Der Bar-Betreiber werde eines besonders schweren Verbrechens verdächtigt, hieß es in der von Meloni veröffentlichten Erklärung. Mit seiner Freilassung bestehe ein Fluchtrisiko und die Gefahr, dass der Verdächtige Beweise manipuliere. "Ganz Italien fordert lauthals Aufklärung und Gerechtigkeit und verlangt, dass nach dieser Katastrophe respektvolle Maßnahmen getroffen werden, die dem Leid und den Erwartungen der Angehörigen vollständig Rechnung tragen", hieß es weiter.
Bar-Besitzer Jacques Moretti war am Freitag gegen eine Kaution von 200.000 Schweizer Franken (rund 215.000 Euro) unter Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Franzose ist unter anderem verpflichtet, sich täglich auf einer Polizeiwache zu melden, und darf die Schweiz nicht verlassen.
Er und seine Frau werden verdächtigt, für die Brandkatastrophe mit 40 oftmals minderjährigen Todesopfern verantwortlich zu sein. Bei dem Brand in der Silvesternacht starben auch sechs junge Menschen aus Italien. Zudem stammten mehr als ein Dutzend der 116 Schwerverletzten aus Italien. Tajani hatte Morettis Freilassung bereits am Freitag einen "echten Affront" für die Angehörigen der Opfer genannt. Auch mehrere Opferanwälte zeigten sich empört.
Gegen Jacques und Jessica Moretti wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung ermittelt. Die Ermittler vermuten, dass die Katastrophe durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst wurde, die zu nahe an die mit Schaumstoff verkleidete Decke gehalten wurden. Jacques Moretti hatte während einer Vernehmung angegeben, den schalldämpfenden Schaumstoff an der Decke selbst in einem Baumarkt gekauft und angebracht zu haben.
Der Franzose saß seit dem 9. Januar in Untersuchungshaft, während seine Frau unter Auflagen auf freiem Fuß blieb. Die Kaution wurde laut Gericht von einem Freund des 49-Jährigen gezahlt.
Mehr als drei Wochen nach der Brandkatastrophe werden nach Angaben von Schweizer Behörden und Krankenhäusern noch immer rund 70 Verletzte in Krankenhäusern in der Schweiz und anderen Ländern behandelt. Einige der Schwerverletzten befinden sich weiter auf der Intensivstation und kämpfen ums Überleben.