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Stinkende Gaswolke zieht durch Frankreich


Eine stinkende Gaswolke ist nach einem Chemieunfall in Nordfrankreich mehr als hundert Kilometer bis in die Hauptstadt Paris gezogen.

Eine stinkende Gaswolke ist nach einem Chemieunfall in Nordfrankreich mehr als hundert Kilometer bis in die Hauptstadt Paris gezogen. Umweltministerin Delphine Batho reiste derweil vorzeitig aus Berlin ab, wo sie an den Feierlichkeiten zum deutsch-französischen Freundschaftsvertrag teilnahm. Sie wolle sich an den Unfallort in Rouen begeben, teilte die Ministerin per Twitter mit. Die französischen Behörden ordneten einen Notfallplan an. Die gesamte Produktion in dem Werk wurde vorläufig gestoppt.

Das Innenministerium hatte erklärt, durch den Austritt des Gases Methylmercaptan in der Chemieanlage in Rouen bestehe "keine Gefahr für die Gesundheit" von Menschen. Die Behörden riefen die Bewohner der Normandie und des Großraums Paris ausdrücklich auf, nicht den Notruf zu wählen - hunderte besorgte Franzosen hatten zuvor die Leitungen der Rettungsdienste überlastet.

Der Austritt des Gases begann bereits am Montagvormittag in einer Anlage des Chemiekonzerns Lubrizol, wie Vertreter der Rettungsdienste sagten. Grund war demnach eine "Reaktion" in einem Ofen der zu dem US-Konzern Lubrizol Corporation gehörenden Anlage. Laut Innenministerium war der Geruch in mehreren Départements der Regionen Haute-Normandie und im Großraum Paris "sehr präsent".

Das faulig riechende Methylmercaptan oder Methanthiol wird normalerweise geruchlosem Haushaltsgas zugesetzt, damit Gaslecks leichter bemerkt werden können. In schwachen Konzentrationen kann das Gas die Augen, Atemwege und die Haut reizen. Nach Angaben des französischen Instituts für Forschung und Sicherheit (INRS) kann es bei Personen, die dem Gas direkt ausgesetzt sind, zu Lungenproblemen, Schwindel, Übelkeit und Bewusstseinsstörungen kommen. In sehr hohen Konzentrationen kann Methylmercaptan tödlich sein.

Zahlreiche Franzosen riefen die Nachrichtenagentur AFP an und beschwerten sich über den Geruch und klagten über Kopfschmerzen. "Alle sagen, wir sollen keine Angst haben, aber das gleiche wurde auch über die Wolke von Tschernobyl gesagt", sagte eine Familienmutter mit Blick auf die Atomkatastrophe in Tschernobyl 1986. In Internetforen klagten Franzosen über einen "unausstehlichen Geruch", "Kopfschmerzen" und "Schwindel". Ein Vertreter der Rettungsdienste sagte allerdings, es handele sich vermutlich in erster Linie um "psychologische Reaktionen".

AFP AFP

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