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Zypern: EZB kritisiert Äußerungen von Eurogruppenchef

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Äußerungen von Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem kritisiert, wonach die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als Vorbild bei anderen Euro-Krisenstaaten dienen könnten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Äußerungen von Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem kritisiert, wonach die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als Vorbild bei anderen Euro-Krisenstaaten dienen könnten. "Es war falsch von Herrn Dijsselbloem zu sagen, was er gesagt hat", bekräftigte das französische EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré im Sender Europe 1. Unterdessen kündigte der Chef der marktführenden Bank of Cyprus, Andreas Artemis, aus Protest gegen die drastischen Einschnitte in das zyprische Bankensystem seinen Rücktritt an.

Dijsselbloem hatte am Montag nach der Einigung auf das Rettungspaket für Zypern, das eine massive Beteiligung von Anlegern und die Abwicklung einer Bank vorsieht, angedeutet, der Plan könne künftig bei der Rettung anderer Euro-Krisenstaaten als Vorbild dienen. "Das Risiko vom Finanzsektor zu nehmen und es der Öffentlichkeit aufzubürden, ist nicht der richtige Ansatz", sagte der niederländische Finanzminister der "Financial Times". Wenn Banken Risiken eingingen, mit denen sie nicht umgehen könnten, könne die Konsequenz daraus lauten: "Das ist das Ende der Geschichte". Die Börsen hatten mit starken Kursverlusten reagiert, auch der Wert des Euro sank.

Am Montagabend distanzierte Dijsselbloem sich in einer kurzen Erklärung von seinen Interview-Äußerungen. "Zypern ist ein besonderer Fall mit einmaligen Herausforderungen", erklärte der Eurogruppenchef. Wirtschaftliche Anpassungsprogramme seien auf die Situation eines Landes "maßgeschneidert", es würden keine "Modelle oder Schablonen" verwendet.

Artemis werde sein Rücktrittsgesuch im Laufe des Tages der Unternehmensführung überbringen, berichtete die zyprische Nachrichtenagentur CNA. Nach Informationen zyprischer Webseiten wurde der Rücktritt durch mehrere Erwägungen beeinflusst, unter anderem durch die Ernennung eines Aufsehers für die Bank of Cyprus seitens der zyprischen Zentralbank.

Artemis ist den Web-Informationen zufolge nicht damit einverstanden, wie die Guthaben der zweitwichtigsten zyprischen Bank, Laiki, unter dem Druck internationaler Geldgeber in die Bank of Cyprus zwangsüberführt werden. Er sei auch irritiert über die Entscheidung, den Aufseher Dinos Christofides auf die Umstrukturierung der Bank of Cyprus anzusetzen. Ferner reagierte Artemis mit Unmut darauf, dass die Niederlassungen der Bank of Cyprus im Ausland ohne Mitwirkung der Chefs der Bank veräußert wurden. Die zyprischen Banken bleiben angesichts der aktuellen Krise im Finanzsektor bis Donnerstagmorgen geschlossen.

Die Ratingagentur Fitch stufte indes die beiden wichtigsten Banken auf Zypern, die Laiki-Bank und die Bank of Cyprus, auf Zahlungsausfall herab. Die drittgrößte zyprische Bank, die Hellenic Bank, wurde nach dem Rettungspaket für die Insel zwar bei ihrer Einstufung auf "B" gehalten, allerdings mit negativem Ausblick, wie die Ratingagentur am Dienstag in Paris mitteilte.

Bisher waren auch die Laiki-Bank und die Bank of Cyprus bei Fitch auf "B" eingestuft. Angesichts der durch das Rettungspaket vorgesehenen Einschnitte sowie der Verluste für Geldanlagen wurde die Laiki-Bank nun auf "Ausfall" herabgestuft und die Bank of Cyprus auf "beschränkter Ausfall".

Hunderte Oberschüler zogen protestierend durch die Hauptstadt Nikosia. Auf Spruchbändern forderten sie den Rückzug der internationalen Geldgeber-Troika aus Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). "Wir haben Angst um unsere Zukunft", sagte ein 17-jähriger Schüler, der erläuterte, er habe den Aufruf zu der Kundgebung über das soziale Netzwerk Facebook erhalten. In Sprechchören forderten die Schüler, die Verantwortlichen für den "Diebstahl" der zyprischen Guthaben müssten ins "Gefängnis" und "Wir müssen die Blutsauger bekämpfen!"

Die Euro-Finanzminister hatten dem vom Staatsbankrott bedrohten Zypern in der Nacht zu Montag Hilfen von bis zu zehn Milliarden Euro zugesagt. Im Gegenzug muss Zypern seinen als aufgebläht geltenden Bankensektor umstrukturieren und mit der Laiki-Bank die zweitgrößte Bank des Landes abwickeln. Aktionäre, Gläubiger und Inhaber großer Bankguthaben der Laiki-Bank dürften massive Verluste hinnehmen müssen. Bei der Bank of Cyprus, bei der besonders viele Ausländer Geld angelegt haben, soll auf Guthaben über 100.000 Euro nach Angaben der zyprischen Regierung ein Abschlag von 30 Prozent fällig werden.

AFP / AFP