StechusKaktus

Was sind die Gründe für die italienische Bankenkrise?

Überall lesen wir von "faulen Krediten" oder "notleidenden Krediten", die jetzt die Ursache für eine weitere bevorstehende Bankenrettung sind. Bei der letzten waren mir die Gründe bekannt: Immobilienblase in den USA und hinterlistige Ratingagenturen.
Aber welche Gründe gibt es heute? Von einer neuen Immobilienblase habe ich nichts gehört und Konsumentenkredite werden es ja wohl auch nicht sein.
Ich habe gesucht, aber nichts gefunden. Wisst ihr etwas?
Frage Nummer 3000053659

Antworten (20)
StechusKaktus
Im Artikel werden zwei Ursachen genannt: Investitionskredite und Konsumentenkredite, die notleodend wurden. Gerade für diese beiden Kreditarten ist aber die Kalkulation einer Risikovorsorge relativ einfach. Dazu kommt, dass Italien seit Renzis Strukturreformen auf einem guten Weg ist. Von daher halte ich die Gründe nicht für stichhaltig, sie deuten auf ein komplettes Versagen des Risikomanagements aller italienischen Banken hin. Das glaube ich nicht.
rayer
Dann lies den Artikel noch mal langsam. Das Wie und warum steht da recht gut erklärt. Die größte Gefahr, das Bail in und die verheerenden Folgen, wird wohl von Dir völlig unterschätzt.
StechusKaktus
Ein guter Artikel. Dennoch beschäftigt er sich nicht mit der Ursache der notleidenden Kredite, sondern eher damit, dass nicht entsprechend reagiert wurde.
Und der sog. bail-in ist für mich selbstverständlich und ein Teil des Spekulationsrisikos von Anlegern. Darum habe ich mich damals auch so darüber aufgeregt, dass die Anleger der isländischen Kaupthing Bank entschädigt wurden.
Ich tippe bei den Kreditausfällen auf einen Zusammenhang mit der Mafia. Ansonsten gäbe es plausible Erklärungen.
elfigy
Die Ursache ist ganz banal. Die faulen Kredite haben sich im Laufe vieler Jahre angehäuft. Sie wurden nie wertberichtigt. Wenn es an der Aufsicht mangelt, kann man sowas lange durch die Bilanzen schleifen. Große Investitionskredite, die in die Hose gingen, zogen kleinere Kredite von arbeitslos gewordenen Leuten nach sich. Und es wurden mehr und mehr. Es sind die sogenannten Leichen im Keller, die jetzt ausgegraben werden müssen. Das ist seit langem in Bankenkreisen ein offenes Geheimnis. Mit der Mafia hat es nichts zu tun. Mehr mit südländischem Geschäftsgebaren. Um noch etwas zu retten, drängt Draghi deshalb seit geraumer Zeit so auf die europäische Vergemeinschaftung von Bankschulden. Aber das gebunkerte Geld im deutschen Sicherungsfonds reicht eh nicht. Und bis jetzt konnte es erfolgreich abgewehrt werden.
elfigy
Ach ja, die Franzosen müssen auch bald im Keller buddeln. Hätte ich fast vergessen.
Dorfdepp
@ elfigy
Bis jetzt konnte die Vergemeinschaftung der Bankschulden erfolgreich abgewiesen werden? Erfolgreich? Verrätst du jetzt deine linke Gesinnung? Wenn wir ab 2017 eine rot-rot-grüne Bundesregierung haben, ist die unsolidarische Haltung der jetzigen Regierung endlich vorbei.
elfigy
Dorfdepp, das hat nichts mit Gesinnung zu tun. Es hat mit Vernunft und Gerechtigkeit zu tun.
Man muss nicht alle Banken retten. Einzelne, die systemrelevant sind, aber nicht jede Zockerbank. Und schon gar nicht mit Rücklagen, die vernünftige, seriöse Banken für (eigene) Notlagen gebildet haben. Und Banken, die gerettet werden müssen, soll gefälligst der Staat retten, oder meinetwegen die EU. Wenn sie schon so lange tatenlos zugeschaut haben. Es gibt immer Mitschuldige.
Hier wäre, weil es sich um Unternehmen und nicht um Staaten handelt, der Vergleich in etwa so.
Fiat verpulvert grob leichtsinnig das Tafelsilber und jemand verlangt von Daimler, VW, Renault, dass diese aus ihren Rücklagen die immensen Schulden von Fiat zahlen, ohne jedoch damit Eigentumsanteile von Fiat zu erwerben.
Ja wie hammas denn?
Dorfdepp
elfigy,
redest du mit Absicht mit mir aneinander vorbei? Natürlich ist es eine Frage der Vernunft, dass der Steuerzahler keine Banken retten muss, vor allem keine ausländischen. Aber Brüssel forciert eine europäische Bankenhaftung, Deutschland ist zwar dagegen, aber da die Vernunft nicht bei den Linken angesiedelt ist, sind die aus falsch verstandener Solidarität dafür. So hatte ich das sinngemäß geschrieben.
elfigy
Hier irrst du Dorfdepp. Sogar "Die Linke" lehnt das vorliegende Konzept ab. Ich hab extra bei denen nachgelesen.
Alle Parteien in D sind sich einig, dass eine Europäische Bankenunion eine langfristige Angelegenheit sein muss. Also erst mal was ansparen und nicht das Ersparte plündern.
Bis jetzt hat sich Herr Draghi mit seinen Wünschen bei keiner deutschen Partei durchsetzen können und es wird sich dann wohl auch keine Koalition dafür finden. Und ohne die Zustimmung von D bekommt das auch ein Herr Draghi und ein Herr Juncker nicht hin.
elfigy
Lieber ing, die bankeneigenen Sicherungsfonds werden schon lange klammheimlich gebraucht. Die Banken in D haben nicht eine gemeinsame Sicherungseinrichtung, sondern nach Bankengruppen getrennt. Sie machen das geräuschlos untereinander, sanieren und fusionieren. Dass sie dagegen sind, ihre Sicherungsfonds in eine europäische Bankenunion einzubringen ist ja wohl verständlich. Es handelt sich um durch anständiges, verantwortlich erwirtschaftetes, erspartes Geld. Wer kann es verdenken, wenn sie damit nicht Zockerbanken sanieren wollen. Es gibt schliesslich auch seit 2016 ein Gesetz, das die Abwicklung maroder Banken regelt.
elfigy
Die deutschen Sicherungseinlagen wären in 10 Sekunden komplett weg. So siehts aus.
Dorfdepp
Eine europäische Bankenunion steht auf dem selben Fundament wie eine europäische Schuldenhaftung oder eine Transferunion. Die einen machen Schulden und die anderen haften dafür. Nicht umgekehrt, das funktioniert nur in einer Richtung.
StechusKaktus
Hier kann man sich doch gut an den Amis orientieren. Das mit der Bankenrettung haben die deutlich besser hinbekommen:
1. Pleite gehen lassen
2. Aktien billig aufkaufen
3.Kapitalerhöhung durchführen
4. Bank sanieren
5.Aktien mit hohem Gewinn verkaufen
Zombijaeger
Was mir an der bankenrettung hierzulande nicht gefällt: Es verleitet zu hemmungslosem Zocken. Wenn es schiefgeht, zahlt ja der Steuerzahler. Der Vorteil, wenn man die Aktien aufkauft nach einer Insolvenz ist: man kann das komplette Management an die Luft setzen.
Amos
Wieder etwas gelernt: die Aktien einer AG gehören also Banken. Und nicht dem Unternehmen. Interessant!
Amos
Ich habe auch immer gedacht, daß meine VW-Aktie mir gehört und nicht der Deutschen Bank.
elfigy
Da wurde nichts gelöscht.
Bei Aussagen von Amos kann man schon seit einiger Zeit keinen Kontext mehr herstellen.
Man muss es so hinnehmen und mit der Schulter zucken.
Die Menschheit ist ein bunter Haufen.
elfigy
Zombiejäger, da hat sich seit der letzten Bankenkrise einiges geändert. Die Maßnahmen kannst du im internet recherchieren.
Panther
Amos ist abgelenkt.
Er übersetzt "Faust" in das Lateinische.