HOME

Mangelnder Respekt: Lehrer kapitulieren vor gewalttätigen Grundschülern und rufen in offenem Brief um Hilfe

An einer Grundschule in Sachsen-Anhalt sehen sich Lehrer mit unhaltbaren Zuständen konfrontiert. In einem offenen Brief rufen sie um Hilfe und sprechen von Sabotage, Körperverletzung und mangelndem Respekt.

An einer Grundschule in Sachsen-Anhalt sehen sich Lehrer mit schweren Problemen mit den Schülern konfrontiert (Symbolbild)

An einer Grundschule in Sachsen-Anhalt sehen sich Lehrer mit schweren Problemen mit den Schülern konfrontiert (Symbolbild)

Die Lehrer einer Grundschule in Sachsen-Anhalt schlagen mit einem offenen Brief Alarm. An der Schule in Aue-Fallstein - besucht von Sechs- bis Zehnjährigen - würden teilweise unhaltbare Zustände herrschen. Der Brief wurde vor Kurzem an die Eltern verteilt, er liegt dem MDR und der "Volksstimme" vor. Darin ist demnach die Rede von "extremer körperlicher Gewalt", dem "Nichteinhalten bekannter Verhaltensregeln" und der "Sabotage des Unterrichts". Manche Kinder würden Verletzungen ihrer Mitschüler billigend in Kauf nehmen und hätten keinen Respekt vor den Lehrkräften, heiße es dort.

Die "Volksstimme" zitiert aus dem : "Die Problematik äußert sich im Unterrichts- und Pausengeschehen in extremer körperlicher Gewalt, Körperverletzungen anderer Schüler, dem Nichteinhalten bekannter Verhaltensregeln oder durch Nichtkenntnis von Regeln des zwischenmenschlichen Umgangs, Sabotage des Unterrichts durch permanente Störungen und Schlägereien, unerlaubtes Verlassen des Unterrichts, Sabotage des Unterricht durch Nichterscheinen zum Unterricht oder durch Verstecken auf dem Schulgelände."

Grundschule fast ausschließlich von Deutschen besucht

Den beiden Medien zufolge werden 163 Schülerinnen und Schüler dort unterrichtet. Diese kämen aus sieben kleinen bis mittleren Ortschaften in der Umgebung. Fast alle davon sind dem MDR zufolge Deutsche, lediglich ein Kind soll ausländische Wurzeln haben. Der "Volksstimme" zufolge wird die Schule nicht größtenteils von Kindern aus finanziell schwächeren Familien besucht. Die Schüler kämen "aus allen Einkommensschichten".

Dem Blatt zufolge sollen vor allem der mangelnde Respekt vor den Lehrkräften und das Nichtbefolgen der Regeln ein großes Problem an der Schule sein. So seien auf dem Fußweg durchs Dorf zwischen Schule und Turnhalle einfach weggelaufen. Zudem hätten mehrfach Kinder das Schulgelände während der Schulzeit verlassen oder seien nach Schlägereien auf dem Schulhof vor den Lehrkräften geflohen. Auch Eltern hätten sich demnach geweigert, ihr Kind nach einem Vorfall von der Schule abzuholen.

Lehrer wollen künftig Polizei rufen

Dem Schreiben zufolge sei die Situation erst mit dem Beginn des Schuljahres extrem aus dem Ruder gelaufen. Regelverstöße seien etwa mit dem Abschreiben der Hausordnung geahndet worden, was jedoch nicht zum gewünschten Erfolg geführt hätte. Daher wollten die Lehrer nun härter durchgreifen. Künftig müssten Eltern demnach ihre Kinder bei Verstößen von der Schule abholen, auch mit einem fünftägigen Schulausschluss werde gedroht. Zudem würden in Zukunft Polizei oder Rettungsdienste gerufen werden, wenn sich Kinder unerlaubt von Schulgelände entfernen oder es zu einer kommt.

Sowohl der MDR als auch die "Volksstimme" haben die Schule erfolglos um eine Stellungnahme gebeten. Eine Sprecherin des Landesschulamtes sagte, man sei schon seit längerer Zeit wegen der Probleme mit der Schule in Kontakt. Beide Medien sprachen auch mit einer Elternvertreterin namens Mandy Bähsel, die den Brief als "Hilferuf der Lehrer" bezeichnete. "Gerade in der ersten und zweiten Klasse sollten doch die Kinder noch mit Freude in die Schule gehen und sich dort wohlfühlen", klagte sie und räumte ein, dass es an der Schule immer wieder zu "Schlägereien" zwischen Schülern komme.

fin