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Interview

Hessens jüngster Abgeordneter: Lukas Schauder: "Die Untätigkeit der Bundesregierung setzt unsere Zukunft aufs Spiel"

Mit 21 Jahren ist Lukas Schauder der jüngste Abgeordnete im neuen hessischen Landtag. Mit NEON sprach er über die wichtigsten Themen der Zukunft, den Vormarsch des Rechtspopulismus und wie er Politik und Jura-Studium gleichzeitig gewuppt kriegt.

Lukas Schauder

Zieht mit 21 in den hessischen Landtag: Lukas Schauder von den Grünen

DPA

Mit Anfang 20 sind die meisten von uns gerade dabei, sich zu überlegen, wo es mit dem Leben hingehen soll. Vielleicht sind wir am Anfang unseres Studiums oder haben gerade die Ausbildung beendet. Oder wissen noch nicht so richtig, wo die Reise hingehen soll. 

Nicht aber Lukas Schauder. Lukas ist 21 Jahre alt, studiert Jura an der Goethe-Universität in Frankfurt, spielt Klavier, interessiert sich für Fußball – und ist gerade als jüngster Abgeordneter in den hessischen Landtag eingezogen. Mit NEON sprach er über junge Politik, den Vormarsch des Rechtspopulismus und die Themen, die uns in der Zukunft am meisten beschäftigen werden.

NEON: Lukas, du studierst Jura. Woher nimmst du die Zeit, nun auch noch im Landtag zu sitzen? 

Lukas Schauder: So neu wird die Arbeitsbelastung für mich gar nicht sein. Neben meinem Studium war ich bisher schon als Kreistagsabgeordneter, Mitarbeiter einer Bundestagsabgeordneten und in verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen tätig. Da werde ich nun ein paar Aufgaben abgeben müssen, damit Mandat und Studium miteinander vereinbar sind.

Wusstest du schon immer, dass du in die Politik willst?

Schon als Kind habe ich Die Ärzte gehört und eine Zeile ist mir dabei immer im Gedächtnis geblieben: "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär' nur deine Schuld, wenn sie so bleibt." Darum bin ich schon früh, nämlich 2011 als 14-Jähriger, politisch aktiv geworden und in die Grüne Jugend eingestiegen.

Was macht für dich "ein besseres Hessen" aus?

Besonders wichtig sind mir die drei großen Wenden: Energiewende, Verkehrswende und Agrarwende. Nur wenn wir in allen Bereichen nachhaltig wirtschaften, erhalten und verbessern wir die Schönheit und Lebensqualität unseres Bundeslandes. Zudem müssen die Mieten wieder für alle Menschen bezahlbar werden. Neben sozialem Wohnungsbau möchte ich die Perspektiven im ländlichen Raum stärken. 

Es ließe sich argumentieren, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit zwei der wichtigsten Themen für unsere Generation sind, da sie unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen werden. Glaubst du, dass ihnen genug Aufmerksamkeit beigemessen wird? 

Wie du schon sagst: Sie beeinflussen unsere Zukunft maßgeblich. Trotzdem verfehlt die Bundesregierung ihre Klimaziele deutlich und im Bereich Digitalisierung hängt Deutschland viele Jahre zurück. Offensichtlich fehlt dort also eine ganze Menge an Aufmerksamkeit. Die Untätigkeit der Bundesregierung setzt unsere Zukunft aufs Spiel. Somit sind wir alle aufgerufen, Politiker und Politikerinnen, wie Bürger und Bürgerinnen, ihr ordentlich Druck zu machen.

Hoffst du, dass mit dir und beispielsweise auch Bijan Kaffenberger eine Zeit jüngerer Politik angebrochen ist? Oder glaubst du, dass die Mischung aus verschiedenen Generationen ihre Richtigkeit hat?

Beides! Denn "jüngere Politik" bedeutet für mich, dass man sich ganz besonders mit den drängenden Fragen der Zukunft beschäftigt. Unsere Generation wird die Folgen des Klimawandels unmittelbar miterleben, die Digitalisierung wird unseren Alltag stark verändern und die zunehmende soziale Spaltung gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das sind alles Herausforderungen, für die es noch nicht zu spät ist, aber die wir in unserem eigenen Interesse weiterhin konsequent angehen werden.

"Jüngere Politik" heißt aber auch mit neuen, innovativen Ideen diese hochpolitische Generation U30 mitzunehmen. Bijan hatte da zum Beispiel eine erfolgreiche YouTube-Serie. Ich selber plane momentan ein interaktives Format, das hoffentlich schon Anfang 2019 an den Start gehen kann.

Das alles heißt jedoch nicht, dass erfahrene Leute in der Politik nichts verloren hätten. Eine gute Mischung, die die Gesellschaft abbildet, macht's. Für die Zukunft wünsche ich mir deshalb ein noch diverseres Parlament.

Was können wir tun, um den Vormarsch rechtspopulistischer Parteien zu unterbinden? Und glaubst du, dass der Rechtspopulismus den Grünen in die Karten spielt, da die Wähler ein anderes Extrem suchen?

Eine einzige richtige Antwort mit der wir alle rechtspopulistischen und -extremen Probleme lösen gibt es leider nicht, denn die Ursachen dafür sind vielfältig. Aus meiner Sicht entladen sich völlig unterschiedlichen Motive – wie Zukunftsängste, Politikverdrossenheit und soziale Ungerechtigkeit – gemeinsam mit ohnehin schon vorhandenen rassistischen Vorurteilen in einem gemeinsamen Feindbild. Folglich können sich die Kräfte am rechten Rand auch auf keine politischen Konzepte, sondern nur auf Anti-Haltungen verständigen.

Dagegen hilft nur gute Politik, was völlig selbstverständlich klingt, aber in Zeiten der großen Chaoskoalition in Berlin leider nicht ist. Wir Grünen setzen in Hessen weiter auf vernunftorientierte Sachpolitik, um Herausforderungen zu meistern, statt sie nur größer zu reden.

Fühlst du dich von den älteren Abgeordneten ernst genommen? 

Bisher habe ich nur positive Erfahrungen gemacht, insbesondere in meiner kommunalpolitischen Aktivität im Kreistag. Wie alle anderen Abgeordneten auch, habe ich den Auftrag der Wähler und Wählerinnen, sie zu vertreten. Wer mich nicht ernst nimmt, nimmt eigentlich die Wähler und Wählerinnen nicht ernst. Das wissen auch die älteren Kollegen.

Johann Waschnewski