Der Trend zu KI-WM-Songs begann offenbar bereits im Februar, als unter dem Namen Crystalo eine Hymne für die französische Fußball-Nationalmannschaft mit dem Titel „Imbattables“ (Unschlagbar) veröffentlicht wurde. Crystalo bezeichnet sich im Musik-Streamingdienst Spotify als Frankreichs „erster Erschaffer von KI-Musik“. Zu Beginn des Songs werden die Namen französischer Spieler wie Kylian Mbappé im Chor skandiert.
Es folgte eine KI-Hymne für die brasilianische Mannschaft, in der ebenfalls Spielernamen skandiert werden, und viele weitere KI-WM-Songs nach dem selben Erfolgsrezept.
Laut Jason Palamara, Experte für Musik-Technologie an der University of Indiana, mangelt es bei der Produktion von Musik mithilfe von KI an Transparenz. Schließlich werden KI-Programme für die Erzeugung von Songs mit realen Musikkompositionen trainiert, deren Komponisten nicht angemessen an dem Prozess beteiligt würden. „All das muss irgendwo herkommen“, sagte Palamara über die von der KI genutzten Songs real existierender Künstler.
Davon abgesehen sind KI-Songs ähnlich wie KI-generierte Bilder häufig nicht völlig stimmig. So wird bei einer KI-Fanhymne für Portugal der Text mit brasilianischem Akzent gesungen. Bei einem KI-Song über die kolumbianische Nationalelf wird der Name des Spielers James Rodríguez fälschlicherweise nicht spanisch, sondern englisch ausgesprochen.
Laut Morgan Hayduk achten aber viele Hörer von WM-Hymnen nicht so sehr auf solche Details. Der Mitgründer von Beatdapp, einer Firma zur Erkennung von Diebstahl geistigen Eigentums in der Musikbranche, sieht gerade bei Fan-Songs großes Potenzial hinsichtlich Künstlicher Intelligenz. Für Fangesänge im Stadion seien schließlich keine vielschichtigen Melodien und Texte wichtig, sondern dass sie ins Ohr gehen und einfach zu merken sind.