werden und wir die Natur und Umwelt vor Ort nicht weiter zerstören. Dies muss transparent geschehen und Unternehmen müssen gegebenenfalls zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie dies nicht tun. Europa rühmt sich, mit Demokratie und Humanismus, darum darf sich unser Wohlstand nicht länger auf der Ausbeutung von Menschen außerhalb der EU aufbauen.