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Fünf-Punkte-Plan: Früher Koma-Säufer, heute Vorbild – wie Island seine Jugendlichen in den Griff bekam

Vor 20 Jahren waren isländische Teenager völlig außer Kontrolle, heute gilt das dortige Drogen-Präventionsmodell als Vorbild. Mit einem Fünf-Punkte-Plan hat das Land seine Jugend umerzogen.

Jugendliche in der Blauen Lagune in Reykjavik, Island

Jugendliche in der Blauen Lagune in Reykjavik, Island. Das Land gilt heute als Vorbild in Sachen Drogenprävention.

"An einem Freitagabend konntest du nicht durch die Innenstadt von Reykjavik gehen, ohne dich unsicher zu fühlen", sagt Harvey Milkman als er an die 90er-Jahre in Islands Hauptstadt denkt. "Alles war voll mit Teenagern, die sich besinnungslos soffen." Der US-amerikanische Psychologie-Professor arbeitet mehrere Monate des Jahres an der dortigen Universität. Mit "The Atlantic" sprach er über eine isländische Erfolgsgeschichte.

Noch vor 20 Jahren gehörte das nordische Land zu den schlechtesten in Europa, wenn es um den Konsum von Alkohol und illegalen bei Jugendlichen geht. Dann legten die Isländer ein nationales Jugendprogramm auf - und die Situation verbesserte sich drastisch. Heute steht Island an der Spitze der Tabelle. Gaben 1998 noch 42 Prozent der 15- und 16-Jährigen an, im letzten Monat betrunken gewesen zu sein, fiel der Wert 2016 auf 5 Prozent. Hatten damals noch 17 Prozent dieser Gruppe bereits Cannabis ausprobiert, waren es im vergangenen Jahr lediglich 7. Beim täglichen Rauchen von Zigaretten fiel die Zahl von 23 Prozent auf drei.

Island und der Fünf-Punkte-Plan

Wie hat Island das geschafft? Wie die BBC berichtet, setzte das Land dabei auf einen Fünf-Punkte-Plan:

  1. Der erste Streich war ein Zapfenstreich. Jugendliche unter 16 Jahren dürfen in Island im Winter ab 22 Uhr, im Sommer ab 0 Uhr nicht mehr draußen sein. In einigen Städten patrouillieren Elterngruppen abends durch die Straßen und kontrollieren, ob sich die Kids auch daran halten.
  2. Islands Eltern einigten sich auf Verhaltensregeln für ihre Kinder, die in einer Art Kodex festgehalten wurden. Darin schworen sich die Eltern unter anderem, ihre Kinder zuhause keinen Alkohol trinken zu lassen, sie keine unbeaufsichtigten Partys feiern zu lassen und mehr Zeit als Familie zu verbringen.
  3. Drogenlose Freizeitaktivitäten wurden in den Fokus staatlicher Förderung gerückt. Eltern in Reykjavik etwa bekommen dafür pro Jahr einen Gutschein im Wert von umgerechnet rund 300 Euro. Der kann zum Beispiel für den Fußball- oder Reitverein verwendet werden.
  4. Die Erfolge werden statistisch überwacht. Flächendeckende Jugendbefragungen geben regelmäßig Auskunft über die Konsumgewohnheiten, die Beziehungen zum Umfeld und Stimmungen der Jugendlichen. Daraus werden dann bei Bedarf einzelne Maßnahmen entwickelt.
  5. Die Politik wurde einbezogen, Gesetze geändert: Tabak ist nun ab 18 Jahren, Alkohol erst ab 20 Jahren erhältlich. Die Programme wurden priorisiert behandelt, Förderungen für die Präventionsarbeit in Elternverbänden, Jugendklubs und Schulen genehmigt.   


Das isländische Erfolgsmodell wird mittlerweile exportiert. 35 Städte in 17 europäischen Ländern wenden "The Atlantic" zufolge ein darauf basierendes Programm an, um den Drogenkonsum unter Jugendlichen zu bekämpfen.

Daheim in Island freut man sich über die beeindruckenden Ergebnisse des Programms. Dafur Eggertsson, der Bürgermeister von Reykjavik, führt unter anderem auch sportliche und musikalische Erfolge auf "Youth in Iceland" zurück. "Dank dieses Programmes haben wir wahrscheinlich bei der Fußball-EM gegen England gewonnen", stellt er augenzwinkernd fest.

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