Bad Bunny gewinnt mit "Debí tirar más fotos" Grammy für Album des Jahres

Bad Bunny mit seinem Preis für das Album des Jahres
Bad Bunny mit seinem Preis für das Album des Jahres
© AFP
Die renommierten Grammy Awards sind mit einer historischen Verleihung gekrönt worden: Mit dem Album "Debí tirar más fotos" des Latino-Rapstars Bad Bunny wurde erstmals ein spanischsprachiges Album mit dem Grammy für das Album des Jahres ausgezeichnet. Weitere Preise gingen am Sonntagabend (Ortszeit) an den US-Rapper Kendrick Lamar und den Pop-Star Billie Eilish. Die Nacht in Los Angeles war geprägt von politischen Stellungnahmen mehrerer Prominenter gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE.

"Debí tirar más fotos" zelebriert die traditionellen Rhythmen Puerto Ricos, der Heimat des Künstlers, und thematisiert die Kolonisierung der Karibikinsel, die seit 1898 unter US‑Hoheit steht. In seiner Dankesrede, die er größtenteils auf spanisch hielt, ehrte ein emotionaler Bad Bunny die Bürgerinnen und Bürger von Puerto Rico und widmete seinen Preis an "all die Menschen, die ihre Heimat, ihr Land verlassen mussten, um ihren Träumen zu folgen".

Einen Überraschungssieg konnte die US-Sängerin Eilish erzielen: Für das Lied "Wildflower" wurden sie und ihr Bruder Finneas O'Connell mit dem Preis für den Song des Jahres, mit dem die besten Liedtexte ausgezeichnet werden, geehrt. Der US-Rapper Lamar und die R&B-Sängerin SZA wurden derweil für ihr Lied "Luther" mit dem Preis für die Aufnahme des Jahres ausgezeichnet. Hierbei wird die Qualität der Produktion eines Songs geehrt. "Luther" wurde außerdem mit dem Preis für die beste Darbietung melodischen Raps ausgezeichnet. Insgesamt gewann Lamar fünf Grammys.

Eine seltene Ehre wurde außerdem dem US-Filmemacher Steven Spielberg zuteil: Mit seinem Gewinn des Grammys für das beste Musikfilm-Album für seinen Dokumentarfilm "Music by John Williams" erreichte Spielberg den viel begehrten Egot-Status. Der 79-Jährige konnte in seiner langjährigen Karriere nun bereits mindestens einen Emmy, Grammy, Oscar und Tony gewinnen. Diesen Grand-Slam des Showbusiness konnten vor ihm nur 21 weitere Menschen verbuchen.

Noch vor Beginn der offiziellen Zeremonie ging der wichtigste Musikpreis der Welt in der Kategorie Beste Dance-Pop-Aufnahme an Lady Gaga für ihren Elektropop-Hit "Abracadabra". Lamar gewann mit seinem Album "GNX" den Preis für das beste Rap-Album. Für seinen Song "EoO" erhielt Bad Bunny außerdem den Preis für die beste Darbietung globaler Musik.

Lamar war in insgesamt neun Kategorien nominiert gewesen, Lady Gaga in sieben und Bad Bunny in sechs. Der Preis für die beste Neue Künstlerin ging an die britische Sängerin Olivia Dean.

Die Veranstaltung war geprägt vom Protest gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE. In seiner Dankesrede für den Preis für das beste "Música Urbana"-Album kritisierte Bad Bunny die umstrittene Behörde scharf. "Bevor ich Gott danke, werde ich 'ICE out' ('ICE raus') sagen", sagte der Latino-Rapstar und erntete brandenden Beifall vom Publikum. "Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Fremden: Wir sind Menschen und wir sind Amerikaner", fügte er hinzu.

Mehrere Prominente, darunter die kanadische Musikerin Joni Mitchell, trugen bei der Zeremonie in Los Angeles außerdem Anstecker mit den Worten "ICE OUT", um ihre Kritik an dem umstrittenen Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde in mehreren Städten in den USA kundzutun.

Einsatzkräfte der Einwanderungspolizei ICE und Grenzschutzbehörde CBP führen seit Wochen in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota massive Razzien aus, bei denen sie teilweise mit brutaler Gewalt vorgehen. Bei Protesten gegen die Einsätze wurden in der Metropole zwei US-Bürger getötet: Der 37-Jährige Krankenpfleger Alex Pretti wurde vor einer Woche am Rande einer Abschiebe-Razzia in Minneapolis erschossen. am 7. Januar war die unbewaffnete Autofahrerin Renee Good erschossen worden.

Die offizielle Grammy-Gala mit der Verleihung der Preise in den wichtigsten Kategorien wurde erneut von Comedian Trevor Noah moderiert. Nach einer kurzen Vorstellung der prominentesten Gäste wandte Noah sich der Politik zu. Mit einer Imitation von US-Präsident Donald Trump machte der Comedian sich etwa über die neuerliche Unterstützung der US-Rapperin Nicki Minaj für Trump lustig.

Eröffnet wurde die Zeremonie von einem gemeinsamen Auftritt der K-Pop-Sängerin Rose mit dem US-Sänger Bruno Mars. Außerdem traten Lady Gaga, Justin Bieber und Sabrina Carpenter auf.

AFP