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Gerichtsbeschluss: Falsche Brüste hindern nicht am Polizeidienst

Der Ausschluss einer Bewerberin mit Brustimplantaten durch die Polizei ist rechtswidrig. Das entschied das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Es ist nicht das erste Urteil zu Silikonimplantaten bei Bewerberinnen.

Die Bewerberin entschied sich aus kosmetischen Gründen für Brustimplantate

Die Bewerberin entschied sich aus kosmetischen Gründen für Brustimplantate

Die Entscheidung steht: Eine Bewerberin aus Dortmund darf den Polizeidienst trotz Brustimplantaten antreten. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat am Mittwoch über die Klage der Frau beraten. Die unter dem Brustmuskel getragenen Silikonimplantate seien hochwertig und stellten ihre Eignung für den Job nicht in Frage, hieß es in der Begründung. Die Kammer ließ Berufung gegen das Urteil zu.

Polizeiarzt beurteilte Brustimplantate negativ

Die Klägerin, die nach Gerichtsangaben aus kosmetischen Gründen Brustimplantate trägt, hatte sich im Oktober 2013 für die Einstellung in den Polizeivollzugsdienst des Landes Nordrhein-Westfalen beworben. Ein Polizeiarzt kam zu dem Ergebnis, sie sei für den Polizeidienst untauglich. Insbesondere bei körperlicher Gewalt könne ein Reißen der Implantate nicht ausgeschlossen werden.

Das Verwaltungsgericht folgte dieser Argumentation nicht. Eine Untauglichkeit für den Polizeidienst könne nur angenommen werden, wenn eine dauernde Dienstunfähigkeit vor Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze oder regelmäßige Ausfallzeiten über Jahre hinweg überwiegend wahrscheinlich seien, betonten die Richter.

Ähnlicher Fall in München

Die Ergebnisse eines vom Gericht eingeholten ärztlichen Gutachtens ließen aber eine solche Feststellung nicht zu. Der Expertise eines plastischen Chirurgen zufolge gebe es keine ausreichenden Daten, die eine verlässliche Prognose zum Risiko eines verletzungsbedingten Reißens der Implantate oder für andere gesundheitliche Komplikationen ermöglichten. Daher könne keine belastbare Aussage getroffen werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit Einschränkungen der Polizeidienstfähigkeit im Zusammenhang mit Brustimplantaten aufträten.

In einem vergleichbaren Fall hatte im September bereits das Verwaltungsgericht München zugunsten einer jungen Frau mit Brustimplantaten entschieden, die gegen ihre Ablehnung für den Polizeivollzugsdienst geklagt hatte. In dem Münchener Verfahren war ein Gutachter zu dem Ergebnis gekommen, die Frau sei wegen der Beschaffenheit der aus hochmodernen Materialien gefertigten Brustimplantate und ihrer Platzierung unterhalb der Muskeln keinem erhöhten Verletzungsrisiko ausgesetzt.

fri / AFP