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Rassimus-Vorwurf bei Cohen-Anhörung: Abgeordneter will beweisen, dass Trump kein Rassist ist – und führt eine dunkelhäutige Mitarbeiterin vor

Um den Präsidenten zu entlasten, hat Republikaner Mark Meadows bei der Anhörung des Trump-Anwalts Michael Cohen eine dunkelhäutige Mitarbeiterin eingeladen. Kritiker werfen ihm nun Rassismus vor.

Rassismus USA Meadows Patton

Der Republikaner Mark Meadows lud Lynne Patton, eine langjährige Mitarbeiterin Trumps, zur Anhörung von Michael Cohen ein - damit wollte er dessen Aussage entkräften, Trump sei ein Rassist.

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Nach knapp 90 Minuten geschah etwas Seltsames in der Anhörung von Donald Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen: Während er dem republikanischen Abgeordneten Mark Meadows Rede und Antwort stand, ob Präsident Trump eine Rassist sei, erhob sich plötzlich eine Frau hinter Meadows. Lynne Patton trug eine Sonnenbrille im Haar und ein weißes Cape über den Schultern. Sie ist langjährige Mitarbeiterin der Trump-Familie, eine hochrangige politische Angestellte im Ministerium für Wohnungswesen und Stadtentwicklung – und Afro-Amerikanerin.

"Ich habe Lynne hierher gebeten, um Licht in die Sache zu bringen", sagte Meadows. Sie habe ihm bestätigt, dass sie, als Tochter eines Mannes aus Alabama, niemals für jemanden arbeiten würde, der Rassist ist, so Meadows. Lynne Patton selbst sagte dazu nichts und setzte sich nach wenigen Minuten wieder.

Vorwurf des Rassismus

Die Aktion von Meadows, einem engen Vertrauten von Donald Trump, sorgte im Kongress selbst und auch außerhalb für großes Aufsehen. "Nur weil jemand eine dunkelhäutige Person in seinem Umfeld hat, die für ihn arbeitet, heißt das noch lange nicht, dass er kein Rassist ist", sagte die Demokratin Rashida Tlaib sichtlich aufgebracht im Kongress. Es sei unsensibel und die Tatsache, dass Meadows eine dunkelhäutige Frau quasi als Requisite in dieser Anhörung verwenden würde, sei rassistisch.

Viele Journalisten und Politiker stimmten der Kritik zu. "Also...du lädst eine dunkelhäutige Angestellte des Präsidenten ein und sagst dann: Siehst du, wie kann er Rassist sein? Das ist ein Ding", twitterte die Journalistin Lena Tillet. "Ein Mitglied der Gruppe aller Afro-Amerikaner als Beispiel vorzuführen und zu behaupten, dass das alle Vorwürfe auslöscht, ist absolut beleidigend", sagte die Abgeordnete Brenda Lawrence. Auch auf Twitter wird Meadows Verhalten diskutiert: "Die Republikaner haben sich beschwert, dass sie nicht genug Zeit gehabt hätten, Cohens Eröffnungsstatement einzusehen, aber Mark Meadows hatte Zeit, eine schwarze Frau als Requisite zu besorgen", schreibt eine Userin.

Eine andere pflichtet Demokratin Rashida Tlaib bei, die im Kongress direkt auf Meadows Aktion reagierte.

Viele Reaktionen nach Rassismus-Vorwurf

Aber es gab auch kritische Stimmen: "Weißt du, was rassistisch ist, Rashida Tlaib?", fragte eine Userin. "Anzunehmen, dass eine schwarze Frau, die mit einem Kongressabgeordneten zusammenarbeitet unqualifiziert und deshalb nur eine Requisite ist."

Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen war am Mittwoch im US-Kongress verhört worden und hatte dort schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Chef erhoben. Er sei ein "Hochstapler, Betrüger und Rassist", so Cohen. Trump habe ihm gesagt, dass Schwarze ihn nie wählen würden, weil sie "zu dumm" seien. Außerdem habe der Präsident ihn gefragt, ob er ein Land kenne, das von einem Schwarzen regiert werde und das kein "Drecksloch" sei. Zu dem Zeitpunkt sei Barack Obama US-Präsident gewesen. Die Demokraten, die seit Anfang des Jahres über eine Mehrheit im Repräsentantenhaus verfügen, hatten Cohen erneut zur öffentlichen Anhörung geladen. Die Republikaner hingegen versuchten, die Glaubwürdigkeit Cohens zu untergraben und seine Aussagen zu entkräften.

Patton fühlt sich missverstanden

Mark Meadows äußerte sich später verärgert über den Vorwurf, er habe rassistisch gehandelt und eine schwarze Frau als "Requisite" vorgeführt. "Es ist rassistisch anzunehmen, ich hätte sie deshalb eingeladen", sagte er. "Sie war dort, weil sie das Gefühl hatte, dass der Präsident der Vereinigten Staaten fälschlicher Weise beschuldigt wird." Und auch Lynne Patton wies den Vorwurf im Interview mit der Washington Post zurück: "Alle sprechen über meine vermeintliche Alibi-Funktion, aber aus meiner Sicht sind wir einfach nur zwei Menschen, die den Präsidenten gut kennen und wissen, dass die Anschuldigungen nicht stimmen."

Patton war extra von New York nach Washington gereist, um bei der Anhörung dabei zu sein. Es ist nicht das erste Mal, dass die Trump-Mitarbeiterin in den Blick der Öffentlichkeit gerät: Sie stand in der Kritik, da sie gar keine Erfahrung im Bereich Wohnungswesen hat und trotzdem extrem schnell aufgestiegen war. Ihren aktuellen Aufenthalt in New York beobachten die New Yorker Medien genau – und auch Patton berichtet sehr viel auf Social Media von ihren Aktivitäten. Sie soll im Auftrag der Regierung den problematischen Zustand von Sozialwohnungen beleuchten, die von der größten Wohnungsbehörde des Landes betrieben werden.

Michael Cohen sitzt in Anzug und Krawatte vor einem Mikrofon und scheint gerade einer Frage zu lauschen
lau