HOME

Noch Fragen?

Frage Nummer 3000127998 Marla37191

Zu viel genommener Urlaub in der Probezeit und dann Kündigung durch Arbeitgeber

Ich habe folgende Frage:
Ich habe am 01.06.19 einen 450€- Job angefangen. Von Anfang an war geklärt, dass ich eine Woche im Juli im Urlaub bin und dann Ende August noch einen Tag Urlaub benötige. Der Betrieb hat im August 2 Wochen Betriebsferien gemacht. Eigentlich sollte ich in der Zeit arbeiten um ein PC- Programm zu installieren und einzurichten, aber mein Arbeitgeber hat mir kurzfristig eine Nachricht gesendet und mir mitgeteilt, dass ich doch Urlaub machen soll.
Jetzt habe ich meine Kündigung in der Probezeit bekommen mit der Frist zum 10.09.19.
Kann mein Chef mir jetzt die zu viel genommenen Urlaubstage vom restlichen Lohn abziehen?
Antworten (11)
rayer
Nein
umjo
rayer, ich widerspreche Dir ja nur ungern, aber wenn die Kündigung auf betrieblichen und/oder persönlichen Gründen gründet: Grundsätzlich doch!

Allerdings irritiert mich hier einiges:
Erstens: Was ist ein 'zu viel genommener' Urlaub?
Die Genehmigung deutet doch eigentlich darauf hin, das der AG eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses über die Probezeit hinaus von Anfang an als unproblematisch gesehen und auch angestrebt hat.

Zweitens: Die Frist zum 10.09.
Kündigung 'jetzt' interpretiere ich als Kündigung zum nächst möglichen Zeitpunkt. Also in vorliegenden Fall spätestens erklärt am 12.8.19.

Drittens: Was 'war geklärt' und vor allen Dingen, wie - schriftlich und damit nachweisbar?

Und nicht zuletzt viertens: Vertragspflichtige Arbeit während der Betriebsferien? Gilt m.W. mur für AN, die vertragilch dazu verpflichtet wurden.

Also, Marla37191: Weitergehende Infos wären hier durchaus hilfreich!
ing793
knifflig

gesetzlich (vier Wochen Urlaub) steht Dir anteilsmäßig eine Woche zu, bei den durchaus nicht unüblichen sechs Wochen Urlaub wären es eineinhalb (was immer das in Tagen bedeutet).
Der Urlaub, den Du beantragt hast, entspricht dem, da ist alles in Ordnung.
Bei den zwei Wochen im August kommt es ein wenig darauf an: so wie ich das verstehe, solltest und wolltest Du arbeiten und bist nur deshalb zu Hause geblieben, weil Dein Chef Dich nach Hause geschickt hat.
Dann würde ich sagen, ist es sein Problem und er darf Dir die Tage nicht abziehen.

@Umjo: die Kündigungsfrist in der Probezeit beträgt zwei Wochen, also ist die Kündigung um den 27.08. erfolgt.
Durchaus möglich, dass sich in den Betriebsferien etwas ergeben hat, was die ursprüngliche Planung beeinflusst hat.
Marla37191
Für umjo:
1. Ich arbeite 2 Tage pro Woche und bekomme 26 Tage Urlaub bei einer 5-Tage-Woche.
2. Ich habe am 26.08. meine Kündigung per Whatsapp bekommen und am 27.08. lag die schriftliche Kündigung im Briefkasten. Laut meinem Vertrag ist eine Kündigung in der Probezeit mit einer Frist von 14- Tagen möglich. Die Kündigung erfolgte daher fristgerecht und ohne Angabe von Gründen.
3. Der Urlaub wurde direkt im Vorstellungsgespräch von mir angegeben und lediglich von meiner Chefin notiert.
4. Ich habe selber angeboten im Urlaub zu arbeiten, da ich wusste, dass mein Urlaubsanspruch nicht ausreicht um noch 2 Wochen Urlaub zu machen.
umjo
Ok, Marla, ing, mit der Frist habe ich daneben gelegen.

Marla, wenn Du in einem Unternehmen mit regelmäßig 5 Arbeitstagen eine 2-Tage-Woche hast, und 26 Tage Jahresurlaub, dann errechnet sich daraus 26x2 / 5 = 10,4 Tage Jahresurlaub und demnach ca. 0,87 Tage/Monat.

Deine Betriebszugehörigkeit beträgt 3 Monate und 10 Tage.In dieser Zeit hast Du 6 Urlaubstage 'verbraucht', bei einem rechnerisch erworbenem Anspruch von knapp 2,6 Tagen. Bruchteile eines Tages größer 1/2 werden nach § 5 Abs. 2 BUrlG als ganzer Tag gerechnet; somit wären das 3 Tage.

Für die verbliebenen drei Tage sollte allerdings gelten, dass Mitarbeitern, die neu im Betrieb sind und infolge der Probezeit noch nicht genügend Urlaub ansammeln konnten, bereits genehmigter Urlaub nicht wegen irgendwelcher Betriebsferien gestrichen werden darf (Fundstelle).
Da der Urlaub ja nicht nur genehmigt, sondern sogar angeordnet war, sehe ich keinen Raum für eine Lohnkürzung.
ing793
@Umjo, Du hast den Urlaubsanspruch so schön ausgerechnet (Tage werden übrigens immer zu Gunsten des AN aufgerundet, es sind also elf).
Und dann haust Du bei der Berechnung des genommenen Urlaubs so daneben. Sie hat eine Woche und einen Tag genommen. Wie lange war die Woche doch gleich?
Insgesamt also drei Tage bei dieser Betrachtung.
Es bleibt dabei, der gewollte Urlaub entspricht dem erworbenen Anspruch, das Problem sind die Betriebsferien.
umjo
Danke ing, für die Blumen. Aber es bleibt für mich ebenfalls dabei:
10,4 Tage werden -da nicht >1/2- auch nicht auf 11 Tage aufgerundet. Das mag zwar für die Betrachtung eines kompletten Jahresurlaubs richtig sein. Für anteiligen Uerlaubsanspruch m.E. aber nicht.

Was meinst Du mit 'eine Woche und einen Tag genommen'? Geht es hier um die Länge einer Woche?

Du schreibst u.a. "...das Problem sind die Betriebsferien...", und das ist jetzt m.É. -unabhängig von korrekten oder fehlerhaften Berechnungen des erworbenen Anspruchs außerhalb der 'Betriebsferien'- der entscheidende Punkt.

Genau dieses Problem aber glaubte ich mit diesem Quellennachweis geklärt zu haben.
rayer
Und trotzdem ist jede Antwort Blödsinn. Angeordneter Urlaub und damit unternehmerisches Risiko. Es gibt nichts zum Einbehalten vom Lohn.
ing793
@Umjo: in Urlaubsrecht werden 10,001 Tage auf 11 aufgerundet, weil IMMER aufgerundet wird zugunsten des AN, wenn ein Tagesbruchteil auftaucht.

Du rechnest 26 Urlaubstage auf 10,4 Tage herunter, weil Fragesteller nur 2 Tage je Woche arbeitet.
DANN ... muss er aber auch nur zwei Urlaubstage nehmen, um eine Woche frei zu haben. Dazu der eine Tag Ende August sind drei.

Deswegen bleiben die zwei Wochen und ich wäre geneigt, aber nicht sicher, dass das das Problem des AG ist,
Rayer ist sich da anscheinend ganz sicher, immerhin tendieren wir also in die gleiche Richtung.
rayer
Es kommt aus eigener Erfahrung. Wenn ich Urlaub anordne und den Mitarbeiter kündige mit einem Minus im Urlaubs- oder Arbeitszeitkonto ist es mein Vergnügen. Das monatliche Gehalt ist ohne Abzüge zu zahlen. Unternehmerisches Risiko, Ende.
Jo-Schu-1978
Mal aus Sicht eines Personalers...

Die Ansicht daß Urlaubstage immer aufgerundet werden, entspricht nicht dem Bundesurlaubsgesetz. Dort ist ausdrücklich vermerkt, dass ab 0,5 aufgerundet wird. Gängige Rechtssprechung ist, dass Bruchteile unter 0,5 beim Ausscheiden zu vergüten sind.

Grundsätzlich gilt mit ganz wenigen Ausnahmen, dass Urlaubslohn nicht zurück gefordert werden darf. Etwas anders sieht es aus, wenn der Urlaub noch nicht abgerechnet/bezahlt wurde. Dann kommt unter Umständen unbezahlte Freistellung statt Urlaub und Spiel. Allerdings maximal für den Tag Ende August. Der Betriebsurlaub selbst ist in jedem Fall zu vergüten. Wenn nicht als Urlaub dann als 'Garantiezeit' da sich der AG ja für die Zeit im Annahmeverzug befände. Arbeitsleistung würde ja angeboten.

Also wenn Kürzung, dann maximal ein Tag.