Beklagt vor einer Geschworenenjury in Los Angeles sind der Google-Mutterkonzern Alphabet und Meta - die Tech-Giganten hinter Youtube, Facebook und Instagram. Den Konzernen wird vorgeworfen, ihre Plattformen gezielt suchtfördernd für Kinder und Jugendliche gestaltet zu haben. Die vom Konzern Bytedance betriebene Videoplattform Tiktok hatte kurz vor Prozessbeginn eine außergerichtliche Einigung erzielt.
Im Mittelpunkt des Verfahrens unter dem Vorsitz von Richterin Carolyn Kuhl steht der Fall einer 19-jährigen Frau, deren Name mit K.G.M. abgekürzt wird. Sie wirft den Betreibern von Online-Netzwerken vor, sie abhängig gemacht und dadurch schwere psychische Schäden bei ihr verursacht zu haben. Das Verfahren gilt als Musterprozess für zahlreiche weitere Klagen.
Die Anwälte der Kläger greifen bei dem Prozess auf Strategien zurück, die in den 90er und 2000er Jahren gegen die Tabakindustrie angewendet wurden. Bei der damaligen Klagewelle wurde unter anderem argumentiert, dass die Unternehmen ein schädliches Produkt verkauften.
Kläger-Anwalt Mark Lanier warf den Konzernen in seinem Eröffnungsplädoyer am Montag vor, nicht nur Apps zu entwickeln, sondern auch "Fallen" zu konstruieren. Um seine Argumentation zu untermauern, legte er mehrere interne Dokumente von Google und Meta vor, die belegen sollen, dass die Unternehmen dabei mit Vorsatz handelten.
Meta und YouTube verfolgten eine "süchtig machende Strategie", sagte Lanier und hob hervor, dass das Geschäftsmodell von Meta und Google größtenteils auf Werbung basiere - sie profitieren also davon, wenn Nutzer möglichst viel Zeit auf den Plattformen verbringen.
Meta-Anwalt Paul Schmidt entgegnete in seinem Eröffnungsplädoyer, dass der verschlechterte psychische Zustand der Klägerin hauptsächlich mit ihrer familiären Situation zusammenhänge. Probleme in der Familie und Mobbing in der realen Welt hätten ihr Selbstwertgefühl, ihr Körperbild und ihr Glück beeinträchtigt. Wenn man Instagram wegnehmen würde und alles andere im Leben der Klägerin gleich geblieben wäre, "wäre ihr Leben dann völlig anders oder würde sie immer noch mit denselben Problemen zu kämpfen haben wie heute?", fragte er.
Die Zeugenaussage von Meta-Chef Mark Zuckerberg wird für kommende Woche erwartet, Instagram-Chef Adam Mosseri soll frühestens am Mittwoch befragt werden. Es wird erwartet, dass auch Neil Mohan, der Chef von Youtube, vorgeladen wird.