Brandkatastrophe in Hongkong: Untersuchungskommission beginnt Anhörungen

Der Brand im Wohnkomplex Wang Fuk Court wütete mehr als 40 Stunden
Der Brand im Wohnkomplex Wang Fuk Court wütete mehr als 40 Stunden
© AFP
Knapp vier Monate nach der verheerenden Brandkatastrophe in einem Hochhauskomplex in Hongkong mit 168 Toten hat eine Untersuchungskommission am Donnerstag eine Serie von öffentlichen Anhörungen begonnen. "Laut den gesammelten Beweisen haben am Tag des Brandes fast alle Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Menschenleben wegen menschlicher Faktoren versagt", sagte der leitende Anwalt Victor Dawes bei der Eröffnung. 

Die Kommission sammelte mehr als eine Million Dokumente, darunter schriftliche Zeugenaussagen sowie Bilder und Videos von Bewohnern, Bauarbeitern und Feuerwehrleuten. Vermutlich werde die direkte Brandursache nie gefunden, aber es sei "sehr wahrscheinlich, dass es Zigarettenkippen waren", sagte Dawes. "Die Bewohner hatten sich wiederholt darüber beschwert."

Dawes präsentierte auch Beweise für die Verwendung minderwertiger, leicht brennbarer Netze, die an den Baugerüsten aus Bambus rund um die Gebäude montiert waren. "Die Bewohner wurden offensichtlich getäuscht", sagte der Anwalt. 

Er präsentierte zudem ein Video, auf dem Bewohner von einem der Hochhäuser zu sehen sind, die vergeblich versuchen, eine Feuerspritze zu benutzen oder den Feueralarm auszulösen, während sich die Flammen ausbreiten. Die Brandschutzvorrichtungen funktionierten nicht. Dawes zufolge stellten auch einstürzende  Bambus-Baugerüste die Feuerwehrleute vor "enorme Schwierigkeiten".  

Vor der Kommission sollen Regierungsvertreter, ehemalige Bewohner des Wohnkomplexes, Bauunternehmer sowie Vertreter des Verwaltungskomitees des Hochhauskomplexes angehört werden. 

Der Brand im Wohnkomplex Wang Fuk Court im nördlichen Stadtteil Tai Po hatte Ende November mehr als 40 Stunden lang gewütet. Das Feuer erfasste sieben der acht Hochhausblöcke der Wohnanlage, zu der insgesamt fast 2000 Wohneinheiten gehören.

AFP