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Von wegen Tabu-Thema: Wir Männer müssen uns endlich mal locker machen, was das Thema Menstruation angeht

Längst sprechen viele Frauen offen über die Periode, zumindest untereinander. Aber nur jede Fünfte bespricht das Thema auch mit dem Partner. Das liegt vor allem an der Verkrampftheit der Männer.

Männer müssen anfangen, über Menstruation zu sprechen

Panisch Ohren verschließen bringt nichts – Männer müssen anfangen, über Menstruation zu sprechen

Getty Images

Früher war alles schön einvernehmlich. Die Frauen haben menstruiert, und die Männer haben so getan, als kriegen sie davon nichts mit. Zwar hat sich da inzwischen einiges getan – aber nur zur Hälfte: Einerseits sprechen viele Frauen, zumindest untereinander, längst offen über die Periode. Davon zeugen zum Beispiel Hashtags wie #letstalkperiod bei Twitter.

Andererseits wollen wir Männer offenbar immer noch bloß nicht viel damit zu tun haben. Denn laut einer groß angelegten Studie der Zyklus-App "Clue" und des Kinsey Institute Condom Use Research Teams praktizieren 15 Prozent von 95.000 befragten Frauen in 200 Ländern während ihrer Periode sexuelle Aktivitäten, 48 Prozent vermeiden Geschlechtsverkehr in der Menstruationsphase ganz grundsätzlich.

Viele Männer ekeln sich vor der Periode

Nun weiß ich allerdings von einigen Frauen, dass sie sogar ganz besonders horny sind, wenn sie ihre Tage haben. Wie erklärt sich also eine solche Statistik? Ganz einfach: Laut einer weiteren Studie, "Talking about Periods – An international Investigation", geben 77 Prozent der Frauen an, dass sie sich unwohl dabei fühlen, mit männlichen Klassenkameraden oder Kollegen über ihre Periode zu sprechen – und diese Zahl bezieht sich zu allem Überfluss allein aufs aufgeklärte Deutschland.

Es besteht kein Zweifel: Das liegt vor allem in der Empfindlichkeit der Männer begründet. Viele von ihnen ekeln sich vor der Monatsblutung ihrer Freundin. Das weiß ich, weil sie es offen ansprechen. Es gehört immer noch fast zum guten Ton, sich einmal im Monat über die Unpässlichkeit der eigenen Freundin aufzuregen. Und wer mit seiner Partnerin trotzdem auch während der Tage verkehrt, behält es lieber für sich.

Eine Verklemmtheit, die im Grunde bis auf das Alte Testament verweist, wo es heißt: "Wenn ein Weib ihres Leibes Blutfluss hat, die soll sieben Tage unrein geachtet werden; wer sie anrührt, der wird unrein sein bis auf den Abend."

Seltsam, wie wenig sich an dieser Einstellung anno 2019 in vielen Köpfen geändert hat: Frauen verschweigen das Thema und damit einhergehende Probleme und Bedürfnisse aus Rücksicht vor ihren zartbesaiteten Männern.

Meine Freundin fragt mich hin und wieder ganz selbstverständlich, ob ich ihr Tampons aus dem Drogeriemarkt mitbringen kann. Darüber denke ich gar nicht weiter nach – aber ich kenne Männer, die sich allen Ernstes schämen, die o.b.-Packung an der Kasse aufs Band zu legen. Was den Umgang mit dem Thema insgesamt angeht, ist das bezeichnend: Es ist alles so unfassbar unangenehm.

Es könnte alles so einfach so sein

Und das führt zu zahlreichen Missständen: zur oben genannten Verklemmtheit, zu einem Mangel an Kommunikation und zur Diskriminierung Menstruierender durch das Steuersystem. Dabei könnte alles so einfach sein, denn: Wer seine Frau wirklich liebt, hat sich gefälligst in keiner Lebenslage vor ihr zu ekeln!

Vielmehr kann er bewundern, wie sie sich jeden Monat so würdevoll durch die schlauchenden Tage kämpft. Wenn wir mal ganz ehrlich sind: Männer wären doch deutlich überforderter, wenn sie derartigen Naturgesetzen über 40 Jahre ihres Daseins ausgesetzt wären – und wer sich das nicht eingesteht, ist erst recht eine Memme.

"Ein echter Seemann sticht auch ins rote Meer", hat Christian Ulmen als leicht heruntergerockter Alleinunterhalter Knut Hansen in seiner Reality-Comedy "Mein neuer Freund" einst zum Thema gesagt. Das bleibt natürlich Geschmacksache. Aber darüber zu sprechen wäre ein Anfang. Wir Männer müssten uns nur endlich mal locker machen