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Bürgerkrieg in Syrien Gefechte in Aleppo dauern trotz angekündigter Feuerpause an

Im Kampf um die syrische Großstadt Aleppo hat Russland nun überraschend eine Feuerpause verkündet. Nachdem für kurze Zeit die Gefechte tatsächlich nachließen, mehrten sich die Angriffe auf die Stadtteile Kalasseh und al-Maadi wieder.

Russland hat beim Kampf um Aleppo das Feuer pausiert. Dies wurde überraschend verkündet. Um eine große Evakuierungsaktion durchzuführen, habe die syrische Armee ihre "Kampfeinsätze" im östlichen Teil Aleppos eingestellt, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag. Berichten zufolge flauten die Kämpfe zunächst ab. Später nahmen die Angriffe auf die Rebellen-Stadtteile Kalasseh und al-Maadi jedoch wieder zu.

Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete über neue Luft- und Artillerieangriffe am späten Donnerstagabend. Lawrow erklärte dagegen, während der Feuerpause solle eine große Kolonne von 8000 Zivilisten aus der Stadt gebracht werden.

Die Menschen in Aleppo brauchen humanitäre Hilfe

Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura sagte nach Lawrows Ankündigung, nun müssten die politischen Diskussionen über ein Ende des Bürgerkriegs wieder aufgenommen werden. Die UN-Generalversammlung will am Freitag über einen nicht bindenden Resolutionsentwurf abstimmen, der einen sofortigen Waffenstillstand in Aleppo und Zugang für humanitäre Hilfe fordert. Der britische UN-Botschafter Matthew Rycroft sagte allerdings, dies sei "zu wenig und zu spät".

Der russische Botschafter Witali Tschurkin erklärte, die Resolution werde kaum Auswirkungen auf die Lage vor Ort haben. Vor wenigen Tagen hatte Russland eine UN-Resolution zu einer siebentägigen Feuerpause für Aleppo mit seinem Veto gestoppt.

Steinmeier: "Wir bewegen uns in die richtige Richtung."

US-Außenminister John Kerry und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) waren am Donnerstag am Rande des Hamburger Ministerrats der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) getrennt voneinander mit Lawrow zusammengetroffen. "Noch sind wir nicht am Ziel", verlautete es später aus Steinmeiers Delegation zur Unterbrechung der Angriffe in Aleppo. "Viele wichtige praktische Fragen und Modalitäten müssen noch geklärt werden. Die Bemühungen dauern an. Aber wir bewegen uns in die richtige Richtung."

Für Samstag sind in Genf Verhandlungen zwischen Diplomaten und Militärs aus den USA und Russland zur Lage in Aleppo geplant. Besprochen werden sollen nach Angaben Moskaus unter anderem Möglichkeiten, Zivilisten und Aufständische aus dem umkämpften Stadtgebiet zu bringen.

Bis zu 500 kranke und verletzte Kinder in Aleppo

Die UNO verlangte erneut eine dauerhafte Einstellung der Kampfhandlungen. Der Chef der UN-Hilfsmission für Syrien, Jan Egeland, erklärte in Genf, eine Feuerpause sei dringend erforderlich, damit bis zu 500 kranke und verletzte Kinder Ost-Aleppo verlassen könnten. Derzeit liefen flüchtende Zivilisten Gefahr, ins Kreuzfeuer der Kriegsparteien zu geraten oder von Heckenschützen getroffen zu werden.

Seit dem Beginn einer Großoffensive Mitte November eroberten die syrischen Regierungstruppen einen großen Teil der von Rebellen kontrollierten Stadtviertel im Osten von Aleppo zurück. Auch die Altstadt ist nach Angaben der Beobachtungsstelle wieder unter der Kontrolle der Regierung.

Das IKRK brachte in der Nacht zum Donnerstag knapp 150 Menschen in Sicherheit, die unter äußerst schwierigen Bedingungen in einer Art Notkrankenhaus in einem Altenheim in Ost-Aleppo untergebracht waren. "Tragischerweise kam die Operation für einige zu spät", teilte das IKRK mit. Elf Menschen hätten nur noch tot aus dem Heim Dar al-Safaa in der Altstadt geborgen werden können.

mrk AFP

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